Information ausblenden
Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. WolkeVier
    Beiträge:
    9.548
    Likes:
    11.447
    Kann sein, dass du dich da auf meine Aussage beziehst, dass die Liebe weniger wird, wenn die Angst größer wird. (Mit Angst meine ich alle diese Dinge, die der Angst entspringen, wie zB Eifersucht und Misstrauen.) Damit meine ich aber nicht, dass die Liebe ganz weg ist, sondern sie zeigt sich eben in dem Moment weniger bis gar nicht, später kann sie dann wieder voll da sein.
    Klar. Aber wenn wir zu dieser bedingungslosen Liebe fähig wären, würden wir logischerweise jeden Menschen lieben (wie Jesus). Tun wir aber nicht, wir haben jede Menge Bedingungen. Daher kommt es ja auch, dass wir manchmal einen Menschen ganz besonders lieben, auf eine besondere Art und in einer besonderen Intensität. Das ist freilich an ganz besondere Bedingungen geknüpft...
    Ah, gut, du sagst es.
    Hm, schwierig... Was bedeutet das genau, wenn du jemandem im Herzen trägst? Hast du liebevolle Gedanken und Gefühle für ihn? Wirst du für ihn da sein, wenn er es braucht / wünscht? Willst du (viel? Alles?) dafür tun, dass er glücklich ist?
    Ja, ich kenne das auch. Aber wie ist das anwendbar und was bedeutet es für eine Partnerschaft? Ich habe eine Exfrau oder Exfreundin in meinem Herzen. Bin ich dann für sie da, wenn sie mich braucht? Und was bedeutet das für meine Freundin? Letztlich bleibt das eine abstrakte Idee.
    Genau, bedeutet hat. Es ist aber vorbei, er bedeutet es dir nun nicht mehr. Deswegen kannst du diese Vergangenheit in deinem Gedächtnis behalten und sie ehren. Vielleicht meinst du das? Und das kannst du dann auch nur mit den schönen Dingen tun, nicht aber mit dem, was zur Trennung geführt hat. Was halt übrigens doch an Bedingungen geknüpft war.
    Willst du damit sagen, dass du einen Mann, den du zB vor 20 Jahren geliebt hast, auch heute noch liebst? Und was genau bedeutet das dann (s.o.)? Und was bedeutet das ggf. für den Mann, den du heute liebst?
    Damit täte ich mich aber als dein Partner sehr schwer!
    Also ist die Liebe dann doch nicht bedingungslos?
    Da widerspreche ich, das kann nicht zeitgleich existieren. Bzw. irgendwie schon, halt so, wie wenn du weißt, dass etwas im Keller ist. Es ist schon irgendwie da.... ;)
    Als dein Partner würde mich das aber sehr interessieren, warum du jetzt mit mir zusammen bist und nicht mit b...
    Warum hast du ihn dann verlassen?
    Nein, Treue ist doch definiert. Und wenn man sich von jemandem trennt, ist keine (mehr) da.
    Ich finde, du kannst dich sehr gut ausdrücken! Die Schwierigkeit bei desem Thema liegt möglicherweise darin, dass wir widersprüchlich sind. Ich fasse mal ganz schwarz-weiß zusammen, was du sagst:
    Ich liebe bedingungslos, dabei mache ich keinen Unterschied zwischen a und b. Und wenn ich mal jemanden liebe, dann höre ich damit nie auf.
    Das klingt natürlich erst mal prima, ist aber in einem Konzept der (seriellen) Monogamie nicht umsetzbar. Denn du liebst einen Mann, bis ihr euch trennt, und dann liebst du irgendwann denn nächsten, am besten noch mehr als den zuvor, denn es gab ja Gründe, warum ihr euch getrennt habt.
    Die bedingungslose Liebe ist ein sehr hohes Ideal, das wir vielleicht anstreben sollten, aber niemals erreichen werden. Wir haben nämlich Angst. Angst, verlassen zu werden. Angst, nicht gut behandelt zu werden. Angst, zu kurz zu kommen. Kurzum: Angst, nicht (genug) geliebt zu werden.
    Und ich glaube, dass die Verwirrung weniger wird, wenn wir lernen, Angst von Liebe zu unterscheiden. Dazu müssen wir aber akzeptieren, dass wir Angst haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27.01.2018
    27.01.2018 #196
  2. auf Suche
    Beiträge:
    656
    Likes:
    680
    Da sind jetzt noch sehr viele richtig gute Ideen dazu gekommen. Ich versuch mal, ob ich auch noch ein paar beisteuern kann.

