Ob Bundeskanzlerin oder Fußballschiedsrichterin: Für Frauen in Deutschland ist heutzutage nichts mehr unmöglich. Doch wenn eine erfolgreiche Frau den Mann fürs Leben sucht, scheint dieser sich zu zieren. Susanne (35) traute ihren Augen kaum. Kurz nach dem die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin ihren Doktortitel aus ihrem PARSHIP-Profil verbannt und ihre Tätigkeit in einer Unternehmensberatung mit "Angestellte" umschrieben hatte, quoll ihr Postfach über.
Haben Männer Angst vor erfolgreichen Frauen? Single-Experte und Buchautor Eric Hegmann glaubt das nicht. "Neueste Studien besagen, dass gerade in der Welt der Online-Partnersuche immer mehr Männer davon abrücken, sich den gängigen Klischees folgend in der Partnerwahl 'nach unten' zu orientieren." Das Problem dabei: Männer misstrauen oft ihren eigenen Qualitäten, wenn das klassische Rollenbild nicht bedient wird - nach dem Motto: "Die ist so tough, die hat Geld, die macht Karriere, die will einen wie mich eh nicht." Und schreiben erst gar nicht, auch wenn ihnen das Profil der Unternehmensberaterin eigentlich gefällt. Doch das können erfolgreiche Frauen auch als Herausforderung sehen, findet Hegmann. Sein Tipp ist ganz einfach: "Bei der Online-Partnersuche selbst aktiv werden. Je mehr Kontaktanfragen eine Frau verschickt, desto größer ist ihre Chance, dabei den Richtigen zu treffen."
Wahllos durch die Partnervorschläge zu hetzen und jeden Abend 50 Kandidaten quer durch die Republik mit Ein-Satz-Ansprachen zu bombardieren bringt jedoch wenig. Wichtig ist eine genaue Vorauswahl. Und die beginnt schon beim eigenen Profil. Schließlich entscheidet die Selbstdarstellung, wer sich für einen interessiert. "Viele beruflich erfolgreiche Frauen haben sehr hohe Ansprüche an einen Partner. Allerdings können sie oft nicht benennen, was ihnen wirklich wichtig ist. Schnell entsteht dabei das Bild vom Traumprinzen, dem kein Mann in der Realität standhalten wird", weiß Eric Hegmann. Sein Partnerwahl-Ratgeber heißt bezeichnenderweise "Die Traumprinz-Falle". Doch wie kann man letzterer entkommen? "Die Ansprüche besser auf die Qualität der Beziehung legen als auf die 'Qualität' des Partners", empfiehlt Hegmann. "Und genau das ins eigene 'Ich über mich' schreiben."
Sie brauchen Ihre Welt nicht kleiner zu machen als sie ist. Beim ersten Treffen wollen Sie schließlich weder Ihren Sportwagen verstecken noch Ihren Fremdwörtergebrauch einschränken. Und ein Mann, der mit Ihrer Bildung oder Ihrer Lebensart nicht zurechtkommt, wird am Ende kaum der Richtige sein. Doch in der Korrespondenz oder bei einer ersten Verabredung zwanghaft darüber zu schwadronieren, welchen Deal Sie gerade eingefädelt haben, mit welchen wichtigen Geschäftspartnern Sie gerade irgendwo hingeflogen sind, was Sie sich alles leisten können (und den vielleicht finanzschwächeren Mann damit ungewollt in Zugzwang zu bringen), zeugt im besten Falle davon, dass Sie sich hinter Ihrem Erfolg verschanzen. Um sich auf niemanden wirklich einlassen zu müssen. Um nicht verletzt zu werden dabei.
Worauf kommt es Ihnen wirklich an? Versuchen Sie, nicht beliebig zu sein, sondern ehrlich. Streichen Sie die furchteinflößenden Listen über die Qualitäten Ihres zukünftigen Partners (wettkampftauglich segeln, konzertreif Klavier spielen und mindestens sechs Fremdsprachen fließend, schließlich können Sie das auch). Schreiben Sie lieber über sich selbst und welchen Platz der mögliche Partner in Ihrem Leben einnehmen könnte. Natürlich schätzen die meisten Menschen Sonne, Meer und lange schlafen, den Weltfrieden nicht zu vergessen. Doch was sagt das über Sie aus? Und wie hebt Sie das aus der Masse der Juristinnen, Managerinnen, Professorinnen heraus? Es ist doch viel erhellender zu lesen, dass Sie gerne kochen lernen würden, weil Sie nichts lieber essen als Rouladen mit Klößen, aber schon an Spiegeleiern scheitern. Vielleicht hat ja genau der eine, den Sie suchen, das passende Rezept.
Doch auch wenn die Online-Balz effektiver ist als das Warten auf Kommissar Zufall: Eine Partneragentur ist kein Versandkatalog. Und Suchen kostet immer Zeit: Für erfolgreiche Frauen ein kostbares Gut. "Viele von ihnen sind deshalb überdurchschnittlich schicksalsorientiert - entweder ist es Liebe auf den ersten Blick oder nichts", beschreibt Hegmann das Dilemma. Zwar sei es gut, sich parallel mit mehreren Männern zu treffen. Doch ein schnelles Abhaken ("passt nicht") führt in die nächste Falle, betont der Beziehungsexperte: "Vielleicht gibt es irgendwo noch etwas besseres - diese Supermarktmentalität gibt der Liebe keine Chance." Liebe muss wachsen. Und das braucht Zeit und den Mut, dem anderen sein Inneres zu zeigen.
Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP