Heiraten kommt in Deutschland wieder in Mode. Und damit auch längst vergessen geglaubte Hochzeitsbräuche. Egal ob die Ehe standesamtlich geschlossen wird oder von einer religiösen Zeremonie begleitet wird, auf althergebrachte Rituale wollen die wenigsten verzichten. Auch wenn viele Hochzeitsbräuche auf den ersten Blick ein überkommenes Geschlechterbild spiegeln, erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Kaum ein Bräutigam darf das Kleid vorher zu Gesicht bekommen, aus Angst vor einem schlechten Omen. Und viele Hochzeitsgäste achten genau darauf, wer beim Anschneiden der Torte die Hand oben hat: Ist es die Braut, hat sie die Hosen in der Ehe an.
In Rumänien ist der Bräutigam gut beraten, vor dem großen Tag ein paar extra Fitnessstunden einzuplanen. Wenn die Freunde der Braut auf die Einhaltung der traditionellen Hochzeitsbräuche pochen, werden sie den Brautkranz für die Zukünftige nämlich an einem besonders hohen Baum befestigen. Der Ehekandidat muss sich seine Liebe im wahrsten Wortsinn erobern. Seine Freunde bilden dafür eine Pyramide, auf deren Spitze nach den rumänischen Hochzeitsbräuchen der junge Mann balanciert, um sich den Brautkranz zurückzuholen. Die Braut wartet derweil auf festem Boden auf den öffentlichen Beweis, dass ihr Herzbube ein ganzer Kerl ist.
Neben den Hochzeitsbräuchen der Massai in Kenia nehmen sich das Tänzchen mit dem Schwiegervater oder das Brautstraußwerfen auf einer deutschen Hochzeit eher harmlos aus. Der Vater der Massai-Braut spuckt seinen Segen mit Milch auf Kopf und Brust seiner Tochter, verbunden mit dem Wunsch nach vielen Kindern. Eine freie Wahl des Lebenspartners sehen die Hochzeitsbräuche der Massai nicht vor. In der Regel wählen Eltern die in ihren Augen "passende Partie" aus. Auf dem Weg zu ihrem Bräutigam darf sich die Massai-Braut auf keinen Fall umdrehen: Nach überlieferten Vorstellungen verwandelt dies die Frau zu Stein.
Weil die Nahrungsmittel einst in England knapp waren, gehören Lebensmittel bis heute zu den Hochzeitsbräuchen im Königreich. So bewarf man im 17. Jahrhundert das Brautpaar beim Auszug aus der Kirche mit Weizen. Ein Hochzeitsbrauch, der sich bis heute gehalten hat, auch wenn je nach Region Gerste oder Reis als kulinarischer Segensbringer dienen. Auch der Ausdruck "honeymoon" für Flitterwochen hat seine Ursprünge in englischen Hochzeitsbräuchen. Früher trank die Braut nach der Hochzeit einen Monat lang Honigwein. Das sollte ihre Fruchtbarkeit steigern und mithelfen, einen Stammhalter zu produzieren.
Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP