Liebe ist wichtige Voraussetzung für Glück, so die Forschung

Zum Glück verliebt: 4 Fragen an den Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel

20.08.2014, von Jana Bogatz
Schornsteinfeger tun es, vierblättrige Kleeblätter und Schweinchen natürlich auch – Glück bringen! Wer aber keinen Kamin besitzt, nicht ständig auf der Blumenwiese nach den grünen Talismanen Ausschau halten möchte und sich lieber von Schweineställen fernhält, kann sein Glück auch woanders finden. Nämlich in einer erfüllten Partnerschaft. Drei Viertel der Deutschen sind überzeugt davon, dass es sich in einer Beziehung glücklicher lebt.
Das bestätigt auch der Nürnberger Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel. Er ist zwar vorrangig im Bereich Politik und Wirtschaft tätig, widmet sich jedoch auch der interdisziplinären Glücksforschung – und weiß, dass Geld allein eben auch nicht glücklich macht. Wir haben ihn interviewt.
 

Wir von Parship arbeiten im Auftrag der Liebe und bringen Menschen in glückliche Partnerschaften. Wir sind der Meinung, dass wir auf diese Weise nicht nur den einzelnen Menschen glücklicher machen, sondern auch einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Was können Sie aus der Sicht der Glücksforschung dazu sagen? Welchen Einfluss kann eine glückliche Partnerschaft auf andere Bereiche wie die Wirtschaft und Politik haben?

Wir wissen aus der Glücksforschung, dass gelingende soziale Beziehungen der wichtigste Glücksfaktor sind. Sie sind letztendlich die Grundlage für ein glückliches Leben.

Wie kann in Ihren Augen eine glückliche Partnerschaft zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen?

Wir wissen, dass glückliche Menschen mehr Energie haben, kreativer sind, ein stärkeres Immunsystem haben, sozial verträglicher sind, produktiver arbeiten und eine erhöhte Lebenserwartung haben. Je mehr gelingende Beziehungen umso besser – und zwar für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Sie unterscheiden zwischen emotionalem und kognitivem Wohlbefinden. Was ist der Unterschied? Auf welches Wohlbefinden hat eine glückliche Partnerschaft da Einfluss?

In der Glücksforschung beschäftigt man sich mit Glück im Sinne des Glücklichseins, also mit dem subjektiven Wohlbefinden und nicht mit dem „Glückhaben“, also dem Zufallsglück (z.B. der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns).

Es gibt zwei Ausprägungen des subjektiven Wohlbefindens:

Zum einen das „Emotionale Wohlbefinden”: Damit ist die Gefühlslage im Moment gemeint, wobei es im Wesentlichen auf das Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt ankommt. Hier geht es um das Wohlbefinden, das Menschen erleben, während sie ihr Leben leben.

Zum anderen das „Kognitive Wohlbefinden”: Dabei geht es um den Grad der „Zufriedenheit“ mit dem Leben (Bewertung). Hier findet eine Abwägung zwischen dem was man will (den Zielen, Erwartungen, Wünschen) und dem was man hat, statt. Es geht also um das Urteil, das Menschen fällen, wenn sie ihr Leben bewerten, wobei es hier entscheidend auf die Ziele ankommt, die Menschen für sich selbst setzen. Die Ziele sollten werthaltig und realistisch sein.

Eine glückliche Person erfreut sich häufig und leichter positiver Gefühle und erfährt seltener negative Gefühle und ist in hohem Maße mit ihrem Leben zufrieden. Sie sieht einen Sinn in ihrem Leben, verfolgt also sinnvolle/werthaltige (Lebens-) Ziele. Untersuchungen zeigen, dass Ziele wie persönliches Wachstum, zwischenmenschliche Beziehungen und Beiträge zur Gesellschaft besonders werthaltig sind, im Gegensatz zu Zielen wie Geld, Schönheit, Popularität. Zudem weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass das Verhältnis von positiven zu negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt mindesten 3:1 sein sollte, bezogen auf den Partner sogar 5:1.

Eine glückliche Partnerschaft hat also auf beide Arten einen großen Einfluss. Beim emotionalen Wohlbefinden kommt es zu positiven Gefühlen. Beim kognitiven Wohlbefinden ist mit der glücklichen Partnerschaft schon eines der wichtigsten Ziele erreicht.

Welchen Tipp würden Sie den deutschen Singles von heute geben?

Ganz generell empfehle ich, mit einem Dankbarkeitstagebuch anzufangen. Ich schlage vor, für einige Zeit (zwei bis drei Monate) ein solches Tagebuch zu führen. Mehrmals die Woche sollten dann die drei (auch ganz kleinen) Dinge, die sich seit dem letzten Eintrag ereignet haben und für die man dankbar sein kann, festgehalten werden. Wir Menschen nehmen nämlich die negativen Ereignisse viel intensiver wahr und vergessen darüber leicht das Positive. Mit dieser Übung kommen wir zu einer ausgeglicheneren Sichtweise des Lebens. Wir sehen das Positive danach viel bewusster. Sollten dann mal Tage kommen, die wirklich nicht gut laufen, kann man sich leicht an das viele Schöne in der Vergangenheit erinnern. Und schon kommen wieder positive Gefühle allein durch diese Erinnerung auf.

Denken Sie an 3:1. Damit hellt sich aber auch die Stimmung auf und es wird leichter, jemand für eine glückliche Partnerschaft zu finden.

Parship Mission Experten Interview Prof Ruckriegel

Über Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel:

Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel ist einer der renommiertesten Glücksforscher Deutschlands und lehrt seit dem Jahre 1995 an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Seine Fachgebiete umfassen Makroökonomie, insbesondere Geld- und Währungspolitik, Psychologische Ökonomie (Behavioral Economics) und interdisziplinäre Glücksforschung.

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