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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. WolkeVier
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    Allgemein-Platz für ungeprüfte Thesen

    Mir fällt immer wieder auf, dass so manche Theorie von uns ungeprüft übernommen wird, wir müssen sie nur oft genug von verschiedenen Leuten gehört haben. Manche sind sicherlich nützlich, andere stehen uns vielleicht eher im Weg. Daher lohnt es sich meines Erachtens, mal darüber nachzudenken, ob die Aussage wirklich stimmt und auf einen selbst zutrifft. Zu einigen dieser Theorien würde mich eure Meinung und Erfahrung interessieren. Und natürlich bin ich gespannt auf die von euch beigesteuerten Thesen.

    Ich würde gerne mit folgendem Glaubenssatz anfangen:

    Wer eine glückliche Beziehung führen will, muss (vorher) erstmal in der Lage sein, mit sich alleine glücklich zu sein.
    Stimmt das wirklich? Warum ist das so?
     
    23.01.2018 #1
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  2. t.b.d.
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    Ich glaube, das ist falsch wiedergegeben.
    Bei David Schnarch findet man eine solche Aussage beispielsweise nicht. Man kann aber sein Konzept der Differenzierung dahingehend falsch verstehen.
    Schnarch schreibt aber nicht übers glücklich sein, sondern, über die Stabilität von Persönlichkeiten im Hinblick auf ihr Selbstgefühl. Das Selbstgefühl einer Person soll nicht abhängig vom Partner sein. Das schließt nicht aus, dass es von ihm beeinflussbar ist. Also nicht der Partner sagt einem wer man ist oder wie man sein soll, sondern man weiß das selbst.
     
    23.01.2018 #2
    T.S., Frau M, Synergie und 2 anderen gefällt das.
  3. Das Wort ‚glücklich‘ kann von verschiedenen Menschen unterschiedlich interpretiert werden.
    Wann wird ein Zustand als glücklich empfunden - wann ist es Zufriedenheit?
    Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ich mit mir selbst zufrieden sein kann, ich kann mir alleine auch glückliche Momente machen - doch längerfristig gesehen fühle ich mich in Gesellschaft glücklicher als allein.
    Dazu brauche ich auch eigentlich nur eine Bezugsperson, mit der ich vieles teilen kann.
    Und wenn man dann schon lange alleine ist, dann kann auch mal öfter der Blues auftauchen @t.b.d. :) , weil ich weiß , dass ich mich glücklicher in einer Beziehung fühle.
    Mein Wochenende war toll - ich habe mit lieben Menschen einen Ausflug gemacht - es gab viele schöne Erlebnisse ... und doch war an ruhigen Momenten die Sehnsucht nach einem Partner da.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 23.01.2018
    23.01.2018 #3
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  4. magena
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    Danke für diesen Thread.
    Immer wieder hört und liest man Sätze wie "wenn das Gefühl dazu kommt" oder "Gefühle entstehen".

    Ich finde das irreführend, weil die Gefühle sind ja etwas spontanes.
    Es ist doch eher der Verstand, der erst mit der Zeit sein "ok" gibt, dass es passen könnte.
     
    23.01.2018 #4
  5. Ariadne_CH
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    Dieser Satz gehört für mich auch zu den kontraproduktiven. Ich glaube nicht, dass Gefühle spontan oder im luftleeren Raum entstehen. Ich denke, dass ich aktiv meine Gefühle steuern kann. Was nicht bedeutet, dass ich sie vollkommen kontrollieren kann. Aber ich kann ihnen Raum geben, zu entstehen. Ich kann mir gemeinsame Unternehmungen ausdenken, um sie zu erhalten. Ich kann mir Glaubenssätze aneignen, die sich positiv auf meine Gefühle auswirken.
     
    23.01.2018 #5
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  6. magena
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    Spontan bedeutet für mich nicht "im luftleeren Raum". Ich glaube auch, dass wir mit unseren Glaubenssätzen, Vorstellungen usw unsere Gefühlswelt beeinflussen.
    Neben den spontanen Gefühle, kann man Emotionen auch reproduzieren, in dem man sich bestimmte Situationen in Erinnerung ruft. Aber diese haben für mich nicht die die selbe Kraft, wie die spontanen Gefühle.

    Meinst du das mit Raum geben?
     
    23.01.2018 #6
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  7. Ariadne_CH
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    Ja, genau so meinte ich es. "Spontan" klingt für mich halt nach unbeeinflusst, deswegen meine Abneigung gegen den Ausdruck.
     
    23.01.2018 #7
  8. tigersleep
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    Erste, kurze, knappe Erklärung: Weil Olli das gesagt hat. https://www.youtube.com/watch?v=-fiVRx0N88U

    Zweite, etwas längere Erklärung: Wer mit sich selbst unglücklich ist, der sucht nach einem Weg, nicht mehr unglücklich zu sein. Wer die Verantwortung für das eigene Glück einem potentiellen Partner hinschiebt, der setzt die Beziehung von Anfang an einem hohen Erwartungsdruck aus. Und die Enttäuschung wird umso bitterer sein, wenn irgendwann klar ist, dass der eigene Partner kein Supermann oder keine Superfrau ist, sondern ein ganz Normalsterblicher, der nicht mit einem Zauberstab alle Sorgen und Ängste hinfortschicken kann.

    Zweiter Aspekt: Wer mit sich selbst glücklich ist, der strahlt das auch merkbar aus. Ein zufriedener Mensch, der mit sich im Reinen ist und sich des Lebens freut hat eine ausgesprochen anziehende Aura (also zumindest auf mich!). Der verkraftet die kleinen Rückschläge im Leben auch besser und kann sie besser abfedern, anstatt sie in die Beziehung zu tragen. Eine gewisse Lockerheit/Lässigkeit und entspannter Umgang mit anderen Menschen machen auch die Partnersuche einfacher - und es sind zweifelsohne attraktive Qualitäten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.01.2018
    23.01.2018 #8
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  9. WolkeVier
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    Mit sich selbst unglücklich sein ist aber was anderes, als unglücklich zu sein, weil man alleine (ohne Partner) ist.
    Man kann ja auch mit sich im Reinen sein und sich des Lebens freuen und trotzdem darüber unglücklich sein, keinen Partner zu haben.
     
    23.01.2018 #9
  10. WolkeVier
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    Bitte, gerne. Danke für deinen Beitrag. :)
    Ich vermute mal, du beziehst dich auf die Gefühle für einen anderen Menschen, z. B. einen potentiellen Partner? Dann steckt dahinter die Frage, wann verlieben wir uns, und wenn nicht, warum? ;) Die ist in der Tat sehr spannend!
    Manchmal sieht es tatsächlich danach aus, dass Gefühle völlig ungefragt zu uns kommen, und wir das überhaupt nicht beeinflussen können. Im Austausch mit @Ariadne_CH hast du festgestellt, dass das so nicht ganz stimmt, weil ja die Gefühle von Gedanken (Glaubenssätze, Vorstellungen usw.) beeinflusst werden.
    Ich würde da sogar noch ein gutes Stück weitergehen: Unsere Gefühle werden tatsächlich von unseren Gedanken gesteuert. Interessant dabei: Viele Gedanken entstehen in uns ganz spontan, ohne konkrete Herleitung. Zack! Ist der Gedanke da! Wir haben darüber idR sehr wenig Kontrolle.
    So gesehen scheint die Aussage "Wenn Gefühle entstehen..." erst mal richtig zu sein. Ein spontaner Gedanke, aus diesem entsteht ein Gefühl, und das wirkt auf uns oft völlig unbeeinflussbar.
    Das ist es aber keineswegs, denn wenn wir unsere Gedanken kontrollieren, dann steuern wir auch unsere Gefühle....
     
    24.01.2018 #10
  11. fleurdelis*
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    Einspruch euer Ehren ... tun wir nicht. Ich gehe damit nicht konform, dass unsere Gedanken über die Gefühle entscheiden ... da würde die Thematik der Empathie nicht funktionieren. Außerdem, es gibt den Spruch: wo die Liebe hinfällt ... und wenn sie da mal "flopp" gemacht hat, und es scheint vernünftig, sprechen Hirn und Herz die gleiche Sprache .... wenn es unvernünftig erscheint, dann redet sich das Hirn den Mund fusslig ... und das Herz streckt nur die Zunge raus und meint: Pech ... is jetzt so, werd mal damit fertig ... :)
     