    Ich denke, dass der Mensch zu bedingungsloser Liebe fähig ist. Hier kommt meine Begründung:
    Eine Mutter, die ihr Kind verliert, ehrt nicht nur die Erinnerung an das verlorene Kind, sondern liebt dieses Kind u.U. bis zu ihrem Tod. Und genauso wie ihre anderen Kinder, die ihr länger geblieben sind.
    Kleine Kinder lieben auch ihre Eltern, egal ob diese Eltern berühmt sind, arbeitslos sind, drogenabhängig, kriminell, sportlich, gebildet, religiös, etc. Ein Kind liebt seine Eltern erstmal einfach so.

    Nein, ich liebe nicht alle Menschen gleich, so wie Jesus das getan hat. Und damit eine liebevolle Verbindung zu einem Menschen entsteht, muss man ihn erstmal kennenlernen, es braucht Blickkontakt, Kommunikation, Berührung (emotional und körperlich), ... Vielleicht meinen das manche mit Bedingungen? Dass es Voraussetzungen braucht, damit eine Liebe wachsen kann. Ja, solche Bedingungen braucht es.

    Aber ich sehe viele Bedingungen, die oft in Zusammenhang mit Liebe gebracht werden, obwohl da gar kein Zusammenhang bestehen muss. Z.B. kann es sein, dass eine Frau ihrem Mann ihre Liebe zeigt, indem sie ihm regelmäßig Blumen mitbringt. Dann könnte man meinen: "Wenn der andere mich liebt, bringt er / sie mir Blumen mit." Nein. Ein anderer zeigt seine / ihre Liebe vielleicht völlig anders. Liebe ist nicht an die Bedingung geknüpft, regelmäßig Blumen mitzubringen (oder regelmäßig den Müll runterzubringen :D). Es gibt viele Ausdrucksformen, wie ein Mensch einem anderen zeigen kann, dass er diesen gern hat.
    Andere solcher Bedingungen sind: "Wenn er wirklich Interesse hat, dann meldet er sich von sich aus bei mir." Nein. Einer kann echtes Interesse haben und trotzdem auf eine weitere Zufallsbegegnung warten oder auf ein Zeichen von ihr warten.
    Die meisten "Wenn.... dann..." Aussagen im Zusammenhang mit Liebe, die ich höre, finde ich falsch. Und das sind Bedingungen, an die viele die echte Liebe knüpfen, obwohl die nicht unbedingt miteinander verknüpft sein müssen. Insofern ist Liebe bedingungslos.

    Aber auch wieder nicht. Denn wenn mich jemand nie anschaut, nie mit mir spricht, keinen körperlichen Kontakt zulässt und jegliche soziale Interaktion verhindert - ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich in den dann verliebe.

    Puh, also ist Liebe bedingungslos, aber auch nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27.01.2018
    27.01.2018 #197
  3. Ariadne_CH
    Beiträge:
    1.577
    Likes:
    2.541
    Die Liebe zu seinem Kind ist vermutlich die Liebe, die der bedingungslosen am nächsten kommt. Aber ich denke, auch da ist sie nicht komplett bedingungslos. Zu deinem Beispiel vermute ich, dass das so sein kann (ich habe damit aber keine Erfahrung). Ich denke nur, wenn man einen toten Menschen liebt, dann ist es zwar bedingungslos, aber auch nur deshalb, weil es ja gar nicht mehr möglich ist von einem Toten enttäuscht zu werden oder Erwartungen an ihn zu stellen.
    Ähnlich verhält es sich vielleicht, wenn ein langjähriger Partner verstirbt. Da wird man ihn auch weiterhin im Herzen behalten und vermutlich auch noch viele Fotos aufgehängt haben. Was dann vermutlich nicht mal einen neuen Partner stören würde (weiss ich nicht?). Es ist aber nicht komplett vergleichbar mit einer zerbrochenen Beziehung, denke ich.
     
    27.01.2018 #198
    WolkeVier gefällt das.
  4. auf Suche
    Beiträge:
    656
    Likes:
    680
    Ach, so oft wie ich meine Eltern enttäuscht habe (ich habe sie richtig bitter enttäuscht) und meine Eltern mich enttäuscht haben (z.B. als sie sich getrennt haben), dürften wir uns jetzt auch nur noch weniger lieben. Liebe hält Enttäuschungen aus und überwindet sie.
     
