Eine Partnerschaft ist die beste Lebensversicherung

„Eine glückliche Partnerschaft ist die beste Lebensversicherung“ – Interview mit „Mr. Zukunft“ Prof. Dr. Horst Opaschowski

07.04.2015, von Jana Bogatz

Wie sieht unser Leben in 20 oder 30 Jahren aus? Wenn jemand eine Vorstellung davon hat ist das Horst Opaschowski. Der renommierte Zukunftswissenschaftler beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Zukunftsvisionen und den Entwicklungen unserer Gesellschaft.

Laut seiner jüngsten Zukunftsstudie „So wollen wir Leben: Die 10 Zukunftshoffnungen der Deutschen“, die er gemeinsam mit seiner Tochter Irina Pilawa veröffentlichte, ist für die große Mehrheit der Deutschen vor allem eines wichtig: Die Familie. Wir haben mit ihm über Beziehungsformen der Zukunft, den Stellenwert von Familie und das Ende der Single-Gesellschaft gesprochen.

Dr. Opaschowski, in Ihrem aktuellen Buch konstatieren Sie: Die Single-Gesellschaft hat ihren Höhepunkt überschritten. Stattdessen steuern wir auf einen zweiten demografischen Wandel zu. Was bedeutet das und wie kommen Sie darauf?

Alles braucht seine Zeit, der demografische Wandel auch. Die Familienorientierung der jungen Generation nimmt wieder deutlich zu. Die Ehen in Deutschland werden stabiler. Die Zahl der Scheidungen sinkt. Selbst Scheidungswillige bleiben immer länger verheiratet. Und die Geburtenzahl steigt wieder an – langsam, aber stetig. Deshalb sage ich: Die Familie ist kein Auslaufmodell. Eine neue Lust auf Familie breitet sich aus. Und ein zweiter demografischer Wandel kündigt sich in den nächsten zwanzig Jahren an. Die Single-Gesellschaft gehört dann der Vergangenheit an.

Laut Ihrer Studie steigt die Lust auf Familie wieder: Für 90 Prozent der Deutschen ist die Familie das Wichtigste im Leben. Warum besinnen sich die Deutschen wieder auf traditionelle Werte?

Wir leben in unsicheren Zeiten. Es verstärkt sich die Suche nach Halt, Heim und Heimat, nach Sicherheit und sozialer Geborgenheit. Hier erweist sich die Familie als sicherer Hafen. Sie überlebt alle Krisen. Sie schützt vor den Risiken des Lebens und ist so wertvoll wie eine Geldanlage. Neun von zehn Bundesbürgern sagen daher: „Was auch immer auf mich zukommt. Die Familie ist und bleibt für mich das Wichtigste im Leben“.

 Wie sieht Familie und das gesellschaftliche Zusammenleben der Zukunft aus? Und welche Rolle spielt dabei eine glückliche Partnerschaft?

Die Elternfamilie mit Kindern ist in Zukunft nur mehr „ein“ Lebensprojekt – neben anderen. Der Freundeskreis wird zur „zweiten Familie“, die Hausgemeinschaft und Nachbarschaft zur „Wahlfamilie“. Noch wichtiger aber wird die „Generationenfamilie“, also Enkel, Kinder, Eltern und Großeltern, die nicht unter einem Dach, aber in erreichbarer Nähe wohnen. Die Generationenfamilie wird geradezu zur Wagenburg des 21. Jahrhunderts. Sie weist ein hohes Maß an Stabilität auf und hält oft ein Leben lang. In der künftigen Gesellschaft des langen Lebens werden Partnerschaften und Familien lange Bestand haben, ja solange dauern wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Dabei gilt: Eine glückliche Partnerschaft ist die beste Lebensversicherung. Wer intensive Partnerbeziehungen pflegt, lebt länger.

 Was ist aus Ihrer Sicht essentiell für ein glückliches und erfolgreiches Leben in unserer Gesellschaft? Wo liegen die größten Herausforderungen, das zu verwirklichen?

„3G“ bestimmen das Wohlergehen der Menschen in der Zukunft: Geld, Gesundheit und Geborgenheit. Ohne Geld geht gar nichts, ohne Gesundheit auch nichts. Doch erst Geborgenheit in Partnerschaft und Familie gibt Antworten darauf, wofür es sich zu leben lohnt. Der Mensch ist nicht zum Alleinsein geboren. Er braucht den anderen. Wer die Herausforderungen der Zukunft bestehen will, braucht soziale Konvois, hilfreiche Lebensgefährten und lebenslange Begleiter bis ins hohe Alter. Sie vermitteln das sichere Gefühl: Gemeinsam geht es weiter!

Sie sind Pate eines Mehrgenerationenhauses und haben selbst eine große Familie. Ganz kurz gefasst: Welche Rolle spielt für Sie ganz persönlich die Familie?

Familie ist mir heilig. Hier finde ich meine Lebenserfüllung und stehe dabei nicht allein. Vor allem der jungen Generation liegt die Familie wieder am Herzen. Sie wohnt länger bei den Eltern und entdeckt den Wert von Familiensinn, Gemeinsinn und Bürgersinn neu. Die Zeit der Ichlinge ist vorbei.

Prof. Dr. Horst Opaschowski

Über Horst Opaschowski:

Prof. Dr. Horst Opaschowski, verheiratet, zwei Kinder und fünf Enkelkinder, ist Zukunftswissenschaftler und Berater für Wirtschaft und Politik. International hat er sich einen Namen als „Futurist“ (XINHUA/China) und „Mr. Zukunft“ (dpa) gemacht. Bis 2010 leitete er die Stiftung für Zukunftsfragen und gründete 2014 mit der Bildungsforscherin Irina Pilawa, seiner Tochter, das OPASCHOWSKI INSTITUT FÜR ZUKUNFTSFORSCHUNG (O.I.Z) in Hamburg. Gemeinsam haben sie das Generationenwerk „So wollen wir leben! Die 10 Zukunftshoffnungen der Deutschen“ geschrieben, das im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist.

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