    24.01.2018 #11
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  12. WolkeVier
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    Einspruch stattgegeben! ;)
    Ich hab das heute Nacht vielleicht etwas zu absolut formuliert.
    Jetzt mal abgesehen davon, dass mir schon öfters die Theorie begegnet ist, dass wir in Wahrheit gar nichts steuern, sondern wir komplett gelenkt werden... Für mich sieht es so aus, dass zumindest der Großteil unserer Gefühle sehr stark von unseren Gedanken abhängt. Ich kann das für mich nutzen, indem ich meine Gedanken verändere um meine Gefühle zu beeinflussen. Auf dieser Grundlage bauen Konzepte wie "Positives Denken" ja auf.
    Ja, klar, ich weiß was du meinst. Aber auch da glaube ich, dass unsere Gedanken dahinter eine große Rolle spielen, beim einen mehr (rationaler Typ), beim anderen weniger (emotionaler Typ). Ich müsste mal einen sehr emotionalen Menschen fragen, welche Gedanken ihm / ihr beim Kennenlernen durch den Kopf gehen...
    Ich konstruiere mal ein Beispiel: Eine Frau lernt einen Mann kennen, er gefällt ihr, und sie entwickelt spontan positive Gefühle. Alles scheint zu passen. Dann plötzlich sagt oder tut der Mann etwas, was ihr so massiv missfällt, dass sich ihre Gefühle sofort schlagartig ändern. (Das könnte aber etwas sein, womit eine andere Frau kein so großes Problem hat.) Sind es dann nicht die Gedanken über diese Tat, die ihre Gefühle steuern?
    Und auch schon beim Kennenlernen, spielen da nicht auch Gedanken eine große Rolle, und wenn es nur Dinge sind wie "Der gefällt mir!", "Schöne Augen!", "Knackiger Hintern!" oder "Toller Humor!"?
    Für mich ist das gewinnbringende an dieser Theorie, dass ich dadurch - selbst wenn es eine Illusion wäre - meine Gefühle deutlich positiv beeinflussen kann, zumindest wenn ich in der Lage bin, meine Gedanken etwas besser zu steuern. Seitdem ich das tue, bin ich jedenfalls viiiieeel glücklicher.
     
    24.01.2018 #12
  13. WolkeVier
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    @fleurdelis* Deine Aussage über Empathie würde ich gerne besser verstehen. Für mich bedeutet Empathie, dass ich (mit- oder nach-)fühlen kann, was andere fühlen. Heißt das nicht erst mal, dass ich seine Gefühle wahrnehme, sozusagen übernehme? Diese sind aber vielleicht auch von Gedanken produziert, die er hatte. Oder manchmal bedeutet Empathie wohl auch, sich in jemanden (gedanklich!) reinversetzen und sich dann dessen Gefühle vorstellen zu können. Auch dann wären wieder Gedanken die Auslöser. Oder wie hast du das gemeint?
     
    24.01.2018 #13
  14. Ariadne_CH
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    Das ist ja auch genau das, was in der kognitiven Verhaltenstherapie zum Tragen kommt. Da geht es besonders um Gedanken, die man über sich selbst hat. Wenn ich zum Beispiel nicht so sportlich bin, dann kann ich denken: Ich bin total unsportlich und in allen Sportarten ein Versager. (Dass der Gedanke negative Gefühle auslöst, ist ja verständlich.) Ich kann mein Denken aber auch verändern, indem ich prüfe, was am Gedanken dran ist... Vielleicht fällt mir dann ein, dass ich zwar nicht so schnell laufen kann wie andere, dafür bin ich aber zum Beispiel im Schwimmen viel schneller als die meisten. Also denke ich nicht mehr, dass ich ein Versager bin, sondern dass ich gut im Schwimmen, aber schlecht im Laufen bin. Der Gedanke löst dann andere Gefühle aus.
    Aber natürlich kann man nicht alle Gefühle über die Gedanken verändern. Wenn sich aus einem Date nichts ergibt, obwohl ich es gehofft hatte, dann ist das enttäuschend, da helfen mir die besten Gedanken nichts. :)
     
    24.01.2018 #14
  15. Tone
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    Verstehst du mit Gedanken einen bewussten Akt oder eher einen unwillkürlichen Vorgang? Ich finde das spielt eine Rolle weil alle Emotionen im limbischen System ihren Ursprung haben, das nicht dem Bewusststein untersteht.

    Edit: Die bewusste gedankliche Verarbeitung der Emotion geschied freilich in den jüngeren Arealen unseres Gehirns. So :) oder so :oops:.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24.01.2018
    24.01.2018 #15