Das Gerücht, dass Blondinen in Zukunft aussterben würden, ist zwar bereits vor Jahren durch die World Health Organization widerlegt worden. Doch die Tatsache, dass nur etwa zwei Prozent der gesamten Weltbevölkerung blonde Haare haben, ist unbestreitbar.
Wieso die Verteilung der blonden Haarfarbe in Nordeuropa dominiert, konnten Evolutionsforscher herausfinden. Als vor zehntausend Jahren Nahrungsmittelknappheit herrschte und infolgedessen ein Großteil der Männer beim Jagen ums Leben kam, herrschte Frauen-Überfluss. Dieser wiederum bewirkte einen starken sexuellen Selektionsdruck, wie der kanadische Anthropologe Peter Frost erklärt. Da die Höhlenmänner Blondinen präferierten, brachten die blonden Haare einen entscheidenden Vorteil bei der Fortpflanzung. Dieser ist sogar biologisch begründet: Blondinen haben einen höheren Östrogenspiegel und sind somit fruchtbarer. Die Vermehrung der ursprünglich seltenen genetischen Mutation begann.
Zum Schönheitsideal wurden Blondinen bereits in der Antike erkoren. In Griechenland und Ägypten galt Blond als göttliche Haarfarbe und in Rom perfektionierten die Frauen ihr Aussehen mit den hellen Haaren der Sklavinnen. Seit der Käuflichkeit künstlicher Haarfärbemittel im 20. Jahrhundert sind Blondinen ein Massenphänomen. Mit dem Kinohit "Blondinen bevorzugt" prägte die von Natur aus brünette Marilyn Monroe das stereotype Bild, das erotische Anziehungskraft mit Negativaspekten wie Schwäche, Naivität und Dummheit kombiniert. Entsprechende Witze und mediale Inszenierungen unterstützen dieses Klischee, das sich hartnäckig in der öffentlichen Wahrnehmung festgesetzt hat. Nach den Ergebnissen von Forschern der City University of London reagieren Männer deshalb positiver auf brünette und rothaarige Frauen, da sie mit diesen die für eine Partnerschaft wichtigen inneren Qualitäten assoziieren. Die Ambivalenz der Realität zeigt zugleich eine aktuelle Wirtschaftsstudie der australischen Queensland University of Technology: Nach ihren Ergebnissen sind Blondinen beruflich erfolgreicher als andere Frauen.
Während Blondinen im Rampenlicht posieren, führen blonde Männer eine Randexistenz. Wie kürzlich das Magazin der Süddeutschen Zeitung feststellte, existieren über Männer mit blonden Haaren keinerlei Mythen oder Vorurteile. Träumen Frauen von einem blonden Schweden, erhoffen sie sich einen zuverlässigen Partner. Statt aufregendem Sex-Appeal wird diesem Männertyp eher das Attribut Langeweile zugeschrieben.
Die Frage, welche Kriterien für eine Partnerschaft Priorität haben, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Blondinen haben einen Reiz, der auf evolutionären Ursachen und mediengesteuerten Stilisierungen basiert. Wer jedoch ernsthaft auf der Partnersuche ist, interessiert sich für mehr als nur die Haarfarbe.