"Nachdem meine letzte Beziehung Ende 2001 auseinander gegangen war, war ich ziemlich schlecht drauf und hab mein ganzes Umfeld terrorisiert ... (lacht). Schließlich hat ein Freund mich quasi dazu verdonnert, mich vor den Rechner zu setzen und den PARSHIP-Test zu machen. Er hat mir dann die Mitgliedschaft geschenkt.
Ich hab eher sporadisch in meine Match-Box geguckt. Ein paar Kontakte gab's, aber die waren nach zwei bis drei Mails auch schnell wieder weg. Im Januar kam dann das Kontaktgesuch von Jürgen. Dass er Landwirt ist, war für mich okay, mein Onkel hat auch einen Hof, deshalb kenne ich mich da ein bisschen aus. Außerdem standen in Jürgens Steckbrief ein Hund und eine Katze, das gefiel mir. Ich habe selbst zwei Hunde, einen Dobermann und einen Rottweilermischling; ich würde keinen Partner akzeptieren, der meine Hunde nicht mag. Ja, und die Entfernung - etwa 120 Kilometer - war für mich kein Ausschlusskriterium.
Wir haben ein paar Mails ausgetauscht, und ich muss sagen, Jürgen war verhältnismäßig hartnäckig. Dann haben wir telefoniert - stundenlang. Er hat mir auch sein Bild geschickt, das war ganz nett, aber ich hätte mich nicht auf der Straße nach ihm umgedreht. Mir war das aber auch nicht so wichtig; ich kenne ganz schreckliche Fotos von mir, dabei sehe ich viel besser aus ... hoffe ich jedenfalls (lacht). Ich hab ihm übrigens zuerst Bilder von meinen Hunden geschickt. Nach gut zwei Wochen sollte Jürgen mich besuchen. Allerdings musste ich wegen eines entzündeten Knies überraschend ins Krankenhaus. Eigentlich hätte ich absagen sollen, aber ich hatte den Kopf voll, und er hatte meine Adresse sowieso noch nicht ... Ich dachte schon, dass ich ihn jetzt wohl los wäre. Auf meine Entschuldigungsmail hin kam aber eine neue Verabredung zustande, am Fastnachtssonntag.
Ich war nicht sonderlich aufgeregt, sondern wollte mir diesen Mann einfach mal angucken. Er kam rein, und mein erster Gedanke war: Das Foto wird ihm nicht gerecht! Wir waren dann essen, beim Fastnachtsumzug - ich auf Krücken - und später noch im Kino. Es hat schon gekribbelt ... Um halb eins hat Jürgen mich zu Hause abgesetzt, und ich wollte ihm einen Kuss auf die Wange geben. Er hat mir allerdings einfach einen Kuss auf den Mund gedrückt.
Am nächsten Tag haben wir nur kurz telefoniert, und dann bin ich ums Telefon rumgekrochen: Ich ruf an, ich ruf nicht an ... Es war ganz günstig, dass ich zu einem Seminar nach Würzburg musste, da hab ich per Mail angefragt, ob wir uns danach zum Pizzaessen treffen wollen. Er wollte, und wir waren noch bei einem Konzert mit wirklich guter Musik und haben anschließend zwei Stunden im Auto getratscht. Bis er heim wollte, weil er ja am nächsten Morgen das Vieh füttern musste. Da hat er mich richtig geküsst - und ist ohne Kommentar weggefahren. Und ich wusste gar nicht, woran ich war ...
In der Woche darauf waren wir essen, und Jürgen wollte danach unbedingt fernsehen. Fand ich ja nicht so toll ... Er lag auf meinem Bett, weil da der Fernseher steht. Einer meiner Hunde hat sich dazugepackt - und ich dann auch. Hab ich mir gewünscht, dass der Fernseher kaputtgeht (lacht)! Nach einer halben Stunde war ich doch interessanter als das Programm ... und seitdem sind wir zusammen.
Wir sehen uns jedes Wochenende, meist fahre ich mit den Hunden zu ihm. Ich versteh mich gut mit seinen Eltern, die mit auf dem Hof leben, und koche oft für uns alle. Ich werde auch zum Arbeiten eingespannt, aber das ist okay, das macht mir Spaß. Die Rinder kann ich jetzt schon selbstständig füttern. Wenn wir bis um vier aus waren und um sechs klingelt der Wecker, dann bleib ich aber noch liegen - damit muss er leben.
Wir sind sehr glücklich und lassen alles auf uns zukommen. Was die Zukunft bringt, das werden wir sehen ..."
Anke (33), Sekretärin