"Nach einer fünfjährigen Beziehung mit 1000 Aufs und Abs hatte ich im April 2007 mich von meinem damaligen Freund endlich trennen können und fühlte mich erlöst und am Ende zugleich. Gleichzeitig, wahrscheinlich um überhaupt den Sprung zu schaffen, hatte ich damit begonnen auf einer Kontaktinternetseite Mitglied zu werden, allerdings mit eingeschränktem Erfolg: Den Mann, der wirklich mich mit meiner Persönlichkeit nicht nur nett, sondern auch attraktiv findet und dazu noch eine wirkliche Beziehung aufbauen möchte, anstatt nur hin und wieder einmal sich unverbindlich treffen zu wollen, schien es für mich nicht zu geben.
Der Winter ging vorüber, mein letzter Schwarm hielt mich hin, und - oh Graus - der Frühling kam, und damit spürte ich gleichzeitig noch stärker den Wunsch nach dem Einen für mich! So entschloss ich mich schließlich dazu, den Rat meiner Mutter in die Tat umzusetzen, die in der HAZ einen Artikel über Parship gelesen hatte, die diese Partnervermittlung als vertrauenswürdig und erfolgreich vorstellte, da sie umfassend die Profile ihrer Mitglieder erfasse und sehr sorgfältig daraufhin überprüfe, welche möglichen Partner zueinander passen könnten. Nach einem langen Abend, an dem durch vielfältige Fragen mein Profil ermittelt wurde, was auch irgendwie beruhigend auf mich wirkte, da ich mich irgendwie von Anfang an professionell betreut fühlte, ging es nun am nächsten Tag mit bereits einigen Kontaktanfragen wie auch Spaß-Matches los, eine wie ich finde wirklich gelungene Aktion, unvoreingenommen und locker auf jemanden aufmerksam werden zu können. So vieles im Leben geht einfach leichter, wenn es einen spielerischen Charakter hat.
Am nächsten Tag probte jedoch mein Computer den Aufstand und ich - kurz vor dem alljährlichen Zeugnisschreibstress als Lehrerin stehend - war das komplette Wochenende mit dieser Misere beschäftigt. Natürlich wuchs umso größer meine Neugierde, ob und von wem sich Nachrichten in meinem Parship-Postfach ansammeln würde. Schließlich war meine Geduld zum Erliegen gekommen, und ich wanderte am Montagabend alternativ in das nächste Internetcafé, um - nur kurz - meine E-Mails abzurufen und zu beantworten ...
Wieder so eine nette E-Mail von diesem Mann, der jedoch - wie mir nun erst deutlich wurde - tatsächlich in Köln wohnte, also nur 'schlaffe' 500 km weit von mir entfernt. Aber daran verschwendete ich nicht so viel Überlegungszeit. Bereits am Freitag hatte er mir seine Handynummer gemailt, da er meinte, er hätte schon vielfach die Erfahrung gemacht, dass man sich ellenlange sympathische E-Mails geschickt hatte, dann jedoch beim ersten Telefonat erst erkannte, ob man den Kontakt weiter fortsetzen wollte oder lieber auf keinen Fall. Weil ich auch bereits ähnliche Erfahrungen gemacht hatte, setzte ich meinen Vorschlag noch am Abend direkt in die Tat um und rief an.
Ich war mehr als nur positiv überrascht. Von Beginn an war es mehr als nur ein nettes, sympathisches Gespräch. Es war einfach ein Genuss, mit diesem total unbekannten Kölner zu plaudern, zu lachen, Wertvorstellungen nebenbei wie von selbst zu erspüren und immer neugieriger auf die Person zu werden, die dort im tatsächlich so weit entfernten Köln gerade mit einem telefonierte. Nach einem sehr langen Gespräch - die angebotenen Telefonflatrates sind wirklich ein Segen der neueren Zeit - ging ich ins Bett mit einer Form von sehr lange nicht mehr empfundenem Glücksgefühl. Und zudem war da auf einmal wieder diese Hoffnung auf einmal ganz laut und wollte sich - trotz meines riesengroßen Beschwichtigungsarsenals - nun erst recht nicht länger abmildern lassen. Dieser Mann hatte etwas wunderbar Faszinierendes an sich und auch Anziehendes, das ich noch unbedingt auf seine Qualität hin überprüfen musste, bevor es wiederum so eine Art von diabolisch-destruktiver Anziehungskraft war, die mich bei meinem Ex-Freund anfänglich so gebannt hatte und letztendlich sich als Indikator für das sich später entwickelte Desaster herausgestellt hatte.
Auch an den darauffolgenden Abenden telefonierten wir nun miteinander, und ich merkte, dass ich unbedingt in kürzester Zeit diesen Menschen live kennenlernen musste, um entweder auch schnell wieder ernüchtert zu sein und von meinen überhöhten Erwartungen herunterzukommen oder endlich einmal dieses gerade aufkeimende Gefühl von Hoffnung genießen zu können. Tatsächlich fuhr ich bereits am gleichen Samstag nach Köln, um ihn kennen zu lernen. Er hatte mich zu einem Hauskonzert, bei dem er Cello spielte, eingeladen.
Der erste Moment, in dem man sich nun wirklich gegenübersteht, war natürlich ein spannender Moment. Wie beginnt man das Gespräch, wie fühlt man sich, was tue ich, wenn ich merke: 'Ne, das geht gar nicht ...!' Natürlich war ich erst befangen, aber es ergaben sich auch schnell Ansatzpunkte, weil wir schon so interessante Gespräche miteinander geführt hatten, über die wir wieder leicht ins Gespräch kamen.
An dem gleichen Wochenende noch haben wir beschlossen, es miteinander versuchen zu wollen, da wir uns wirklich total sympathisch fanden ... und auch noch immer finden. Nun sind wir sieben schöne Monate zusammen, müssen zwar jedes Mal die Kilometer zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen überwinden, wissen aber, dass wir das gerne tun, weil wir uns zum ersten Mal richtig wohl in einer Partnerschaft fühlen. Über Silvester haben wir bereits einen ersten Urlaub miteinander gewagt, der uns beiden wunderbar bekommen ist und Lust auf weitere gemacht hat. Wie es weitergeht? Wir freuen uns auf jeden gemeinsamen Tag! "