Egal ob die Liebe im Netz oder an der Tankstelle ihren Anfang nahm: Wenn Wolke sieben abgeregnet hat, stellt mancher sich die Frage, ob es wirklich so schlimm war mit dem Alleinsein. Bei der online gestarteten Beziehung gestaltet sich die Sache oft noch schwieriger. Wer lange gesucht hat, um nicht mehr allein durchs Leben zu gehen, steigert nicht selten seine Ansprüche. Und die Gefahr, sich in ein Bild zu verlieben, dass der Realität nicht standhält, wächst. So beklagt Andreas (31), von Beruf Fernsehredakteur: "Ich musste diese schmerzhafte Erfahrung sechs Monate nach dem Kennenlernen leider machen - sie warf mir vor, sich in ein 'Bild von mir' verliebt zu haben, das dem dann nach einem halben Jahr eingetretenen Alltag (mit Stress, Umzug, Jobwechsel, Vorwürfen) nicht standhielt."
Blond, blauäugig und mindestens 1,80: Die scheinbar unendliche Auswahl beim Online-Dating verführt leicht zum Schluss, dass es allein darauf ankommt, die richtigen Zutaten für die Liebe anzuklicken. Auch wenn der Traumpartner dann gefunden scheint, neigt mancher zum dauernden Abgleich mit dem Ideal: Wieso ist sie nicht immer so gut gelaunt wie bei unserer ersten Begegnung? Weshalb will er trotzdem allein mit seinen Kumpels ein Bier trinken gehen, obwohl wir doch das ideale Paar sind? Und wieso hat auch dieser Kerl schmutzige Socken? Willkommen in der Traumprinzen-Falle. Wer jetzt nicht an der Beziehung arbeitet, sitzt am Ende allein auf der gemeinsam gekauften Couch.
Man kann sich die Liebe nicht backen. Doch was tun, wenn man ganz angetan ist von der Idee, nicht mehr allein zu sein, und die neue Bekanntschaft auch ganz passend scheint für eine Partnerschaft - irgendwie? Das Vertrackte bei Online-Beziehungen ist, dass der Begegnung in der Regel ein Briefwechsel vorausgeht. Allein durch diesen Austausch wird Vertrauen und Nähe geschaffen. Wenn der Funke dann nur ein Strohfeuer war, hilft nur die ehrliche Flucht nach vorn. Allerdings stolpert auch so mancher Internet-Ritter schlicht über die eigene Courage: Zu suchen erscheint oft verlockender als gefunden zu haben. Und sich also ab sofort mit den Mühen der Ebene befassen zu müssen.
Mögliche Szenarien des Scheiterns schon im Vorfeld durchzuspielen, zeigt nur die Angst vor dem Liebeserfolg. Wer glücklich werden will, muss etwas dafür tun. Und also den nötigen Mut aufbringen, nicht mehr allein sein zu wollen. Der erste Schritt beginnt online - alles Weitere liegt in Ihrer Hand.
Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP