"Ich hatte mich im Oktober 2002 bei Parship angemeldet. Eine Freundin hatte ihren Mann über die Zeit kennen gelernt, und ich dachte, das probierst du auch einmal. Zuvor hatte ich zwar in einem Chatraum nette Menschen kennen gelernt, aber den rechten Mann fand ich dort nicht. Häufig scheiterte es schlichtweg am Niveau. Ich gewann auch den Eindruck, dass sich in Chats eher mehr Beziehungsgeschädigte tummeln, und so einen wollte ich nicht!
Ich wurde Abo-Mitglied und gab obendrein eine Kennenlernen-Anzeige in der Zeit auf (Anm. d. Red.: erscheint online sowie in der Druckausgabe der ZEIT). Die ersten Zuschriften kamen. Parallel las ich eifrig die Annoncen der Herren. Bei einem war es schlichtweg die Mail-Adresse, die mich neugierig machte: Sie begann mit nova... Welcher Mann gibt sich so einen Namen? Sollte das meine Supernova werden? Also schrieb ich ihm frech, schilderte ziemlich schnell, was ich mir so vom Leben, einem Mann und einer Beziehung wünschte. Und siehe da, er antwortete! Es entspann sich ein wunderbarer Emailwechsel.
Schon bald fragte Lutz, ob ich ein Foto von ihm wolle. Ich erwiderte, dass ich ihn lieber ganz realiter auf mich wirken lassen wolle. Vorangegangene Erfahrungen hatten mich gelehrt, dass Fotos sehr geschickt aufgenommen sein können und dass sich andererseits auch hinter einem nicht so toll aussehendem Mann ein ganz toller Mensch verbergen kann. Am Telefon klang Lutz sehr nett. Einzig dass er 'Ossi' war, ließ eine Schublade mit diversesten Bildern und Vorstellungen aufgehen. Unsere tatsächlich vorhandenen kulturellen Unterschiede wurden uns erst im Laufe der nächsten Monate bewusst. Oft gaben unsere Ressentiments Anlass zu einem herrlichen gemeinsamen Lachen!
Nun zu unserem ersten Treffen: Friedhof, Volkstrauertag. Ein geradezu prädestinierter Ort, nicht wahr? Was soll's, dachte ich mir. Ich hatte anlässlich einer Veranstaltung dort zu singen und wollte Lutz auch nicht gleich zu mir nach Hause bestellen. Ich wollte ihn nicht gleich meinem Sohn vorführen und ihn mir erst mal in Ruhe anschauen. Wir waren nett essen, ein toller Blumenstrauß, fast bin ich versucht zu sagen: Das Übliche für solch einen Anfang ... Später sagte er mir, er sei sich wie auf der Prüfbank vorgekommen. Aber mir ging es ähnlich. Wir verabredeten uns für einen ausgiebigen Spaziergang im Taunus: Er hielt mit! Das musste was bedeuten! Dabei erinnerte ich mich an einen Herrn, den ich im Winter zuvor durch eine Anzeige in der FAZ kennen gelernt hatte. Beim ersten Treffen stapfte ich mit ihm durch Matsch und Schnee. Nachdem das Leder seiner Büroschuhchen dies nicht mehr verbergen konnte, sagte er mühsam beherrscht den anschließenden Café-Besuch ab: 'Das müssen wir uns jetzt nicht mehr antun' und zog von dannen ...
Das Aussehen ... hätte ich Lutz irgendwo in einer Bar gesehen, ich hätte wohl keinen Versuch unternommen, ihn näher kennen zu lernen. Ein bisschen bieder für meinen Geschmack, so dachte ich. Wie man sich täuschen kann! *Grins* Bei den folgenden Treffen bestätigte sich mein Eindruck: ein intelligenter, humorvoller, herzlicher, starker Mann. Dann reiste er auch noch gerne, ging gerne wandern, teilte mein Faible für Alte und Klassische Musik, ging toll mit meinem Sohn um, freute sich mit mir über meinen damals 6 Monate alten Enkel und äußerte feixend: 'Wer kann schon sagen, dass er mit einer Studentin und Oma ins Bett ginge?' Das Profil hatte sich bestätigt, sein Nähebedürfnis war ähnlich hoch wie meins, was wollte ich mehr? Von seiner Warte stellte sich das anders dar: Eine Frau, die unnahbar wirkte, ihn genau abcheckte, einen Mann suchte, der vermeintlich zwischen Studium, Arbeit und Hobbys seinen Platz finden sollte ... Sein analytischer Verstand bestach mich schon in den ersten Monaten ...
Es passte prima, dass wir beide über 20 Jahre in erster Ehe gelebt hatten, unsere Kinder (3 von mir, 2 von ihm) aus dem Gröbsten raus waren. Die lieben Kleinen - Große sind schlimmer! Was wurde da beäugt, was wurden Reviere und vermeintliche Vorrechte verteidigt! Am Ende sahen sie aber, dass es uns gut ging, und trugen's mit Fassung. Seit einem Dreivierteljahr leben wir nun mit Lutz' Sohn in deren Wohnung zusammen. Die Fahrerei, das häufige alleine Schlafen und Alltagserlebnisse sich selbst erzählen waren wir leid. Sein Sohn hatte trennungsbedingt gerade einen Schulwechsel hinter sich, ein erneuter Wechsel vor dem Abi war nicht mehr zu verantworten. So zog also ich, als Großstadtkind, von Frankfurt zu ihm an den Rand des Westerwalds - vorher undenkbar. Inzwischen genieße ich die Ruhe und Natur und freue mich nach einem Stadtbesuch, die Hektik hinter mir zu lassen.
Einzig beim Urlaub, da wird's schwierig ... während es Lutz mehr in die nördlichen Gefilde zieht, drängt es mich geradezu nach dem Süden. Als Pragmatiker haben wir uns fürs Abwechseln entschieden. Dabei hofft ein/e jede/r von uns noch im Stillen, der/die andere möge die Vorzüge der jeweils eigenen präferierten Urlaubsregion noch erkennen. Es wird wohl nicht langweilig werden! Lösen wir noch unser Hauptproblem, nämlich dass er am liebsten mit halb hochgezogenem Rollladen schläft, was für mich die leidvolle Konsequenz hat, durch eklig helle Sonnenstrahlen geweckt zu werden, während ich das totale Dunkel bevorzuge, was ihm wiederum ein 'Sarg'-Gefühl vermittelt, dann haben wir gute Chancen, uns unseren Wunsch auf ein gemeinsames Altwerden zu erfüllen. So Gott will, möchte ich hinzufügen ... ihm würden sich bei diesem Satz wohl die Nackenhaare aufstellen!"
Birgit (43), Psychologiestudentin
Birgit und Lutz haben am 6. Oktober 2006 geheiratet. Das gesamte PARSHIP-Team gratuliert herzlich!