Fast allen weiblichen PARSHIP-Mitgliedern sind sie mit der Zeit schon begegnet: die Männer, die perfekt zu sein scheinen. Überdurchschnittlich aufmerksam. Ausgesprochen engagiert. Unglaublich schnell dabei, in der Beziehung Nägel mit Köpfen zu machen. Genauso plötzlich, wie ihr Heiratswunsch aufkam, sind diese Männer verschwunden. Woran liegt das? "Ambivalenz in Maßen ist bei jedem Neubeginn normal, auch in einer Partnerschaft. Soll ich, soll ich nicht? Schließlich legt man sich fest. Das gilt übrigens nicht nur für Männer", erläutert PARSHIP-Coach Markus Ernst. Schwierig wird es, wenn einer zunächst aktiv ein Feuer entfacht und den anderen dann langsam aber sicher darin verschmoren lässt.
PARSHIP-Mitglied Marita ist es langsam leid. Schon oft erlebte sie Treffen, bei denen Sympathie auf beiden Seiten vorhanden war. Doch dann folgte jedes Mal das gleiche merkwürdige Spiel. "Es tauchen an den Haaren herbeigezogene Argumente auf, um sich zu distanzieren. Da kann es passieren, dass sich mein männliches Gegenüber binnen einer Woche nach dem Date x-mal per SMS meldet und Telefonate ins Endlose ausdehnt und mir dann plötzlich eröffnet, dass zwischen uns nur eine Bruder-Schwester-Beziehung möglich ist, sonst hätte es in den ersten zehn Minuten des Dates funken müssen. Ich würde diese Argumente der Männer gerne ernst nehmen, aber leider empfinde ich oft etwas ganz anderes bei meinem Gegenüber: Ambivalenz und Angst."
Gehören auch Sie zu den Männern, die sich nicht entscheiden können? Die monatelang um das Autohaus herumschleichen und die auf die Damen im Reisebüro wirken wie ein rotes Tuch? Willkommen im Club. Viele Männer, gerade in den sogenannten "besten Jahren" etwa ab Ende 30, schrecken vor dem Moment zurück, in dem es sich festzulegen gilt. Allerdings läuft es beim Online-Dating früher oder später darauf hinaus. Wieso sich also mit einer PARSHIP-Mitgliedschaft quälen? "Es gibt Männer, die grundsätzlich eine Partnerin suchen, aber wenn es akut wird, zurückschrecken. Dahinter kann zum Beispiel die Furcht stehen, dem Bild, das sich die Frauen bisher von ihnen im Kontakt per Mail gemacht haben, nicht genügen zu können", berichtet Markus Ernst aus seiner Erfahrung am PARSHIP-Coaching-Telefon. "Manchmal haben Männer auch einfach Angst vor ihrer eigenen Courage und reagieren darauf mit Rückzug."
Männer, die auf Tauchstation gehen oder sich mit taktischen Tricks einer Bindung entziehen, offenbaren dabei jedoch möglicherweise mehr über sich als ihnen lieb sein kann. Ich lasse mich gar nicht erst auf dich ein, damit du mir nicht wehtun kannst, das ist die Abwehrstrategie aller Bindungsgestörten. "Hinter Bindungsangst verbergen sich bei Männern häufig alte Verletzungen und Verluste aus früheren Beziehungen. Da kommt man auch mit der Pistole auf der Brust nicht weiter", weiß Markus Ernst. Das kann auch Brigitte bestätigen, die bei ihrer Partnersuche mit PARSHIP eine Enttäuschung hinnehmen musste. "Ich verliebte mich in einen wunderbaren Mann, der mir dann unter Tränen erklärte, dass er sich niemals mehr wieder an eine Frau binden würde, in die er verliebt ist ... Es hat sehr wehgetan, aber sein Sohn erklärte mir, dass er seit 15 Jahren alleine lebt und Angst vor einem erneuten Verlust hat."
Wenn Männer so reagieren, sind Frauen besser beraten, die Finger von ihnen zu lassen, rät Psychologe Markus Ernst. Egal wie groß die Gefühle zu sein scheinen. "Entscheidend dabei ist, auf die innere Stimme zu hören und das eigene Wohlergehen nicht aus den Augen zu verlieren." Doch auch Männer sind besser dran, wenn sie sich zunächst über ihre eigenen Wünsche klar werden, statt blind zum nächsten Gefühls-Versuch zu tapsen. Sprechen Sie Ihre eigenen Vorstellungen und Ziele klar aus. Was ist Ihnen wichtig? Neue Hobbys? Eine gemeinsame Wohnung? Familiengründung? Eine Weltreise auf einem Segelboot? Schreiben Sie es auf. Viele Männer tun sich leichter damit, über diese Dinge nachzudenken, wenn sie sich nicht durch plötzlichen "Angriff" überrumpelt und zu einer Reaktion genötigt fühlen.
"Der größte Fehler der Frauen ist es, die eigenen Vorstellungen von Partnerschaft, wie zum Beispiel den Wunsch nach Kindern, zu beschneiden, um Männer zu halten", warnt Beziehungscoach Markus Ernst. Oft sind das nur Scheinargumente, mit denen Männer unbewusst verhindern wollen, dass eine gute Beziehung zustande kommt. "Ohne Vertrauen und wirkliche Nähe wird es nichts mit der Liebe fürs Leben", bringt es Markus Ernst auf den Punkt. Wichtig für Frauen ist dabei, auch die eigene Ambivalenz kritisch unter die Lupe zu nehmen: Schiebe ich diese möglicherweise den Männern unter, weil ich selbst unsicher bin? Im Zweifelsfall hilft bei Wankelmut von Männern oder Frauen nur: Weitersuchen. Es gibt viele Herzen auf dieser Welt, für die sich das lohnt.
Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP