Hautnah / Hautfern

30.04.2020 Jana Bogatz

Der März 2020 verläuft anders als in den Jahren zuvor. Die fortschreitende Ausbreitung der Corona-Pandemie führt zu weltweiten Einschränkungen des Alltagslebens und Mitte des Monats werden auch in Deutschland Kontaktbeschränkungen verhängt. Wie lernt man in so einer Situation einen Partner kennen? Ist es überhaupt möglich? Wie kann man jemanden treffen, wenn Treffen verboten sind? Hajo (58) und Sylvia (56) aus Niedersachsen und Sachsen schreiben sich über Wochen, lernen sich kennen, fühlen eine tiefe Verbindung - und wagen irgendwann doch den nächsten Schritt...

Verliebt mit Parship – Erfolgsgeschichte von Hajo und Sylvia
© privat

Wir haben uns digital auf Parship in unserer Alleinseinkeit, kurz vor der Corona-Krise, kennen- und schätzen gelernt. Aus zaghaftem Zwinkern, Fotos freigeben und sanften Texten entstand ein reger WhatsApp Austausch, der zu E-Mails, dann erst schüchternen und immer längeren Telefonaten, Postpaketen und schließlich zu Facetime, mit immer mehr entdeckten Gemeinsamkeiten, führte. Unsere Geschichte ist die Geschichte zweier Fremder, mutigen Individuen, die sich vorsichtig mit ihren teilweisen schweren Vergangenheiten annähern, trotz ihrer komplett unterschiedlichen Lebensläufe. Sylvia war in Ost- und Hajo in Westdeutschland vor und nach der Wende aufgewachsen, im schriftlichen Austausch kamen wir uns immer näher.

Wir fielen immer wieder um vor Erstaunen

Und wir wurden sprachlos und ganz still, als wir lernten, was uns alles verband in unserer Seelengemeinschaft. Wir wollten uns treffen, wollten uns sehen, erleben, berühren. Das war aber verboten. Polizeilich bei Strafe verboten! Lockdown!

So entdeckten wir, erstaunt, dass da, wo wir sprachlos wurden, der Mensch mit seiner Fantasie die Grenzen der Sprache traumhaft wie im Märchen dichterisch überbrücken kann. Es folgte, vorsichtig, das erste Gedicht, das zweite, dritte. Diese Kommunikation, das Unaussprechbare, die Gefühle, Gedanken, Emotionen nicht aussprechbar, passte ins Gedicht – für uns beide. Wir beide lieben Fotografie, jeder auf seine Weise, und wir bereicherten uns – gegenseitig. Unglaublich! Denn da wo die Grenzen der Sprache sich vor uns auftürmen, da wo wir sprachlos sind, da sind wir menschlich in unseren Gefühlen, Emotionen und Gedanken. Da sind wir Mensch und können uns immer näherkommen, verliebt einander verstehen.

Hajo und Sylvia haben in ihrer Kennelernphase einen gemeinsamen Gedichtband veröffentlicht. „Hautnah / Hautfern: Verführung in der Corona-Krise“ ist bei Amazon erhältlich.