Könnte der Ingenieur mit dem witzigen "Er über sich" der Volltreffer sein? Und wie stehen die Chancen bei seinem Konkurrenten, der zwar keine persönlichen Einträge gemacht hat, dafür aber Regisseur ist und Saxophon spielt? Nehmen Sie die Profile Ihrer Partnervorschläge doch mal genauer unter die Lupe ...
Ihr erster Blick fällt vielleicht auf den Beruf: ein Professor/eine Schauspielerin - nicht übel! Seien Sie sich in solchen Fällen bewusst, dass Sie auf einen Job anspringen. Die Vorstellung, die Sie damit verbinden, muss mit der Realität nichts zu tun haben. Der Professor entpuppt sich womöglich als unhöflicher Knauser, und die Schauspielerin hat mit dem glamourösen Geschöpf aus Ihrer Phantasie wenig gemein. Ähnlich unzuverlässige Bilder löst die Kinderzahl aus: Statt sich schon überfordert mit den drei Kindern von Kandidat X zwischen Breigläschen sitzen zu sehen, sollten Sie mit gezielten Fragen nachhaken - wie alt sind die Sprösslinge überhaupt? Bei 40-Jährigen könnten sie bereits flügge sein. Sehr aussagekräftig ist "Letzter Login": Liegt das Datum länger zurück, ist das Mitglied derzeit nicht so aktiv - oder in Urlaub. Vielleicht wartet er oder sie auch gerade auf Ihre Anfrage, um sich wieder einzuloggen.
Bedeutsam auch der Familienstand; wer bei "getrennt lebend" jedoch denkt, "der/die sucht nur eine Affäre", tut vielen Unrecht. "Eher ist das schon ein Indiz dafür, dass die Trennung noch nicht so lange zurückliegt", sagt PARSHIP-Psychologin Nicole Schiller. Ihr Tipp: Bei interessanten Kandidaten auf jeden Fall den Kontakt suchen und die Verhältnisse ansprechen: Wie lange lebst du getrennt? So enttarnt man auch Leute, die etwas "für nebenbei" wollen: Sie werden meist herumdrucksen oder sich gleich offenbaren. Bei den sportlichen Aktivitäten ebenfalls vorschnelle Schlüsse vermeiden: Nicht jedes Profil mit zehn Sportarten gehört einer Sportskanone. "Mancher gibt aus Wahrheitsliebe alles an, was er jemals gemacht hat", weiß Schiller. "Dabei sagen die Fußballbegeisterung aus Jugendtagen, die Probestunde Aikido von vor drei Wochen und die schon lange nicht mehr genutzte Mitgliedschaft im Fitnessclub wenig über den Menschen von heute aus." Wer indes wirklich sehr sportlich ist, erwartet vom Partner nicht unbedingt dasselbe und hat auch nicht zwangsläufig zu wenig Zeit für die Liebe.
"Beißen Sie sich nicht an Einzelmerkmalen fest, betrachten Sie das PARSHIP-Diagramm als Ganzes", rät Nicole Schiller. Die Matching-Punkte links liegen zu lassen und sich vorrangig mit Menschen vom unteren Ende Ihrer Vorschlagsliste zu befassen ("Mir kommt es nur auf das Merkmal Häuslichkeit an") ist nicht zu empfehlen. Bei diesen dürften nämlich andere für Sie nicht so stimmige Seiten dominieren. Wenn Ihnen umgekehrt bei einem Kandidaten ein einzelnes Merkmal suspekt ist, so hat ein hoher MP-Wert dennoch seine Berechtigung. Generell empfiehlt die Psychologin, viel auszuprobieren. Einfach mal eine Kontaktanfrage mehr schicken und sehen, ob eine Antwort kommt und wie diese ausfällt. "Viele machen das leider nicht", bedauert sie. "Da wird lieber der eine rausgepickt, der es dann sein soll. Dabei kann man Kontakte jederzeit abbrechen, Mails verpflichten nicht zu einem Treffen." Mehr zu den Persönlichkeitsmerkmalen finden Sie im Diagramm selbst.
Die Rubrik "Er/Sie über sich" bildet zusammen mit einer knappen Selbsteinschätzung auf der Seite "PARSHIP-Diagramm" das subjektive Gegengewicht zum PARSHIP-Testergebnis. Hier erfahren Sie am ehesten, ob jemand Ihnen auch über die Passung der Persönlichkeit hinaus liegen könnte. Sollte diese Rubrik ohne Einträge sein, ist das allerdings kein schlechtes Zeichen, Sie tappen bis zu einer Kontaktaufnahme nur mehr im Dunkeln. Eine Kontaktanfrage lohnt sich in jedem Fall! Wenn es "Er/Sie über sich"-Einträge gibt: Werden Werte angesprochen, mit denen Sie etwas anfangen können? Gefällt Ihnen die beschriebene Art zu leben, zum Beispiel weil auch Sie den Tag gern "bei einem Glas Rotwein ausklingen lassen"? Achten Sie auch darauf, wie etwas gesagt wird. Wenn Sie beim Lesen schmunzeln müssen, scheint der Humor schon mal zu passen. Wer Sie direkt anspricht ("Ich möchte neben dir aufwachen"), will mutig herausfordern und in Kontakt treten - ob Sie das mögen, liegt bei Ihnen. Indirekt ist das Ganze ein Hinweis darauf, dass er/sie von Anfang an duzen und geduzt werden möchte.
Etwas einfallslose Standard-Texte ("Ein Tag ist für mich perfekt, wenn die Sonne scheint") dürften Ihnen recht häufig begegnen. Nicht jeder ist geübt darin, sich und sein Leben auf unverwechselbare Weise zu beschreiben, und mancher hat Angst davor, sich zu zeigen. Haken Sie nach: Was machst du, wenn es regnet? Vielleicht geht er/sie dann mehr aus sich heraus. Der gewandteste Schreiber ist nicht unbedingt auch der beste Partner für Sie, mancher entfaltet seinen Charme erst am Telefon oder beim Date. Wer bei der Frage zum Äußeren ganz unkonkret bleibt, hält sich lieber in Deckung, statt sich dezidiert zu beschreiben oder gar anzupreisen. Auch hier gilt: Fragen Sie nach - vielleicht hat er/sie statt vieler Worte ja auch Lust, Ihnen bald sein Foto freizugeben. Ein Klassiker: "Ich wünschte, ich könnte ... fliegen", dahinter steckt laut Nicole Schiller der Wunsch nach Freiheit und Leichtigkeit. Problematisch wird's bei "Ich wünschte, ich könnte ... die Zeit zurückdrehen", der Schreiber scheint im Gestern zu leben und womöglich nicht wirklich frei zu sein für Neues. Überprüfen Sie diesen Eindruck, indem Sie ihn offen ansprechen. Damit geben Sie ihm/ihr die Chance, sich mit der eigenen Wirkung auseinander zu setzen. Dasselbe gilt, wenn jemand sehr hoch geschraubte Anforderungen an den Partner kundtut. Gehen Sie offensiv an die Sache heran, indem Sie etwa schreiben: Ich weiß nicht, ob ich deinen Ansprüchen genüge, aber ... Dann heißt es abwarten: Einige Antworten werden Ihre vorherige Einschätzung ins Wanken bringen - es bleibt spannend!
Annemarie Lüning/PARSHIP