Ein Briefroman

Wie funktioniert das eigentlich, sich über eine Online-Plattform kennenzulernen? Tina* und Constantin* aus Bocholt und Stuttgart geben uns einen exklusiven Einblick in ihre ersten Zeilen, die zum großen Liebesglück wurden. *Namen geändert

So verliebten sie sich:

Verliebt mit Parship – Erfolgsgeschichte von Tina und ConstantinConstantin, 25.09., 19:58: Sorry, ich MUSSTE dich einfach anschreiben. Denn wir wissen ja: Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss. Ob wir beide außer Hip Hop noch andere Gemeinsamkeiten haben? Die Parship-Gurus meinen: „ja, voll“ und geben uns das innig umschlungene Ihr-beiden-passt-krass-zusammen-Paar-Bild. Zitat: „Sie beide haben das Zeug zum Traumpaar!“ – hoho!. Für den Fall, dass du trotz aller Unwägbarkeiten mal eine kurze (oder lange) Nachricht gen Süden verfassen möchtest, würde ich mich sehr freuen?

Tina, 25.09., 22:05 Ich muss dir jetzt auch unbedingt antworten, deine wundervollen Profilbild-Alliterationen haben mich völlig in ihren Bann gezogen. So von Gymnasiallehrerin zu Gymnasiallehrer tippe ich schwer auf Deutsch. Und noch was anderes. Sag mal, ich hab da noch nie so drauf geachtet, weil ich immer davon ausgegangen bin, dass die bei Parship einem bei jedem über 100 MP suggerieren wollen, dass er potentiell der Mann für’s Leben ist, aber: gibt es echt noch was anderes als das fest umschlungene Prinzenpaar?? Ich glaub ich muss gleich mal ein paar falsche 50er anklicken.

Nächtliche Nachrichtenwechsel

Constantin, 25.09., 23:24 Sehr uncool, dass ich jetzt noch zurückschreibe. Das wirkt ja gerade so, als hätte ich nur darauf gewartet, dass du mir schreibst. äh…stimmt. damn. Abschließend noch die parship-love-kategorien:?? (1) Innig umschlungenes Paar: haben nur wir zwei überhaupt jemals gekriegt? (2) Händchenhaltendes Paar: gibt Streit, Tränen, Scheidung, aber kann man ja trotzdem machen? (3) Ein sich anschauendes Paar: maximal Sex, am nächsten Morgen nervt man sich schon an? (4) Ein sich mit Pistolen erschießendes Paar: man streitet sich bereits in der ersten Mail? (5) Ein sich mit Atombomben auslöschendes Paar (an dieser Stelle frage ich mich ernsthaft, warum das noch als „Vorschlag“ gilt): bereits während man die erste Mail tippt, findet man den anderen eigentlich schon so unglaublich scheiße, dass man die Mail gar nicht abschickt? (6) Ein großer gelber Plüschgorilla: keine Ahnung, habe ich auch noch nie bekommen.

Tina, 26.09., 00:29 So, ich komme dir jetzt total entgegen und schreibe auch noch zurück. Dann sind wir wenigstens beide uncool. Ja Mensch, so langsam glaube ich, dass wir uns eigentlich schon mal über den Weg gelaufen sein müssen in Freiburg. Englisch und Geschichte sind nämlich auch meine Fächer (langsam wird mir das hier unheimlich mit Parship! Die beziehen ja sogar schon den erhöhten Zufriedenheitsfaktor durch geteilte Unterrichtsvorbereitung = mehr Freizeit mit in ihre Matchingpunkte ein! Wahnsinn!) PS: Der gelbe Plüschgorilla heißt: „Achtung! Dieser Mann schießt seiner Freundin als Revier-Markierungs-Maßnahme auf der Kirmes ein unanständig großes, mega-peinliches, fürchterlich unpraktisches Plüschtier, das sie dann ab Minute 7 mit sich rumschleppen muss, damit sie bloß kein anderer halbstarker Autoscooter Proll anbaggert.“ Weiß man doch. (…)

Ein Date bahnt sich an?

Constantin, 27.09., 19:35 Eigentlich will ich dich ja nur noch fragen, ob du nicht mal mit mir ausgehen möchtest. Oder, unverfänglicher: Ob du nicht mal wieder deine beste Freundin in Freiburg besuchen gehst. Aber, da das eine recht kurze Nachricht werden würde, schreibe ich lieber noch ein paar Zeilen dazu. Das Problem ist ja gar nicht, dass ich dir nichts zu schreiben hätte, sondern im Gegenteil – dass ich gar nicht weiß, auf welche Abschnitte deiner Nachricht ich mich beim Antworten konzentrieren sollte, um nicht morgen früh noch dazusitzen und bleich, übernächtigt und entkräftet ein unverfängliches „keep it up“ oder sowas aufs virtuelle Papier zu hauchen. Und dann tot umzufallen.

ENDE

Nachwort

Die schriftlichen Zeugnisse brechen an dieser Stelle ab. Der interessierte Leser fragt sich nun aber vielleicht, wie es denn nun weiterging mit Tina und Constantin. Wir haben recherchiert, und hier ist der Rest der Story: Tina und Constantin telefonierten und fanden sich immer noch toll – toller sogar, wenn das überhaupt geht. Tina hatte sich Constantins Stimme zwar irgendwie tiefer vorgestellt, und war auch ein wenig irritiert, als er ihr nach zwei Stunden seine drei größten Schwächen aufzählte. Und Constantin war so beeindruckt von ihrer Coolness, dass er sich sorgte, ob sie wohl jemals mit ihm kuscheln wollen würde. Dennoch verabredeten sie sich für ein Treffen in Freiburg am nächsten Wochenende. Aus dem einen Treffen wurden zwei, und als Constantin am Sonntagabend in den Zug stieg, ohne Tina vorher zu küssen, verfasste sie frustrierte SMS an ihre Freundinnen:

Der Feigling hat mich noch nicht mal geküsst!?

Zwei Wochen gingen ins Land, bis sie sich wieder sehen konnten – diesmal in Frankfurt. In der Zwischenzeit telefonierten sie häufig und schickten sich per SMS Fortsetzungsromane hin und her – so inspiriert waren sie selten zuvor gewesen. Eigentlich war schon vor Frankfurt alles klar zwischen ihnen, die Frage war nur noch, WIE es passieren würde. Verstohlener Körperkontakt auf dem Römer, Händchenhalten in der Paulskirche, Arm in Arm durch die Kunstausstellung, und dann der erste Kuss im Sonnenschein am Mainufer – weniger als einen Monat nach der ersten Mail. Und seitdem fahren Tina und Constantin fast jedes Wochenende zwischen dem nördlichen NRW und Stuttgart hin und her, sind glücklich wie nie zuvor, und hoffen darauf, dass sie irgendwann nur noch zusammen Zug fahren werden.