"Liebe Redaktion, ich 'date' im Moment ziemlich intensiv meine Mailkontakte, und mir fällt auf, dass fast alle Männer versuchen, mich zu berühren. Nicht unangenehm oder irgendwie peinlich, aber spätestens beim zweiten Date nehmen sie Tuchfühlung auf. Und das, obwohl ich bewusst keine Signale setze, dass ich das möchte. Beinahe komm ich mir vor wie ein Camembert, dessen Reife getestet werden muss ...
Im Ernst: Gehört das heute einfach zum Daten dazu, und bloß ich habe die irrige Vorstellung, dass ich erst das Bedürfnis spüren sollte, jemanden anzufassen? Und wenn ich es denn spüre: Darf ich einfach zugreifen, ohne eingeladen worden zu sein? Bin ich einfach nur langsamer als meine Dates? Welche Erfahrungen habe andere Frauen damit?"
Lisa (44), Texterin
tatsächlich gehört es zum Kennenlernen dazu, dass Distanz abgebaut wird. Das erste Date ist für Tuchfühlung allerdings wirklich noch etwas früh. Bei der Wiederholung eines Treffens können Sie jedoch mit ziemlicher Sicherheit mit Berührungen rechnen. Deshalb sind Ihre Vorstellungen aber noch lange nicht "irrig". Denn es ist auch eine Sache der persönlichen Geschwindigkeit. Möglicherweise setzen gerade Männer, denen es schwerer fällt als Frauen, Zuneigung verbal auszudrücken, auf diese Weise Zeichen - mal mehr, mal weniger geschickt. Zudem führt die Online-Partnersuche oft dazu, dass man sich einander schriftlich schon sehr nahe fühlt. Beim Treffen möchte Ihr Gegenüber vielleicht weitermachen, wo die letzte Mail aufhörte, während Sie sich um einige Schritte zurückgeworfen fühlen.
Was tun, wenn der nächste "Anfasser" kommt? Single-Coach und Autor Eric Hegmann empfiehlt, das Thema ohne Vorwurf anzusprechen, am besten über einen Umweg: Bringen Sie das Gespräch auf das Tempo beim Kennenlernen. Erzählen Sie, was Sie sich wünschen (mehr Raum? den ersten Schritt machen?), und haken Sie nach, wie der andere das sieht. So verringern Sie das Risiko, dass eine eher kühle Reaktion als Absage missverstanden wird. Fragen Sie sich bei kleinen Unstimmigkeiten grundsätzlich: Meint der andere das wirklich so, wie ich es verstehe? Manche Gesten, die berühmte plumpe Hand auf dem Knie, werden recht eindeutig sein, und andere eben nicht. Es gibt sogar regionale Unterschiede: Ein typischer Rheinländer könnte ein zurückhaltendes Nordlicht einigermaßen verschrecken. Aber auch wenn nicht alles von Anfang an reibungslos läuft, können Sie hervorragend zusammenpassen.
Optimalerweise geht erkundendes Kennenlernen fließend in einen Flirt über, mit Berührungen als prickelndem I-Tüpfelchen. Etwa wenn er ihr die Jacke hilft. Oder wenn sich Beine unter dem Tisch berühren und sie den Kontakt wie zufällig ein wenig länger hält. Offensivere Naturen legen auch mal die Hand auf den Arm des anderen. Versuchen Sie, sensibel für die Grenzen Ihres Gegenübers zu sein, aber trauen Sie sich auch, ein wenig zu spielen. Natürlich könnte man vor der ersten Berührung auch offiziell fragen: Darf ich das? Doch mal ehrlich, würden Sie damit nicht übers Ziel hinausschießen und das Date in etwas allzu Angestrengtes verwandeln?
Annemarie Lüning/PARSHIP