Die gute Nachricht zuerst: Brünette Menschen ohne blaue Augen und mit Normalmaßen heiraten genauso oft wie andere Leute. Dennoch glauben viele Menschen von sich, einen Typ zu haben - ob blaue Augen oder braune -, dem sie besonders gern ihr Herz schenken. Das Problem dabei ist: Äußerlichkeiten allein bestimmen den Typ nicht. Schließlich heißt es nicht umsonst "Ich kann den nicht riechen". Der Geruchsinn beeinflusst die Partnerwahl nachweislich viel stärker als blaue Augen oder blonde Haare.
Unser Körpergeruch ist genetisch verankert und wird von den sogenannten HLA-Molekülen bestimmt. Die Universität Bern untersuchte den Zusammenhang zwischen Partnerwahl und dem HLA-Profil. Frauen (mit und ohne blaue Augen) erhielten dabei Geruchsproben von Männer-T-Shirts. Das Ergebnis überraschte die Forscher. Die Geruchsproben wurden immer dann als besonders attraktiv empfunden, wenn sie von einem Mann mit von der Testriecherin abweichenden HLA-Profil stammten. Ob der Mann grüne, braune oder blaue Augen hatte, eine wallende rote Mähne oder einen blanken Charakterkopf, war dafür völlig irrelevant. Der Grund ist aus biologischer Sicht einfach: In dieser Konstellation haben die Nachkommen die besten Überlebenschancen.
So überrascht es wenig, dass viele PARSHIP-Mitglieder, die gleich zu Anfang der Kontaktaufnahme ein Foto sehen wollen, um die "Typfrage" zu klären, am Ende doch von der Begegnung im wirklichen Leben enttäuscht sind. Wenn der Kandidat zwar wie gewünscht blaue Augen hat, aber die Chemie nicht stimmt, nützt es auch wenig, sich den Hormonen rational in den Weg stellen zu wollen. Mal ganz abgesehen davon, dass nichts so sehr lügt wie ein Foto. Wenn ein Mensch darauf in einer ausgelassenen Situation abgebildet ist, werden wir von ihm eine ganz andere Meinung bekommen, als wenn wir die gleiche Person in Schlips und Kragen am Schreibtisch sitzen sehen. Und schon manche besonders auffälligen blauen Augen auf einem Foto erwiesen sich im Nachhinein als digital manipuliert.
Mit blauen Augen und ähnlichen Äußerlichkeiten hielt sich Kirsten (37) bei ihrer Partnersuche mit PARSHIP erst gar nicht auf. Sie setzte ganz auf das PARSHIP-Prinzip und seine wissenschaftlich fundierte "Zusammenführung" von passenden Kandidaten. Kirsten hatte genug davon, sich immer die Falschen auszusuchen: Blaue Augen oder braune, Körpergröße oder Haarfarbe, all das spielte für sie keine Rolle. Auch nicht gefallende Bilder schreckten sie nicht ab. Ihr Einsatz wurde belohnt: Mit einem "Typ Mann, den ich mir sonst nicht 'ausgesucht' hätte. Für mich ein gutes Zeichen, denn ich vertraute einfach vollkommen auf das Prinzip Parship." Inzwischen ist sie mit Jens (40) schon zwei Jahre glücklich verheiratet.
Die Sache mit den blauen Augen ließ auch Jörn Neubauer und Stefan Tolkmitt keine Ruhe. "Aussehen wird überbewertet" lautet das Credo ihrer Geschäftsidee. Im Berliner King Kong Klub bieten sie deshalb seit 2009 "Dating in the Dark" an. Mit blauen Augen oder güldenen Locken kann hier niemand punkten, denn die Kandidaten sitzen nach Geschlechtern getrennt hinter einem Vorhang und erleben ein Speed Date mit Augenbinde. Sprechen, riechen, fühlen, für sieben Minuten ist alles erlaubt. Nur die braunen, grünen, blauen Augen, die Haare, das Grübchen, die T-Shirt-Farbe oder die Zahnlücke sieht man nicht. Bevor die Gruppe neu gemischt wird, entscheiden die Teilnehmer, ob sie ihr "Blind Date" demnächst mit eigenen Augen sehen wollen. Böse Überraschungen hat es laut dem Betreiberduo dabei noch nie gegeben. Was beweist, dass zumindest blaue Augen überbewertet sind.
Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP