Ein lustiger Leichtmatrose trifft Marilyn Monroe und küsst die knapp bekleidete, ihm ansonsten aber völlig unbekannte Schöne herzhaft ab. Kein Zweifel: Es muss Karneval sein. Anfang März ist es wieder so weit - aber das wussten Sie vermutlich schon. Doch wussten Sie auch, dass ausgerechnet jene leichtlebige Zeit uns manches für eine absolut ernst gemeinte Partnersuche im Internet lehren kann? Nein? Dann aufgepasst:
Wer will ich sein? Was kommt gut an? Fragen, die sich jeder Karnevalist stellt, um die tollen Tage voll auszukosten. Online-Partnersuchenden geht es oftmals um nichts Geringeres als die Liebe ihres Lebens. Dennoch wird viel zu wenig über das eigene Auftreten nachgedacht. Das Gegenstück zum gelungenen Karnevalskostüm ist online ein attraktives Profil. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, zu lügen. Sie sollen nur Ihre Vorzüge unterstreichen (vergessen Sie Handicaps, die kommen erst später dran). Punkten Sie mit Individualität und gern einer guten Portion Humor.
Weiberfastnacht: Ausgelassene Frauenhorden erstürmen Rathäuser und machen kurzen Prozess mit Krawatten, wobei deren Träger sicher meist auf das Spielchen vorbereitet sind und ihren Spaß daran haben. Wenn Sie eine Frau sind: Seien Sie bei Ihrer Partnersuche im Netz ebenso mutig. Gehen Sie von sich aus auf Männer zu. Natürlich können Sie dabei ganz bei sich bleiben und müssen keinen übermäßig forschen Ton anschlagen, wenn das auch sonst nicht Ihre Art ist. Die Männerwelt wird Ihre Initiative ganz sicher nicht missverstehen, sondern sich über das Interesse freuen.
"Wie sieht es mit deiner Altersvorsorge aus?". Oder: "Darf ich fragen, wieso du nach deinem ersten Job erst mal arbeitslos warst?" Gesprächsfetzen, die ganz gewiss nicht einem Karnevalsflirt entstammen. Fatalerweise verleitet gerade die gezielte Partnersuche, sei es über Kontaktanzeigen, eine Partneragentur oder beim Speed-Dating, manchen dazu, das Gegenüber ins Kreuzverhör zu nehmen. Da werden Lebensläufe und Zukunftspläne abgefragt, innerlich Checklisten abgehakt; es soll schon Bewerbungsgespräche gegeben haben, die lockerer waren. Also: Versuchen Sie am Telefon und bei Treffen nicht, aus dem anderen sämtliche relevanten Informationen auf einmal herauszupressen. Das Wichtigste ist doch, ob Sie auf einer Wellenlänge liegen.
Würde man sich auf einer Karnevalsparty hartnäckig an die Fersen des ersten besten Vampirs/der schon etwas zerzausten Krankenschwester heften, mit dem/der man im Gewühl zufällig ein paar Worte gewechselt hat? Wohl eher nicht. Eher trinkt man was mit diesem, plaudert eine Weile mit jenem, entspannt zwischendurch bei alten Bekannten und schaut rüber zu möglichen neuen. Beißen Sie sich auch bei Ihrer Partnersuche nicht vorschnell fest nach Mottos wie "Mit mehreren gleichzeitig mailen ist schon Untreue", "Irgendwann muss sie doch merken, wie gut wir zusammenpassen" oder gar "Besser der als keiner". Und: Seien Sie bereit, sich positiv überraschen zu lassen. Wer auf den ersten Blick (aufs Profil/die ersten Mails) als Frosch daherkommt, kann sich doch als Prinz entpuppen. Nicht nur im Karneval ...
Annemarie Lüning/PARSHIP