"Es hat lange gedauert, bis ich mich in dem Beruf gefunden habe, der mir Freiheit und ein kreatives Gestaltungsfeld gibt. Persönliche Dinge waren dabei völlig auf der Strecke geblieben. Als ich mich bei PARSHIP angemeldet hatte, wollte ich voll loslegen: eine Beziehung aufbauen und aus ihr heraus eine Familie gründen. Ich hatte das (naiv) für einfach gehalten: Ich dachte, wenn der andere dieselben Ziele hat (eben eine Beziehung und die Gründung einer Familie), dann würde das schon klappen. Weil eine gewisse Passgenauigkeit bei Parship über den Persönlichkeitstest schon hergestellt wird, dachte ich, es wäre auf diesem Wege wirklich einfach. Und eigentlich war es das auch – mein Stephan war der vierte Kontakt, den ich hatte ...
Bei den ersten über PARSHIP arrangierten Verabredungen habe ich gemerkt, wie schwierig die Sache in Wirklichkeit ist. Es gibt eine Komponente, die sich nicht aus Steckbrief und 'Ich über mich' erfühlen lässt: Die Chemie muss stimmen. Ich habe bei Parship ausschließlich sympathische Männer kennengelernt – bei jeder Verabredung sah ich mich einem potenziellen Partner gegenüber. Trotzdem konnte ich es mir nicht vorstellen – das Gefühl, das Kribbeln, das es für den Beginn einer Beziehung braucht, war einfach nicht da.
Als Stephan mich anschrieb, hatte ich eigentlich gedacht, dieses Gefühl würde wieder ausbleiben. Die E-Mails waren schön (und wirklich vergnügt: Ich hatte zunächst abweisend reagiert, das aber auf ironische Weise; er war darüber aber nicht entrüstet, sondern schrieb: 'Ich musste laut lachen bei Deiner Antwort' – das hat mir gefallen). Aber Erwartungen an unser erstes Treffen hatte ich nicht.
Und dann kam es, das erste Treffen am 24. Juni. Wieder war der Anfang vergnügt (wenn auch nicht gerade lustig für mich): Stephan hatte gesagt, er würde noch einmal anrufen, wenn er in der Nähe sei. Als er dann anrief und sagte, er sei in 15 Minuten am Treffpunkt, stand ich unter der Dusche ... Keine Ahnung, wie ich es so schnell in die Klamotten und auf dem Fahrrad in die Stadt geschafft habe. Jedenfalls kam ich abgehetzt, mit rotem Kopf ('rote Bäckchen' sagte er später) und verschwitzt an. Hinterher hat mir Stephan gesagt, gerade dadurch hätte ich sein Herz gewonnen. Er hatte sich alles Mögliche unter einer 'Hochschullehrerin' vorgestellt, aber nicht, dass sie prustend und mit wehenden Haaren auf einem Fahrrad angerast käme.
Es begann eine wunderbare Zeit. Auch wenn wir eine Fernbeziehung gelebt haben (mit dem Auto sind es 50 Minuten), so hätte ich doch nie gedacht, wie viel Lebensfreude, Glück und Optimismus mir eine Beziehung geben würde. Auch in Zeiten, in denen wir uns nicht sahen, gab es keinen Tag, an dem ich nicht erfüllt war von meinen Gefühlen zu Stephan, die mich beflügelt, animiert und glücklich gemacht haben. Für unsere Treffen haben wir uns immer ein richtiges Programm überlegt – er zeigte mir seine Stadt und sein Leben - ich ihm meines. Nur den Alltag, den haben wir nicht geteilt. Vielleicht war das der Fehler ...
Nach einigen Monaten ist es dann gekippt. Wir hatten uns – vielleicht, weil wir uns im Alltag nie kennen gelernt hatten – kein Fundament aufgebaut. Eine Phase extremer beruflicher Belastung brachte unser Gefühl des Verliebseins erstmals ins Schwanken. Stephan war tags so gestresst, dass er abends müde und wortkarg wurde. Unsere Telefonate änderten sich. Ich wurde unsicher. Mit meiner wachsenden Unsicherheit wuchs mein Klammern. Je mehr ich klammerte, desto mehr zog sich Stephan zurück. Irgendwann spielte in seinem Kopf die Ex-Freundin wieder eine Rolle (heute denke ich, dass es Stephans Weg war, sich wieder Luft und Raum zu schaffen) – mich warf das dann restlos aus der Bahn.
Dann kam die Trennung.
Bei mir schwanden Glück, Optimismus und Lebensfreude, und Traurigkeit und Düsternis beherrschten die Tage. Ich war wieder bei PARSHIP – was einmal geht, das kann doch wieder klappen!? Nein. Ich hatte mein Herz vergeben. An ein Treffen mit einem anderen war nicht zu denken.
Nach einer für mich viel zu langen Zeit rief Stephan wieder an. 'Wollte mich mal wieder melden'. Wir haben uns dann wieder zusammengetan, aber nie richtig aufgearbeitet, was war. Wir haben auch weiterhin keinen Alltag miteinander gelebt. Obwohl wir uns beide näherkommen und intensive Zeit miteinander verbringen wollten, endete doch jede Urlaubsplanung eher in einer Trennung als in einer gemeinsamen Abreise.
Irgendwann sind wir dann doch in einen Sommerurlaub aufgebrochen, und der sollte alles ändern. Wir hatten ein schäbiges Zelt, einen ungemütlichen Campingplatz und Wetterverhältnisse, die man nicht einmal im tiefsten Herbst und Norden erträgt. Trotzdem haben wir die Zeit harmonisch und als echtes Team – eben als 'Partner' – gelebt. Dann kam alles zusammen: Noch im Ausland erreichten uns schlimme Nachrichten, wir mussten den Urlaub abbrechen. Zum beruflichen Stress kamen nun noch familiäre Probleme, Krankheit, mein Krankenhausaufenthalt.
Aber diesmal haben unsere Probleme nicht zu Distanz geführt. Wir haben die Dinge gemeinsam gelebt. Wir haben die schlimmen Erlebnisse geteilt und konnten dabei wirkliche, tiefe Vertrautheit fühlen. Ich werde nie vergessen, wie Stephan im Krankenhaus für mich da war – ich kam aus dem Aufwachraum und er war da. Ganz und gar. Endlich haben wir auch wirklich und offen miteinander geredet. Ich glaube, wir haben Dinge erlebt, an denen selbst gefestigte Beziehungen zerbrechen können – unsere Beziehung haben sie gefestigt. Wir sind zusammen. Und wir wissen es. Wir haben uns füreinander entschieden.
Jetzt gibt es bei mir eine Phase größter beruflicher Beanspruchung. Stephan zeigt mir, dass er weiß, dass es nur eine Phase ist. Das hilft mir.
In unserem ersten Winter wollte sich Stephan auf dem Weihnachtsmarkt einen Ring kaufen. Er hat dann den genommen, der mir besonders gut gefiel – aber bezahlen durfte ich ihn nicht. Ich denke, damals wollte er den Ring für sich haben, der Ring sollte keine Verbindung zwischen uns symbolisieren.
Jetzt trage ich den gleichen Ring. Stephan hat ihn mir geschenkt ..."