Online kennengelernt - früher getrennt?

Trennen sich Online-Kennenlerner früher?

15.10.2014, von Dr. Sandra Spreemann

Endlich! Eine aktuelle Studie aus den USA widmet sich einem Manko der wissenschaftlichen (Online-)Paarforschung: In der Mehrzahl der Veröffentlichungen finden unverheiratete Paare nicht statt! Die genannte Studie verzichtet nun auf den Trauschein als unausgesprochenes Teilnahmekriterium. Stattdessen stellt sie die Beziehungsentwicklung verheirateter und unverheirateter Paare einander gegenüber – und zwar zusätzlich zu dem Aspekt, ob diese sich jeweils im Internet oder in der Offline-Welt kennen gelernt haben. Die Ergebnisse sind überraschend. Oder vielleicht doch nicht so sehr?

Der neuen Studie zufolge

  1. trennen sich verheiratete und unverheiratete Online-Kennenlerner deutlich häufiger als Paare, die sich auf anderem Wege kennen lernten.
  2. sind Internet-Paare deutlich seltener verheiratet.

Knapp gesagt deutet der Autor Aditi Paul seine Ergebnisse dahingehend, dass sich Menschen bei der Online-Kontaktaufnahme weniger Mühe geben und sich diese lockere Haltung sich auch auf die weitere Entwicklung der Beziehung übertragen könne. Eine für manche verführerische Interpretation, die sich jedoch in keiner Weise mit anderslautenden Studien auseinandersetzt, welche Online-Paaren eine niedrigere Trennungsquote und höhere Zufriedenheit mit der Beziehung bescheinigen. An einer mangelnden Berücksichtigung unverheirateter Paare in diesen Studien kann es wohl kaum liegen, wenn diese sich nach Pauls Ergebnissen in Sachen Trennung gar nicht von Ehepaaren unterscheiden.

Was heißt „online kennen gelernt“?

Was sonst war in diesen Studien möglicherweise anders? Vielleicht die Definition von „online kennen gelernt“? Parship-Studien (die seit jeher alle Beziehungen unabhängig von der Ehe einschließen) untersuchen hier naturgemäß Paare, die sich bei einer kostenpflichtigen Online-Partnervermittlung mit wissenschaftlichem Passungsverfahren gefunden haben. 90% der Singles dort suchen nach eigenen Angaben nach einer festen Beziehung. Klingt nicht nach wenig Mühe geben. Andere Studien haben ebenfalls Paare aus einem ganz bestimmten Online-Segment betrachtet. Welche Möglichkeiten des Online-Kennenlernens hatten aber die Internet-Paare aus Aditi Pauls Datenbasis genutzt?

Online-Partnervermittlung vs. Online-Dating

Der Originalfragebogen zur Studie gibt Aufschluss – demnach umfassten Online-Kennenlernen-Orte bei Paul nicht nur Online-Partnervermittlungen, sondern auch klassische Online-Dating-Seiten, Social Networking Seiten (z.b. Facebook), Chatrooms und sämtliche andere Internetservices, über die man irgendwie mit anderen Nutzern interagieren kann. Fragen wir die Nutzer dort, wonach sie suchen, gewinnt die Interpretation mit der lockeren Haltung für diese Gruppe tatsächlich an Glaubwürdigkeit. Und die Wahrscheinlichkeit, dass in Pauls Studie eben überdurchschnittlich viele Online-Paare über unverbindliche „Der Weg-ist-das-Ziel“-Plattformen zusammen gekommen waren, scheint groß: In Deutschland zumindest haben die entsprechende Dienste einen Marktanteil von 87% gemessen an monatlichen Nutzern.

Das Ziel im Blick

Damit wären die Ergebnisse der aktuellen Studie gar nicht mehr so überraschend. Online-Kennenlernen ist eben nicht gleich Online-Kennenlernen! Wer über eine seriöse Online-Partnervermittlung sucht, hat auch fast immer eine feste und langfristige Beziehung zum Ziel.

Und es funktioniert: In einer in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich durchgeführten Studie haben zumindest Parship-Paare sich im Vergleich zu Offline-Paaren als zufriedener mit ihrer Beziehung gezeigt. Und sie heiraten in durchaus großer Zahl – tendenziell sogar schneller als ihre Offline-Pendants!

Parship Unternehmen Dr Sandra Spreemann

Über die Autorin:

Sandra ist promovierte Psychologin und von Beginn an mit Parship verbandelt. Bis 2010 leitete sie die wissenschaftliche Abteilung und entwickelte das Parship-Prinzip® stetig weiter. Als Matchmaking-Expertin steht sie uns heute wissenschaftlich beratend zur Seite. Außerdem coacht und berät sie im digitalen Business sowie Menschen in herausfordernden Lebenssituationen (sandra-spreemann.de). Ihre heimliche Leidenschaft – das Schreiben – macht sie hier für uns zur Tugend.

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