Happy wife, happy life

07.10.2014

Über das Glück einer Ehe entscheidet vornehmlich die Beziehungszufriedenheit der Frau – diese These übersetzen Amerikaner ganz simpel mit dem Sprichwort „Happy wife, happy life“. Und da scheint tatsächlich etwas Wahres dran zu sein, wie jetzt Forscher aus den USA herausgefunden haben. Sie untersuchten anhand von fast 400 älteren Paaren, wie die wahrgenommene Ehequalität und das subjektive Wohlbefinden zusammenhängen. Die befragten Paare waren alle eine beachtlich lange Zeit verheiratet, im Durchschnitt 38,5 Jahre.

Im Kern kamen die Wissenschaftler zu folgendem erhellenden Ergebnis: Sogar ein unglücklich verheirateter Mann kann im Allgemeinen ganz zufrieden mit seinem Leben sein, solange seine Frau in der Ehe glücklich ist. Umgekehrt gilt das aber nicht: Eine Frau, die in ihrer Ehe unglücklich ist, kann ihre allgemeine Lebenszufriedenheit auch dann nicht verbessern, wenn der Mann die Ehe ganz passabel findet.

Gehen wir den Ursachen auf den Grund …

Natürlich gibt es grundsätzlich einen Zusammenhang zwischen eingeschätzter Qualität der Ehe und allgemeiner Lebenszufriedenheit sowie der momentanen Befindlichkeit bei täglichen Aktivitäten. Es gilt: Je zufriedener mit dem einen, desto zufriedener mit dem anderen.

Bei den älteren Paaren gibt es hierbei auch keine signifikanten Unterschiede zwischen Mann und Frau, wie die Studie herausfinden konnte. Interessant, denn bei jüngeren Paaren scheint dieser Zusammenhang stärker bei Frauen ausgeprägt zu sein. Bei älteren Paaren hingegen scheint die Ehe gleich wichtig für das Wohlbefinden beider Partner zu sein.

Die Geschlechterrollen verändern sich mit dem Alter

Zum einen mag das daran liegen, dass sich im fortgeschrittenen Alter das soziale Netzwerk verkleinert, etwa weil das berufliche Umfeld wegfällt oder weil strukturelle und gesundheitliche Einschränkungen den Bekanntenkreis verkleinern. Dann rücken der eigene Lebenspartner und die Ehe automatisch stärker in den Mittelpunkt. Zum anderen verändern sich die Geschlechterrollen mit dem Alter. Sie gleichen sich sozusagen etwas an. Männer orientieren sich mehr in Richtung Familie und Zusammengehörigkeit, weniger in Richtung berufliche Tätigkeit und Wirkung. Im Kontrast dazu werden Frauen im Alter weniger in ihrer klassischen Rolle als Familienzusammenhalterin und -organisiererin gefordert, weil sie sich nun oft endlich um sich und ihre Selbstverwirklichung kümmern möchten (und können).

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass die Gesundheit des Partners einen deutlichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit der Frauen hat. Sie werden unglücklicher, wenn ihr Partner krank ist. Die Männer hingegen scheint die Gesundheit ihrer Partnerin nicht so sehr zu tangieren, auf ihre allgemeine Lebenszufriedenheit hat dies keinen Einfluss. Die Autoren erklären diesen Zusammenhang vor allem damit, dass Frauen sich stärker verantwortlich für die Gesundheit ihrer Männer fühlen und sie auch eher selbst deren Pflege übernehmen. Das geht natürlich auf Kosten des eigenen Wohlbefindens.

Die Frau als treibende Kraft in der Beziehung

Aber wie kommt es, dass die allgemeine Zufriedenheit des Mannes so abhängig davon ist, wie die Frau die Ehe der beiden bewertet? Der Schlüssel liegt wohl in den geschlechtsspezifischen Interaktions-und Kommunikationsmustern innerhalb der Partnerschaft. Frauen tendieren typischerweise dazu, ihrem Partner insgesamt mehr die allgemeine Gesundheit unterstützende Hilfe anzubieten als es andersherum der Fall wäre. Die emotionale und praktische Unterstützung, die sie ihrem Partner entgegenbringen, ist abhängig von ihrem empfundenen Eheglück. Die Autoren der Studie sagen dazu: Eine glücklich verheiratete Frau ist tendenziell hoch motiviert, ihrem Mann Fürsorge und praktische Unterstützung entgegenzubringen. So kann selbst ein unglücklich verheirateter Mann praktische Benefits aus allem ziehen, welche sein allgemeines Wohlbefinden wiederum steigern.

Außerdem sind Frauen eher geneigt, ihre Partner in die Beziehungsangelegenheiten einzubeziehen. Eine glücklich verheiratete Frau wird positive Aspekte hervorheben und lobend erwähnen, während eine unglücklich verheiratete Frau ihren Ehemann auch mal kritisieren wird. Männer nehmen dagegen eine passive und stille Rolle ein, sie äußern sich eher nicht zu Beziehungsangelegenheiten, so dass ihre Partnerin nicht unbedingt von ihren Gefühlen und Gedanken erfährt und somit auch nicht ihr Wohlergehen beeinflusst wird.

Unterschiedliche Bewertung der Ehequalität

Darüber hinaus scheint es Unterschiede zwischen den Geschlechtern darin zu geben, was die Bewertungen der Ehequalität beeinflusst. Männer bewerten die Ehe gut, wenn sie sich von ihrer Frau unterstützt und geliebt fühlen, während die Bewertung der Frauen eher darauf basiert, was sie für ihren Mann fühlt zu tun. Das ist kurios, denn es heißt nichts anderes, als dass die Einschätzungen beider vom Nutzen für den Ehemann abhängen. „Thus, a couple in which both report high satisfaction may be one in which the wife gives a lot and the husband feels he receives a lot, thus enhancing his life satisfaction.“ Also kurz gesagt: Alles ist gut, wenn die Frau viel gibt und der Mann viel bekommt.

Insgesamt lässt sich auch durch andere Studien der Eindruck verstärken, dass Männer in der Partnerschaft tendenziell die Rolle des passiven Partizipierers einnehmen, während Frauen aktiver und entscheidungsfreudiger die Beziehung pflegen.

Frauen sind die treibende Kraft, wenn es um die Kommunikation in der Partnerschaft geht und von ihnen geht auch meistens die Initiative aus, sich bei Konflikten z.B. Hilfe bei einer Eheberatung oder Therapeuten zu suchen. Und während Männer Probleme oft aussitzen oder sich anderweitig Ablenkung suchen, ziehen Frauen schneller Konsequenzen und reichen die Scheidung ein. 2013, so berichtet das Statistische Bundesamt, wurde in 52% der Fälle von der Frau der Scheidungsantrag gestellt. Das trauten sich nur 40% der Männer, in den übrigen 8% der Fälle wurde die Scheidung von beiden Partnern eingereicht.

„Ich dachte meine Ehe sei gut, bis meine Frau mir sagte, wie sie sich fühlt“
Vor etlichen Jahren kam ein Buch eines US-amerikanischen Paartherapeuten mit diesem hübschen Titel auf den Markt. Das beschreibt die Realität ganz gut, denn für Männer ist noch sehr, sehr lange alles in Ordnung und sie sind oft überrascht, wenn ihre Frau sagt, es müsse sich sofort etwas ändern, sonst würde sie sich trennen. Erst dann werden Männer aktiv. Leider ein (oft zu) später Zeitpunkt, um noch etwas zu retten.

Männer, redet! Und ja, sie tun es (immer öfter)
Aber so weit muss es ja nicht kommen. Männer haben in den letzen Jahren zunehmend gelernt, dass das Miteinanderreden (ja, auch über Gefühle!) in einer Partnerschaft nicht nur notwendig ist, weil ihnen sonst die Frauen weglaufen. Wie eine aktuelle Parship-Studie zeigt, halten Frauen und Männer offene und regelmäßige Gespräche über die Beziehung für einen wichtigen Garant für eine glückliche und langlebige Beziehung. Dass das bei Paaren, die sich online kennengelernt haben, ganz besonders gut klappt, zeigte sich in einem Vergleich mit Paaren, die sich nicht über das Internet kennengelernt haben. So fanden wir heraus, dass Online-Paare mit ihrer Partnerschaft zufriedener sind und den Umgang mit Stress sowie Kommunikation innerhalb der Partnerschaft positiver bewerten.

Christiane Lénard

Über die Autorin:

Christiane Lénard ist eine „happy wife“: Neben ihrer Tätigkeit als Leiterin des Matchmakings bei Parship lebt sie in einer glücklichen Ehe. Ihr und ihrem Mann ist das gemeinsame, offene Ansprechen von Bedürfnissen eine echte Herzensangelegenheit. Denn Christiane weiß, schon allein auf Grund ihres Berufs, dass dort der Schlüssel liegt, damit es hält.

Wie gut hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Happy wife, happy life 3.40/5 5 votes