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Frauen und der Babywahn

Frauen und der Babywahn

Sie sind klug. Sie sind attraktiv. Im Beruf haben Sie viel erreicht. Jetzt suchen Sie die Liebe. Doch Männer reduzieren Frauen um die 40 offenbar auf ihren Bauch. Wollen wirklich alle Frauen ein Kind um jeden Preis? Die Tücken der Partnersuche mit 40.



Vor über zwanzig Jahren kritzelte die Newsweek-Korrespondentin Pamela Abramson in ein internes Memo, dass Frauen über 40 höhere Chancen hätten, von Terroristen entführt zu werden als zu heiraten. Der Satz landete in der Newsweek-Titelstory und schrieb Geschichte. Auch wenn Frauen sich mit 40 heute nicht mehr in Sack und Asche kleiden und viele in diesem Alter überhaupt erst ans Heiraten denken: Die Partnersuche ist weiter schwierig. Der Grund dafür ist die für viele Frauen zum geflügelten Wort mutierte "biologische Uhr".


Was Frauen wirklich wollen

Spätestens wenn die gefürchtete Vier mit der großen bösen Null naht, beginnen viele Single-Frauen zu grübeln: Will ich ein Kind? Falls der Vater dazu noch zu finden ist, hören Frauen die Uhr ticken. Ein Teufelskreis, wenn alle männlichen Wesen nur noch auf ihre Qualitäten als Familienväter abgecheckt werden. "Wichtig für Frauen ist, sich gleich zu Anfang der Partnersuche klarzumachen: Was will ich eigentlich?", empfiehlt deshalb PARSHIP-Coach Nicole Schiller-Köble. "Habe ich einen Kinderwunsch, und wenn ja, wie ausgeprägt ist er? Vielleicht ist es für Single-Frauen auch denkbar, einen Partner zu haben, der eigene Kinder in die Beziehung mitbringt."


Zweisamkeit oder Großfamilie?

Doch auch Frauen, die ein Leben zu zweit der Großfamilie vorziehen, sind gut beraten, das dem Gegenüber auch mitzuteilen. Nicht wenige Männer bemerken erst jenseits der Lebensmitte ihren Wunsch nach einer Familie. Dann suchen sie für die "schnelle Umsetzung" die scheinbar "passenden" Frauen gezielt im "Fenster" zwischen 35 und 42, weiß Psychologin Nicole Schiller-Köble aus ihrer langjährigen Erfahrung am PARSHIP-Coaching-Telefon. "Einige Frauen fühlen sich regelrecht abgecheckt auf ihre Fortpflanzungsqualitäten. Wenn Frauen dann zwar einen Partner, aber keinen Vater suchen, ist Frust auf beiden Seiten vorprogrammiert."


Alles Kinder oder was?

So erhielt Patricia (36) nach der Anmeldung bei PARSHIP eine wahre Flut von Kontaktanfragen. Die meisten kamen von Männern Mitte 50, die mit ihrem Wunsch nach Familiengründung nicht lange hinter dem Berg hielten und lieber heute als morgen zur Tat geschritten wären. Carmen (43) erlebte das andere Extrem. Auch wenn sie wie viele aktive Frauen selbst in die Offensive ging, erhielt sie kaum Rückmeldungen. Ein Kontakt brachte es in seiner Mail auf den Punkt: Er fürchte sich davor, dass Frauen in diesem Alter ihn mit ihrem Kinderwunsch unter Druck setzen könnten.


Wer fragt, gewinnt

Das Thema Kinder sollten Frauen spätestens im direkten Kontakt, am besten noch vor dem ersten Treffen ansprechen, empfiehlt Beziehungsexpertin Schiller-Köble. "Die Frage kann von Frauen ruhig offen gestellt werden, ohne den eigenen Wunsch explizit zu formulieren. Also zum Beispiel 'Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ob Kinder für dich in Frage kommen?' Eine möglicherweise enttäuschende Antwort ist leichter zu verkraften als das Gefühl, Zeit 'verschwendet' zu haben, wenn später der eigene Lebensplan nicht aufgeht."


Wenn Frauen zu sehr drängeln

Entscheidend ist, dass sich Frauen bei der Partnersuche nicht auf das Thema Familienplanung konzentrieren, sondern den ganzen Menschen sehen. "Sonst bekommt der andere, egal ob Mann oder Frau, leicht das Gefühl, funktionalisiert zu werden", betont Nicole Schiller-Köble. Stur die eigene Checkliste abzuarbeiten, nur weil scheinbar die Zeit davonläuft, ist nicht nur für Frauen das pure Liebesgift. Dazu gehört auch, der Liebe Zeit zu geben: Schließlich ist man als Eltern ein ganzes Leben lang aneinander gebunden. Frauen, die sich vor so einer endgültigen Entscheidung nicht in der Partnerschaft erproben, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Schiffbruch erleiden.


Ganze Frauen können mehr

Ob das Thema Familienplanung im "Ich über mich" von Frauen eine Rolle spielen sollte, ist eine persönliche Entscheidung. "Wenn (mitgebrachte) Kinder oder Kinderwunsch Ausschlusskriterium in der Partnerwahl sind, kann es durchaus sinnvoll sein, das zu thematisieren. Schließlich weiß der Mann dann gleich, woran er bei dieser Frau ist", so PARSHIP-Coach Schiller-Köble. Auf der anderen Seite rückt das Thema damit extrem in den Fokus und lenkt von Ihren übrigen Qualitäten ab - dabei sind Sie auch noch Landesmeisterin im Frauen-Fußball, Langschläferin, Hobbygärtnerin und Königin der Blaubeermuffins. Also eine ganze Frau. Und genau das sollte man Ihrem Profil auch ansehen.


Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP


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