Den ersten Hochzeitstag haben in der Regel auch die allervergesslichsten Ehemänner noch fest im Blick. Spätestens wenn der Trauzeuge sich mit Glückwünschen meldet, wird hektisch der nächste Blumenladen angesteuert. Dabei wäre für diesen Hochzeitstag ein Papierflieger das perfekte Geschenk: Schließlich nennt man dieses Jubiläum auch die Papierhochzeit - denn noch ist der Bund des Lebens nur bedingt tragfähig.
Alle Hochzeitstage haben eine eigene Bedeutung. Sie werden meist nach den Materialien benannt, mit denen man den Zustand der Ehe vergleichen möchte. So heißt der zweite Hochzeitstag Baumwollhochzeit, weil da die Ehe hoffentlich noch weich und warm ist wie dieses Material. Der dritte Hochzeitstag schmückt sich mit dem Beinamen Lederne Hochzeit. Die Verbindung des Paares hält einiges aus und ist inzwischen reißfest wie eine gegerbte Tierhaut. Zarter geht es nach vier Jahren zu, jetzt wird Seidene Hochzeit gefeiert, denn die Beziehung ist samtweich und edel. Der fünfte Hochzeitstag hingegen spielt an auf den Spruch "auf Holz klopfen", denn wer es bis zur Hölzernen Hochzeit geschafft hat, befindet sich auf festem Grund - hoffentlich.
Hoch die zinnernen Becher, heißt es am sechsten Hochzeitstag: Zum Anlass der Zinnernen Hochzeit werden nach der Tradition Gestände aus Zinn aufpoliert, genau wie die Liebe in der Ehe. Verflixt wird das folgende Jahr oft genannt, den siebten Hochzeitstag kenn man als Kupferhochzeit. Deshalb schenkt man an diesem Hochzeitstag dem Paar traditionell Kupfermünzen - sie brauchen wie die Liebe öfter mal eine Glanzkur. Alternativ bieten sich kupferfarbene Rosen an. Natürlich sieben Stück, denn so viele glückliche Jahre hat das Paar nun schon gemeinsam als Ehepaar erlebt. Nach acht Jahren Ehe darf das Ehepaar dann die Blechhochzeit feiern. Wenn noch ein weiteres Jahr geschafft ist, klopft die Keramikhochzeit bereits an der Tür. In neun Jahren Ehe ist auch so manches an Geschirr zu Bruche gegangen, daher nutzt man hier die Gelegenheit, dem Paar wieder ein neues Service zu schenken, um den Hausrat zu erneuern.
Rosen dürfen auch an der Rosenhochzeit nach zehn Ehejahren nicht fehlen. So stachlig wie die Rose waren die zehn Ehejahre hoffentlich nicht immer - und wenn doch, versöhnt ihr süßer Duft am Hochzeitstag. Häufig ist dieses Jubiläum Anlass für ein Familienfest, bei dem auch die Trauzeugen und Gäste der ursprünglichen Hochzeit eingeladen sind. Größer gefeiert wird von den meisten Paaren jedoch die Silberne Hochzeit nach 25 Jahren. Dekoriert wird der Raum zu diesem Hochzeitstag oft silbern und grün, zwei Farben, die symbolisch für die Ehe an diesem Punkt stehen.
Wer es schafft, 50 Jahre miteinander glücklich zu bleiben, darf zum 50. Hochzeitstag die Goldene Hochzeit feiern. Traditionell wird die Goldhochzeit genauso großartig und spektakulär gefeiert wie der Tag, an dem man sich das Ja-Wort gegeben hat. Spätestens zu diesem Hochzeitstag erneuern Paare den Bund fürs Leben, in der Kirche kann dazu ein Gottesdienst gefeiert werden. Die Farbe des Tages heißt: Gold. Immer seltener werden nach diesem Hochzeitstag die groß gefeierten Jubiläen. Späte Eheschließungen und frühe Scheidungen lassen nur wenige Ehepaare den 60. Hochzeitstag erreichen, der nicht umsonst Diamanthochzeit genannt wird. Kostbar und funkelnd - ein schönes Bild für die Liebe, die so lange hält.
Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP