Social Freezing - später Kinder für die Karriere?

Eizellen einfrieren auf Firmenkosten?!

16.10.2014, von Christiane Lénard

Sachen gibt es, die gibt es gar nicht, dachte ich beim Lesen folgender Nachricht: Facebook und Apple bezahlen das Einfrieren von Eizellen. So ist es unter anderem auf ZEIT ONLINE zu lesen.

Der Frauenanteil in IT-Firmen ist generell sehr gering. Bei Google, Microsoft, Facebook und Co. liegt er so um die 30 Prozent. Was liegt da also näher, als diese Arbeitsplätze für Frauen attraktiver zu machen, indem der Arbeitgeber die Kosten für das sogenannte Social Freezing übernimmt. So können die Mitarbeiterinnen in aller Ruhe und ohne Blick auf die tickende biologische Uhr ihre volle Arbeitskraft für die Unternehmen einsetzen, eventuell Karriere machen und ihre Familienplanungen nach hinten verschieben.

Erst Karriere, dann Kinder

Der Trend, sich zunächst auf den Job zu konzentrieren, ist ja nicht neu, nicht zuletzt, weil es eben doch schwierig ist, beides miteinander wirklich gut und vor allem guten Gewissens miteinander zu vereinbaren. Wir haben schon des Öfteren an dieser Stelle darüber berichtet. Die Frage ist: Wollen und dürfen wir so weit in die Natur eingreifen, um diesen Konflikt, der, wohlgemerkt, ein persönlicher und gesellschaftlicher ist, zu lösen?

Alternativen zum Social Freezing

Alternativ könnten die Unternehmen ja auch noch mehr investieren, dass eben doch beides besser zu vereinbaren ist und es eben nicht der Grund dafür ist, dass Frauen weniger oder aufhören müssen zu arbeiten, wenn Kinder da sind. Sofern sie es denn überhaupt wollen. Und ihr männliches Arbeitsumfeld sie trotzdem für leistungsfähig hält. Aber das ist ein anderes Thema. Und den vorgenannten Unternehmen muss man zugute halten, dass sie sich durchaus allerlei Annehmlichkeiten für ihre Mitarbeiten einfallen lassen, von Zuschüssen bei der Geburt eines Kindes oder bei einer Adoption bis hin zur Kinderbetreuung. Gehen sie jetzt aber zu weit?

Die biologische Uhr

Die Natur hat schlauerweise die weibliche Fruchtbarkeit zwischen 20 und 25 Jahren als am höchsten gestaltet . Ab 30 sinkt sie dann rapide, mit 40 wird es dann schon problematisch. Logischerweise ist der beste Zeitpunkt zur Eizellenabnahme auch mit Anfang 20. Da kann man sich dann schon die Frage stellen, ob die Firmen wirklich an diese Zielgruppe denken und ihnen dieses kostspielige Unterfangen quasi in vorauseilender Hoffnung auf eine gewinnbringende Arbeitskraft bezahlen wollen. Oder ist es doch eher die 35-jährige topausgebildete Eliteuniabsolventin mit Berufserfahrung, die den Mehrwert der Firma vergrößern soll, aber in der Tat vor dem Dilemma steht, wenn sie dann richtig gefestigt im Jobsattel sitzt, entweder jetzt schnell auch noch die Kindernummer durchziehen muss und wieder ausfällt für die Firma, oder eben darauf verzichtet.

Fragwürdiges „Fortpflanzungshilfeprogramm“

Muss sie ja nun nicht mehr, dank des des Arbeitgebers. Da kann sie dann mit Mitte 50, wenn sie nicht mehr so attraktiv für das Unternehmen ist, auf ihre eingefrorenen Eizellen zurückgreifen und mit 75 die erste Studentenbude für die Tochter einrichten. Mal abgesehen davon, dass dies medizinisch nicht ganz unproblematisch ist: angefangen von den relativ „alten“ Gefriereizellen bis hin zu den Risiken der späten Schwangerschaft. Sozial und ethisch kommen wir in Diskussionen, die wir auf jeden Fall führen müssen. Denn es geht letztlich immer mehr darum, Naturgesetzmäßigkeiten auszuhebeln, um möglichst optimale, vor allem wirtschaftliche, Ergebnisse zu erzielen.

Ursprünglich half die Methode des Einfrierens von unbefruchteten Eizellen vor allem den Frauen, die z.B. durch eine Krebstherapie, nicht mehr die Möglichkeit hatten, eigene Kinder zu bekommen. Beim Social Freezing liegen keine medizinischen Gründe vor. Genauso wenig wie bei anderen Verfahren der Reproduktionsmedizin, wie z.B. der Samenspende ohne Partner.

Wie weit wollen wir gehen?

Wir entfernen uns mit jedem dieser Schritte von der unseren archaischen Bedürfnissen und den natürlichen Lebensprozessen. Auch müssen wir uns Gedanken darüber machen, was das Verschieben von Lebensverläufen für die Zukunft von Partnerschaft und Familie bedeutet.

Christiane Lénard

Über die Autorin:

Christiane, Matchmaking-Expertin bei Parship und Mutter eines kleinen Sohnes, sitzt derweil noch ein bisschen kopfschüttelnd vor den Berichten und denkt verträumt an die Sinnhaftigkeit der Natur, das Verlieben, den Wunsch nach gemeinsamen Kindern und Familie, das Glück des Zufalls und des „soll wohl so sein“. Bis zu den nächsten Hiobsbotschaften aus der Reproduktionsmedizin….

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