"71% Matching - 100% perfekt
Ich hatte ihr so ein Lächeln geschickt, als sie in der Schweiz Skifahren war, und so kam ihre kurze Antwort etwas verspätet. Die Pulverschneehöhe, von der sie berichtete, schien mir übertrieben, außerdem hielt ihr mitgebrachter Labradorwelpe sie derart auf Trab, dass sie keine Lust zum Schreiben erkennen ließ. So wendete ich mich, irgendwie doch etwas enttäuscht, zunächst meinen anderen bestehenden Kontakten zu. Immerhin hatte sie mir so ohne Weiteres ihre Nummer gegeben, ich könne sie ja mal anrufen, aber so leicht war ich dann doch nicht zu haben.
Nach zwei Wochen sah ich, dass sie wieder mein Profil besucht hatte (wie sie mir später sagte, weil sie jetzt doch Kontakt aufnehmen wollte), und so rief ich sie am selben Abend an. Wir quatschten eine Stunde lang, und währenddessen mailte sie mir ein paar Fotos ihres kleinen Labradors, total süß.
Da hatte sie mich eigentlich schon gewonnen.
Meine Location-Idee für unser erstes Date, wahlweise das Ulmer Münster zu besteigen oder den Trucker-Tagesteller einer Autobahnraststätte zu testen, fand sie zwar originell, aber nicht passend, und so lud sie mich zu sich ein, ich solle ihr doch Allgäuer Kässpätzle machen.
Männer, die kochen können, taugen auch sonst was.
Nachdem sie mich sicherheitshalber zuvor noch gefragt hatte, ob ich gefährlich sei, machte ich mich also eines Abends mit den notwendigen Küchenutensilien auf die Reise, immerhin 200 km.
Die Spätzle waren gelungen, ich war an diesem Abend ungefährlich, und so stellte sie am Ende einen Teller Erdbeeren und Schokolade auf den Tisch. Und dass sie ihr Weinglas immer weiter in mein Territorium vorschob, deutete ich als das unbewusste Signal, als das es in den entsprechenden Flirtratgebern immer beschrieben wir.
Meine späte Heimreise war fröhlich.
Bei unserem dritten Date schauten wir uns eine Ausstellung von Tomi Ungerer an. Keine Ahnung, was sie sich bei den hinter einem roten Vorhang versteckten und Jugendlichen nicht zugänglichen, ebenso skurrilen wie harten mechanistischen erotischen Zeichnungen dachte - auf jeden Fall wurde sie mir an jenem Abend sehr gefährlich.
Mittlerweile, nach zwei Monaten, sind wir uns längst einig, wir gehören zusammen, alles ist ganz selbstverständlich, als ob es schon immer so gewesen wäre, zwei intelligente, gut aussehende Leute, die sich eben nicht so en passant begegnen, weil es davon nicht allzu viele gibt, haben einander gefunden, wollen gemeinsam in die Berge gehen und nach Schweden segeln, Tennis und Golf spielen, Mahler und Andre Heller hören, und komischerweise fallen uns neuerdings diese bunten, flotten Multifunktionsfahrradkinderanhänger viel mehr auf als früher."