"Friedrich schickte mir ein Spaß-Match und gleich eine kurze Kontaktanfrage. Ich sah mir sein Profil an. Zu Beginn war ich nicht so sonderlich interessiert. Er hatte sein Profil nicht komplett ausgefüllt und hatte bei seiner Beschreibung einen wesentlichen Satz stehen: Groß, sehr breit, blaue Augen, Jeans, immer lächelnd und im Winter immer einen grünen Schal! Hört sich das alles toll an? Ja, klar, bis auf das Wörtchen grün! Ich mag die Farbe Grün einfach nicht ... In der Natur liebe ich sie, aber egal, was von Menschenhand geschaffen wurde, ist es grün, finde ich es scheußlich.
Mit jeder Nachricht wurde er aber interessanter für mich. Gleich bei seiner dritten Nachricht schaltete er sein Bild frei. Der erste Blick war: Oh, dick! Der zweite: Wow, ein Teddybär! Ich muss dazu erwähnen, dass ich total auf gewisse Teddybären stehe. Nicht alle, es muss ein gewisses Gesicht sein, und der Körper muss eine bestimmte Form haben. Aber bitte nicht falsch verstehen, ich spreche hier von Stoff-Teddybären. Und der dritte Blick: Boah, der sieht richtig gut aus! Ja, da hatte ich das Bild zu dem immer interessanter werdenden Mann. Ein sympathisches Bild mit einem warmen Lächeln und wahnsinnig tollen blauen Augen und so viel Ausstrahlung. Einfach Wahnsinn!
Selbstverständlich schaltete ich mein Bild auch frei und hatte eine gewisse Furcht, daraufhin eine Abschiedsnachricht von ihm zu erhalten. Am nächsten Tag, ein Freitag, schrieb er mir nur kurz zurück, da er am Samstag sehr früh aufstehen und nach Stuttgart auf eine Geburtstagsfeier fahren musste. In diese Nachricht schrieb er seine Handy-Nummer. Mir fiel ein kleiner Stein vom Herzen, da ich mir dachte: Wenn er dein Äußeres 'abstoßend' gefunden hätte, hättest du ja jetzt wohl kaum seine Handy-Nummer. Samstagmorgen schrieb ich ihm per SMS Wünsche für eine gute Fahrt und viel Spaß auf der Feier. Am Sonntagabend erhielt ich dann völlig unerwartet eine SMS von ihm, dass er wieder wohlbehalten daheim wäre. Daraufhin schickte ich ihm meine Festnetz-Nummer und bot ihm an, mich anzurufen. Per SMS verabredeten wir ein Telefonat für Montagabend.
Als er anrief, war ich von seiner Stimme schon hin und weg: Warm und vertrauensvoll, voller Nähe und Geborgenheit. Wir telefonierten Montag, Dienstag und Donnerstag jeweils zwei bis drei Stunden. Die Zeit verging schon am Telefon wie im Flug, und er hat einen herrlichen Humor. So in der Mitte der Woche nannte ich ihn per SMS schon Bärchen, weil ich Friedrich irgendwie 'blöd' finde und seinen Spitznamen 'Fritzi' erst recht unpassend für einen 43-jährigen Mann. Er schrieb mir darauf eine SMS, dass er es toll findet und ich sicher keine Abschiedsmail von ihm erhalten würde.
Nachdem er anmerkte, dass er die nächsten Wochenenden ziemlich ausgebucht sei, wurmte mich der Gedanke, dass er mich wohl nicht persönlich kennen lernen wollte. Ich schrieb ihm, dass ich mich schon gern mit ihm treffen würde, und ich damit nur sehr ungern bis Ende Juli (wir hatten Ende Mai) warten würde. Nach den - bis hier hin - längsten zweieinhalb Stunden erhielt ich seine Antwort, dass er das genauso sieht. Wir hielten per SMS erst mal den nächsten Sonntag fest. In der darauffolgenden Woche war ich gedanklich schon nur bei Friedrich, und was ich Sonntag anziehen soll. Mein Outfit sollte auf gar keinen Fall zu sexy sein, aber auch nicht zu 'bieder' wirken und meine 'Vorteile' schon noch deutlich machen. Ein sehr schwieriges Thema, das ich so gar nicht von mir kannte.
