"Eigentlich war es eine Entscheidung aus Trotz. Weihnachten stand vor der Tür, die wohl schlimmste Zeit für Singles, auch wenn man sich sonst ganz wohl fühlt in seiner Haut. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich fast zwei Jahre alleine und hatte die Trennung von meinem ehemaligen Partner ganz gut verarbeitet. Gelegentlich zu denken gab mir nur, dass sich wohl ohne mein aktives Zutun nichts mehr ändern würde an meinem Single-Dasein, … der Freundeskreis war weitgehend der gleiche geblieben, die Arbeitskollegen auch ... und die Zeiten in denen ich abends in Diskotheken unterwegs war, waren längst vorbei.
Da fiel mir ein Zeitungsartikel in die Hände, in dem Online-Partneragenturen getestet wurden. Parship schnitt da am Besten ab und weckte mein Interesse durch den vergleichsweise hohen Altersdurchschnitt seiner Mitglieder. Mutig geworden, loggte ich mich an meinem nächsten freien Abend ein und war schon bald rundum beschäftigt mit dem Beantworten eines Fragebogens und dem Erstellen eines detaillierten Profils. Im Nachhinein denke ich, dass es durchaus Sinn macht, sich mit dem Bereich ‘ich über mich’ genauer auseinander zu setzen und Dinge aufzuschreiben, mit denen man etwas über sich preis gibt. So bewegt man auch sein Gegenüber eher dazu, das Gleiche zu tun.
Ich habe einige nette Mailkontakte gehabt, gelegentlich meine Bilder frei geschaltet und viel telefoniert. Auf ein Treffen habe ich mich hingegen nur eingelassen, wenn ich wirklich neugierig geworden war. Und so war es mit Peter. Unsere Lebenswege könnten, trotz immerhin 75 Matching-Punkten, unterschiedlicher nicht sein. Er war lange verheiratet, hat ein ‚Haus gebaut, einen Baum gepflanzt und einen Sohn’ großgezogen. Nun strebt er raus aus seinem geregelten Dasein und ist offen für Veränderungen. Ich hingegen habe immer ein unabhängiges Leben geführt, viele Jahre im Ausland gelebt und häufig den Wohnort gewechselt. Heute suche ich ein bisschen mehr Ruhe und Stabilität. Es scheint, dass wir uns in der Mitte treffen.
Gefunkt hat es bereits beim ersten Telefonat. Nach unserem ersten Treffen, war es dann um mich geschehen. Schmetterlinge im Bauch und das seltene Gefühl, dass es wirklich passen könnte, halfen alle rationalen Bedenken und Vorwände beiseite zu schieben. Wir lassen uns gerade vollständig aufeinander ein, haben allen materiellen Ballast abgeworfen und basteln an unserem neuen, gemeinsamen Zuhause. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das noch einmal passiert, … wäre es wohl auch nicht ohne diesen Zeitungsartikel … und Weihnachten ..."