    27.01.2018 #199
    fleurdelis* gefällt das.
  5. WolkeVier
    Beiträge:
    9.548
    Likes:
    11.447
    @auf Suche Ja, stimmt, Liebe ist bedingungslos. Und wenn jemand nur lieben würde, dann gäbe es keine Bedingungen und nichts, was die Liebe gefährdet. Für die meisten ist das wohl tatsächlich bei den eigenen Kindern noch am weitestgehenden möglich. Aber auch da gibt es Grenzen, z. B. wenn sich das Kind überhaupt nicht mehr so verhält, wie es von ihm erwartet wird. Oder wenn es sich gegen einen wendet.
    Warum "zeigt" man Liebe? Geht es dann ums Beweisen? Hat das nicht auch wieder mit Angst zu tun?
    Ich schenke meiner Freundin eine Blume, weil ich ihr eine Freude machen will.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27.01.2018
    27.01.2018 #200
  6. WolkeVier
    Beiträge:
    9.548
    Likes:
    11.447
    Da finde ich es eine spannende Frage, warum deine Eltern von dir enttäuscht waren. Welche Erwartungen hatten sie an dich, und was hatte das mit Liebe zu tun? Rhetorische Fragen...
     
    27.01.2018 #201
  7. auf Suche
    Beiträge:
    656
    Likes:
    680
    Ist es nicht ein Bedürfnis, sich auszudrücken? Man zeigt ja auch einem Menschen, wenn man ihn bewundert (z.B. Applaus nach einem tollen Auftritt). Man zeigt Menschen (direkt oder indirekt), wenn man sie ablehnt. Sich zu zeigen und sich auszudrücken hat für mich nicht zwingend was mit sich beweisen zu tun, sondern mit Kommunikation. Kennst du Reggio? "100 Sprachen hat das Kind."
    Ein Mensch drückt sich nicht nur über Worte aus, sondern durch Bewegung, Musik, Kunst, Handlungen, ....
    Es gibt ja auch den Satz (weiß grad nicht von wem): "Man kann nicht 'nicht kommunizieren'." Menschen kommunizieren, also drücken sich aus. Sie drücken auch ihre Liebe aus. Aber nicht alle gleich.

    Mit deiner Freundin und der Blume: Warum denkst du denn, dass du ihr eine Freude machen willst? Machst du Menschen, die du lieb hast, gerne eine Freude? Dann kann dieses 'eine Freude machen' auch Ausdruck des lieb habens sein. Aber wie gesagt: muss nicht. Lieb haben und Blume schenken muss nix miteinander zu tun haben. Kann, aber muss nicht. :)
     
    27.01.2018 #202
    WolkeVier gefällt das.
  8. auf Suche
    Beiträge:
    656
    Likes:
    680
    Rhetorisch und außerdem fühl ich mich dadurch irgendwie von dir so in die Ecke gedrängt. Das mag ich nicht.

    Aber die enttäuschten Erwartungen haben eben nichts mit Liebe zu tun, denn sie lieben mich und ich liebe sie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27.01.2018
    27.01.2018 #203
  9. Ob ich das tue, weiß ich ja.

    Logisch.

    Für mich selbst ist das klar. Vom anderen zu definieren? .... Kann ich nicht. Ratespiele sind nicht meins... und eine Definition wäre meine Definition ... und ich weiß nicht ob es klug ist, das daran zu bemessen ...

    Wäre auch ein Ratespiel ... und eine Definitionssache

    Wozu soll das gut sein, etwas als Liebe zu verkaufen? ... Ich wüsste nicht wie das gehen soll. Wenn jemand zu mir sagt: "ich liebe dich" ... dann gehe ich mal davon aus, dass es stimmt. Welchen Nutzen aber sollte jemand davon haben, mir das verkaufen zu wollen? ..... Das wäre doch viel zu anstrengend ....
     
    27.01.2018 #204
    auf Suche gefällt das.
  10. Synergie
    Beiträge:
    6.067
    Likes:
    6.608
    Extrembeispiel:
    Der, der dich beschatten lässt, dir Dinge verbietet, eifersüchtig ist, Druck macht, usw., sagt und argumentiert, dass er das tut, weil er dich liebt und dieses Verhalten Ausdruck seiner Liebe ist. Und deine mangelde Eifersucht und dein mangeldes Kontrollbedürfnis Ausdruck deiner mangelnden Liebe ist.

    Definitionssache halt....
     
    Zuletzt bearbeitet: 27.01.2018
    27.01.2018 #205
    WolkeVier gefällt das.
  11. Genau ... er liebt mich

    so, also:

    dann liebt er mich ... er verkauft sie mir nicht .... er hätte aus meinem Verständnis eine merkwürdige Art, sie zum Ausdruck zu bringen ....
     
