"Die Zwölf Jahre Single-Dasein hatte ich schon lange satt. Im Januar 2004 traf ich zwei Frauen, die über verschiedene Internet-Anbieter 'fündig' geworden waren - und übrigens noch heute glücklich sind. Ich meldete mich über die ZEIT bei Parship an. In den 18 Monaten, die ich dann dabei war, bekam ich etwa fünf Anfragen. Wie viele ich verschickt habe? Also, es war schon Arbeit. Ich gehöre wohl nicht zur bevorzugten Zielgruppe: zu alt, zu rund, zu erfolgreich und dann auch noch im psychotherapeutischen Bereich tätig.
Das abendliche Schauen und Mailen wurde zum angenehmen Zeitvertreib. Meine Kollegin, mit der ich zur Arbeit fahre, kam auch irgendwann zu Parship, und wir tauschten morgens oft amüsiert und manchmal genervt unsere Geschichten aus. Zwölf Männer sah ich in dieser Zeit. Die meisten waren firm im Erzählen über sich und ihre vergangenen Ehen, aber ungeübt im Kontakt-Herstellen und Nachfragen, viele noch in alten Geschichten gefangen, ohne das vor sich zunächst zugeben zu wollen. Bei manchen Männern hatte ich leider auch den Eindruck, sie nutzen Parship zum Zeitvertreib.
Im Juli 2005 schickte ich in einem eher entnervten Zustand eine unkommentierte Anfrage an einen Herrn in der nächsten Großstadt, der mir trotzdem prompt zurückschrieb. Er war eher einer der 'Kurzmailer', dafür zuverlässig und mit Humor, und wollte mich ohne Umwege kennen lernen. Er war zu diesem Zeitpunkt ein Jahr Single, erst vier Wochen dabei und hatte schon vier nette Treffen hinter sich, wie ich später erfuhr.
Als ich ihn vom Zug abholen wollte, stand er schon mit dem Rücken zu mir auf dem Bahnsteig. Ich legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte 'Nimm mich!'. Er sagte später, damit sei es doch schon klar gewesen, oder? Wir saßen dann draußen in einem Café. Ich klagte ihm ein bisschen mein Leid über mein 'Ladenhüterdasein'. Er schaute relativ verständnislos, er fände mich weder zu alt, zu klein noch zu rund, und arbeiten würde ich ja nur mit Kindern, also ungefährlich ;-) So machten wir dann einen langen Spaziergang am Fluss entlang, und der Rückweg war lang aufgrund der hohen Kussfrequenz.
Am nächsten Tag hatte er beruflich in meiner Stadt zu tun und holte mich von der Arbeit ab. Als wir uns dann wieder am Bahnhof trennten, sagte er: 'Du, wenn sich das so mit uns weiterentwickelt, lade ich dich zur Goldenen Hochzeit meiner Eltern ein im Oktober.' Meine Güte, dachte ich, der will wirklich was Festes, und wollte es mir überlegen.
In den folgenden Monaten intensivierte sich die Beziehung und stellenweise meine Ambivalenz. Ich musste von lieb gewordenen Wünschen an einen Idealmann Abschied nehmen. Er kann nicht kochen und tanzen, er reist nicht so gern wie ich. Dass sein Hobby Radfahren sei, hat er nur für das Profil erfunden, denn er ist unsportlich. Aber: Er hat ein goldenes Herz, ist mir so liebevoll zugetan wie noch kein anderer Mann. Wir lieben es, zusammen Musik zu hören, in Ausstellungen oder ins Kino zu gehen oder lecker zu essen. Meine Beweglichkeit steckt ihn an, und mir tut seine Ruhe gut.
Aus allen Wolken fiel ich allerdings, als sich Anfang Januar 2007 im Urlaub auf Rügen etwa folgende Szene ereignete im Gespräch über eine im Juli geplant Kanada-Reise:
Er: 'Du, wenn man sich unter den Niagarafällen küsst, muss man eigentlich verheiratet sein.'
Ich: 'Wie, willst du mich jetzt noch vorher heiraten oder was?'
Er: 'Ja!'
Das brachte bei mir das Blut zum Stocken, und ich erbat Bedenkzeit.
Im Juni 2007 haben wir - beide zum ersten Mal - mit 100 Gästen Hochzeit gefeiert und sind glücklich. Wir leben nach wie vor, beruflich bedingt, 100 km voneinander entfernt und wünschen uns, weiter aufeinander zu zu wachsen."
Alexandra (51, Ärztin)