Die ganze Woche folgten Telefonate, auf die ich mich schon freute, kurz nachdem ich ein Gespräch mit ihm beendet hatte. Wir trafen uns Sonntagmittag um 13 Uhr auf einem öffentlichen Platz. Obwohl er immer noch dick ist (er schrieb mir zu Beginn unserer Bekanntschaft, dass er seit dem Foto 23 Kilo abgenommen habe) und auch sein Outfit recht 'alltäglich' war, sah er toll aus. Selbstbewusst und selbstsicher, eine Ausstrahlung, die sein Gewicht so was von 'wett' gemacht hat. Wir setzten uns in ein Café, unterhielten uns, lachten, und umso häufiger ich in seine wunderschönen blauen Augen sah, umso mehr hatte ich das Bedürfnis, seine Lippen auf den meinen zu spüren. Keine Angst, ich habe ihn nicht 'angefallen' und geküsst, aber dieses Lächeln ... zum Dahinschmelzen!
Irgendwann schaute ich auf die Uhr, mit dem Gedanken: Na ja, so halb drei oder drei Uhr wird es sein! Es war Viertel nach vier! Mein Gott, dass die Zeit immer schneller rennt, war mir ja nun schon bewusst, aber so schnell? Ich sah wohl etwas erschrocken aus, und mein Bärchen fragte, wie spät es denn sei. Ich sagte ihm die Uhrzeit und meinen Gedanken dazu. Er erwiderte, dass das ein Nachteil wäre und ich dann ja in seiner Gesellschaft schneller alt werde. Ich hatte die Antwort auf der Zunge: 'Mit dir will ich liebend gern alt werden!', erwiderte aber: 'Ich habe kein Problem mit dem Altwerden!' Und lächelte ihn an. Ich konnte mich kaum losreißen von diesem wunderbaren Mann, aber nach vier Stunden musste ich los. Er fuhr mich zum Bahnhof, was ich genossen habe. Noch ein paar Minuten länger in dieser wunderbaren Gesellschaft, in der ich mich schon fast furchtbar wohl fühlte.
Zwei Wochen nach unserem ersten Treffen kam er zu mir. Ich backte ihm eine Torte, worauf er schon sehr gespannt war. Einer meiner Kater ist eigentlich sehr ängstlich und geht normalerweise erst zu Fremden, wenn sie ein paar Mal da waren, und dann auch nur bis zu deren Füßen. Bei Friedrich allerdings - zu meinem absoluten Erstaunen - war das ganz anders. Eine halbe Stunde, nachdem mein Bärchen da war, kam Sammy reingeschlichen, ging dreimal schnuppernd um seine Füße herum und sprang auf seinen Schoß und schnurrte und kuschelte. Wow, dachte ich, das ist ein Zeichen!
An diesem Tag redeten wir über Gott und die Welt. Einfach herrlich. Ihm schmeckte meine Torte ausgezeichnet, und am Abend kochten wir gemeinsam. Der Tag ist so schnell vergangen, und wir haben so viel gelacht, es war ein Traum. Wir verabredeten uns gleich für den nächsten Sonntag und natürlich telefonierten wir fast jeden Abend miteinander. Bei unserem dritten Treffen zog ich mich dann auch etwas 'betonter' an. Obwohl wir an diesem Tag nicht viel redeten, - sondern eher 'knutschend' auf dem Sofa verbrachten - war es ebenso traumhaft wie unser erstes oder zweites Treffen.
Ich bin so unsagbar in ihn verliebt, und ich kann gar nicht glauben, wie schnell das alles ging. Und er ist auch sehr in mich verliebt, das kommt ganz deutlich bei mir an. Zum Beispiel: Zu Beginn meinte er, er bekäme Anfang September, wo ich Urlaub habe, nicht frei. Und auf einmal, so nach unserem zweiten Treffen, meinte er, er hätte dann mal in der ersten Septemberwoche Urlaub eingetragen. Zu meinem Geburtstag konnte er leider nicht kommen, was er unentwegt bedauerte, aber er schickte mir eine langstielige rote Rose mit einem kleinen Teddybären (der genau die Form und das Gesicht hat, das ich liebe). Wir machen Pläne und sind gut dabei, unsere 'Termine' abzustimmen. Ich weiß, dass ich ohne Parship niemals einen so wunderbaren Mann gefunden hätte, geschweige denn er mich. Danke. Von ganzem Herzen danke."