"Jetzt lebe ich schon seit 8 Jahren getrennt und hatte in dieser Zeit nie das Bedürfnis nach einer neuen Partnerschaft. Meine Schwägerin konnte das nun gar nicht verstehen und ermutigte mich, doch mal bei Parship nach einem neuen Freund oder Partner zu suchen, um mit ihm gemeinsam schöne Dinge zu unternehmen und vielleicht auch zu erleben. Damit sie endlich Ruhe gibt, melde ich mich da an.
Nachdem dann der ganze Fragebogen für dieses Psychogramm ausgefüllt ist und ich plötzlich mich und meine Seelenlage bewertet in meinem Profil bei Parship im Internet wiederfinde (jetzt war ich doch ganz schön erstaunt, was die Psychologen da bei mir und meinen Bedürfnissen alles rausgefunden haben!), brauche ich erst einmal die Hilfe meines Sohnes, um ein paar nette Fotos in die Bildergalerie reinzustellen – ich finde das ganz schön peinlich, aber mein Sohn hilft mir gerne und freut sich über meine Eigeninitiative.
Von Parship wird man ja auch ermutigt, selbst aktiv zu werden, und das nehme ich mir dann zu Herzen (welche Männer schicken schon einer Frau mit 64 Jahren Kontaktanfragen, denn die meisten Herren - auch ältere - suchen heutzutage doch 20 Jahre jüngere Frauen!). Meine eingestellten Bilder sind ja ganz passabel, aber meine psychologische Bewertung ist wohl für Männer nicht so sehr ermutigend, da heißt es unter anderem 'hat das Bedürfnis sich durchzusetzen'. Andere Punkte schildern mich auch positiv, aber ein bisschen missfällt mir meine Bewertung schon.
Auf meine Initiative hin – ich schicke den für mich infrage kommenden Auchsuchenden ein Lächeln - erhalte ich auch einige Rückmeldungen. Leider wohnen die meisten der 'Interessenten' 150 bis 200 km entfernt und das ist schon ein Handicap. Der Umstand, dass ich getrennt wohne und noch nicht geschieden bin, stellt auch einige Männer vor scheinbar unlösbare Probleme, denn sie befürchteten zu viele Altlasten mit übernehmen zu müssen. Auch mein Wunsch nach getrenntem Wohnen ist einigen Männern sehr suspekt – so nach dem Motto, die Frau will mich nicht versorgen. Ich habe ja ein 6-Monate-Abo bei dieser Partnervermittlung, also lasse ich mir Zeit, suche mir auch die 'Partner' aus, die mir von Parship anhand 'unserer' Matching-Punkte empfohlen werden und verbringe einen Großteil meiner Freizeit jetzt vor dem Computer. Am Anfang ist es ganz schön schwer, die Übersicht zu behalten, denn erst mit der Zeit lernt man die Partnervorschläge richtig zu verwalten.
Ein paar ganz hoffnungsvolle Männer habe ich ja schon per E-Mail kennengelernt. Der eine Kandidat hat einen Hund und kann wegen diesem mich nicht besuchen, also beschließe ich, die 300 km nach Lüneburg zu fahren. Die 2 Tage dort sind auch recht schön, aber beim ersten Kontakt schon stelle ich fest, dass dieser Mann krankheits- und hundebedingt gar nicht mobil ist und es auch sonst nie zu mehr als einer rein freundschaftlichen Beziehung reichen würde.
Dann habe ich ja noch andere Kandidaten auf meiner Liste. Unter anderem einen Hochschullehrer, 72, schön sportlich. Diesem hatte ich ja auch schon ein Lächeln geschickt, obwohl er noch nicht einmal ein Bild in sein Profil gestellt hatte. Dieser Herr schrieb mir dann zurück, dass er selber kein Bild einstellen könne und dafür Hilfe benötige und ich mich deshalb gedulden müsse. Die Art, wie er nun schrieb, fand ich recht unterhaltsam und so haben wir uns halt gegenseitig ein bisschen bekanntgemacht und auch aus dem eigenen Leben erzählt. Und irgendwann erschien auch sein Foto in seinem Profil. Da hing dieser Hochschullehrer mit Helm und in voller Bergsteigerausrüstung (Brustgeschirr, Rucksack + Seilen etc.) an einer mit Reben bewachsenen Wand und grinste. Unter dem Helm war gar nicht viel von dem Gesicht zu erkennen – aber das Bild hat mich tatsächlich umgehauen: was für ein Naturbursche! Dazu kam natürlich der Schriftwechsel, den wir sehr emsig führten und den ich als sehr nett und amüsant empfunden habe.
Plötzlich wurde mir doch ein bisschen anders – es kann doch nicht sein, dass man sich nur per Schriftwechsel oder anhand eines Bildes – was den Menschen selber gar nicht viel zeigt, sondern mehr seine Passion – verliebt. Aber solche Gefühle hatte ich jetzt und ich hatte eine Menge Angst vor mir! Ich habe wohl einige Tage geheult, weil plötzlich in meinem Kopf Chaos herrschte - ich war bis über beide Ohren verliebt und kannte den Mann nur per Briefwechsel und ganz vage vom Aussehen her! Was hatte ich mir da nur eingebrockt!
Wir machten dann ein Treffen in meiner Stadt aus. Damit ich ihn am Bahnhof erkenne, schickte er mir noch ein anderes Foto von ihm in 'Zivil'. Da bin ich aber jetzt schon erschrocken - von dem Supermann an der Rebenwand war nicht mehr viel übrig geblieben! Aber der Mann war schon im Anmarsch, also ich zum Bahnhof.
Wir haben 2 sehr nette Tage erlebt und nach seiner Abreise stellte ich fest, dass ich noch mehr Schmetterlinge im Bauch hatte als zu der Zeit, da ich ihn nur als 'Gipfelstürmer' vom Foto her kannte.
Heute führen dieser Hochschullehrer (Professor Doktor emeritus) und ich eine wunderbare Beziehung. Ab und zu geht er auch noch mit seiner Enkelin zum Bergsteigen. Ich hoffe sehr, dass nichts passiert!"