Trotz hoher Scheidungsraten - die Liebe ist das Wichtigste

Das macht uns Angst – das macht uns glücklich

25.09.2014, von Markus Ernst

Obwohl nach wie vor ungefähr jede dritte Ehe in Deutschland scheitert, zeigt eine aktuelle Parship-Studie,  dass der Stellenwert der Partnerschaft mit Trauschein hoch ist – v.a. bei der jüngeren Generation. Wie lässt sich erklären, dass offenbar die Angst vor dem Zerbrechen einer Partnerschaft bei Untersuchungen relativ weit hinten rangiert (z.B. in der aktuellen Studie der R&V Versicherung), eine glückliche Beziehung auf der anderen Seite aber für die Mehrzahl der Deutschen einer der wichtigsten Faktoren für Lebensglück bedeutet? Warum ist trotz der hohen Scheidungsrate die Ehe bzw. eine verbindliche Beziehung dennoch die Idealvorstellung vieler Deutscher?

Verbindliche Beziehungen in einer unsicheren Welt

Der Mensch ist ein soziales Wesen und Einsamkeit macht krank – auch körperlich. Der Wunsch nach emotionaler Verbundenheit ist uns in die Wiege gelegt. Dieser Wunsch nach einem „emotionalen Zuhause“ steigert sich in einer Zeit, die geprägt scheint von einem Trend zur Anonymisierung, der Forderung nach permanenter Flexibilität und wirtschaftlicher wie politischer Unsicherheit. Je unsicherer die Welt um uns herum wahrgenommen wird, umso attraktiver erscheint uns ein verlässliches und v.a. verbindliches Beziehungsmodell.

Dass die Angst vor dem Zerbrechen einer Partnerschaft bei Untersuchungen relativ weit hinten rangiert, hat aus meiner Sicht verschieden Ursachen. Dass zum Beispiel die Sorge vor Krankheit, Krieg oder Altersarmut in den meisten Studien auf den ersten Plätzen rangieren – also weit vor der Angst, dass die eigene Partnerschaft zerbricht – hat auch damit zu tun, dass diese komplexen Bedrohungen für die meisten Menschen wesentlich greifbarer und konkreter sind. Vor allem gehen diese Ängste, die uns auch tagtäglich von den Medien präsentiert werden, mit dem Gefühl des „Ausgeliefertseins“ einher, lassen scheinbar wenig bis gar keinen Handlungsspielraum zu. Die meisten Menschen betrachten diese Bedrohungen als nicht beeinflussbar, fühlen sich diesen Faktoren schicksalhaft ausgeliefert. Die Möglichkeit, selbst wirksam zu werden wird hier als sehr stark begrenzt wahrgenommen und als Folge steigert sich die Angst.

Nicht machtlos ausgeliefert

Anders ist dies bei der Sorge vor dem Verlust der Partnerschaft bzw. Ehe. Möglicherweise verschleiern auch romantische Vorstellungen in gewissem Rahmen den Blick für nackte Zahlen, der Hauptgrund dafür, dass die Angst vor dem Scheitern einer verbindlichen Beziehung weiter hinten rangiert, ist meines Erachtens aber ein anderer: die wahrgenommene Selbstwirksamkeit und sich dadurch ergebende Handlungsmöglichkeiten bei der Beziehungsgestaltung machen offenbar viele Menschen zuversichtlich, dass die eigene Ehe nicht zu diesem statistischen Drittel gehört. Schließlich suche ich mir den Partner oder die Partnerin aus, kann den Verlauf der Beziehung in einem gewissen Maß durch mein eigenes Verhalten und Handeln beeinflussen und bin den Geschehnissen nicht machtlos ausgeliefert. Aus psychologischer Sicht wird durch diese wahrgenommene Beeinflussbarkeit des Beziehungsverlaufs die Angst vor dem Scheitern der Partnerschaft individuell reduziert wahrgenommen.

Markus Ernst

Über den Autor:

Markus ist Diplom-Psychologe und seit 2007 im Parship-Expertenteam als Coach Ansprechpartner für alle Themen rund um Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft. Zusätzlich führt er in Hamburg eine eigene Praxis als Paartherapeut und psychologischer Gutachter. Seine Freizeit verbringt er am liebsten sportlich, zum Beispiel beim Kitesurfen.

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