    27.01.2018 #206
    auf Suche gefällt das.
  12. Genau so sehe ich das auch ... :)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27.01.2018
    27.01.2018 #207
    auf Suche gefällt das.
  13. auf Suche
    Beiträge:
    656
    Likes:
    680
    :)
     
    27.01.2018 #208
  14. Schneefrau
    Beiträge:
    205
    Likes:
    477
    @Julianna Danke :p

    @Ariadne_CH
    Ja, du hast recht, welchen Wert Liebe bei mir innehat, habe ich gar nicht geschrieben. Oder was Liebe als Wert wäre.
    Für mich ist Liebe allgegenwärtig. Solange ich lebe, liebe ich. Und sei es "nur" das Leben als solches. Ich kann mir mein Leben ohne Liebe nicht vorstellen. Sie ist der Motor hinter allem, was ich tu.
    Ich schätze, Liebe lässt sich in meinem Denken und Fühlen als Haltung festmachen.

    Ob ich jemanden liebe, sagt nichts darüber aus, ob ich ihn loslasse. Es sagt auch nichts darüber aus, welche Funktion er in meinem Leben übernimmt/übernommen hat.
    Ich kann deinen Gedanken folgen, Ariadne, aber ich glaube nicht, dass es nur eine begrenzte Kapazität/Raum gibt, jdn. oder etw. zu lieben. Nur, weil ich jemanden liebe, ist er nicht allgegenwärtig in meinen Gedanken präsent. Aber er ist zu einem Teil von mir geworden.
    Liebe ist ein sehr, sehr großes Wort. Ich habe mir nach deinem Text Gedanken gemacht darüber, welche Menschen (auf Dinge und anderes weite ich das nicht aus, da es den Rahmen sprengen würde) ich unter diese Definition fassen würde. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es genau 17 Menschen sind/waren, die ich bedingungslos liebe - mich ausgenommen. 17 Menschen in 27 Lebensjahren finde ich nicht viel.
    Es gab noch viele andere Menschen. Aber bei ihnen kam es nicht bis zur Liebe, aus welchen Gründen auch immer, starke Zuneigung, ja, Liebe nein.
    Das ist bei mir ein entscheidender Unterschied.
     
    27.01.2018 #209
  15. Schneefrau
    Beiträge:
    205
    Likes:
    477
    @WolkeVier
    Ja, genau deine Aussage meinte ich, danke :D
    Ich verstehe, wie du sie meinst und kann dem Gedanken folgen. Nur, dass er nicht zu meiner Interpretation von Liebe passt.
    Wie @babe durch ihre "Schlaftheorie" verdeutlicht hat, sehe ich es auch so, dass die Liebe entweder besteht oder nicht.
    Sie lässt sich nicht abwerten, ausblenden, kleiner oder größer machen durch irgendwelche Bedingungen, Verhaltensweisen, ...
    Wenn ich Liebe empfinde, so ist diese tatsächlich bedingungslos als solche. Nicht, weil ich Jesus bin, sondern, weil ich Liebe anders definiere als die meisten anderen Menschen - wobei dies auch nur meine Erfahrung ist im Austausch, dass meine Herangehensweise bisher soweit ich weiß nur von einer weiteren Person geteilt wird.

    Um diese (anscheinend eher unübliche) Definition von Liebe besser zu erklären, zerlege ich sie mal ein wenig.
    Liebe entwickelt sich. Sie ist nicht von Anfang da, sondern durchläuft einen Prozess. In diesem Prozess (also bevor die Liebe überhaupt existiert) werden Bedingungen verhandelt und geschaffen, auf denen sich die Entwicklung der Liebe vollziehen kann - oder auch nicht.
    Dabei kann vieles nicht passen, die Entwicklung der Liebe ist also kein bisschen bedingungslos. Deswegen habe ich bisher auch nur 17 Menschen geliebt, denn dafür muss sehr viel passen.
    Wenn dieser Prozess, der sich in jeder Beziehung ganz individuell gestaltet, vollständig durchlaufen ist, weil die Rahmenbedingungen dementsprechend passend waren, bin ich bei der Liebe angekommen. Und diese ist dann tatsächlich bedingungslos.

    So wird meine Liebe nicht weniger, nur weil ich Angst empfinde. Oder Verachtung oder Hass. Diese Empfindungen haben freilich Einfluss auf mich und meine Entscheidungen. Meine Liebe berühren sie allerdings nicht.
    Wieso entscheide ich mich, mit Mann a mein Leben zu führen und mit Mann b nicht?
    1) Ich liebe beide Männer in erster Linie als der Mensch, der sie sind. Nicht als Partner, bester Freund, sondern als der Mensch mit Ecken und Kanten und Defiziten und Kompetenzen und Potentitalen und Bedürfnissen und Träumen und und und
    So sagt meine Liebe zu beiden Männern im ersten Schritt rein gar nichts darüber aus, welche Rolle sie gerade in meinem Leben einnehmen. Ob sie meine Traummänner, mit denen ich in den Sonnenuntergang reiten darstellen oder ich es nicht ertrage, in ihrer Nähe zu sein, weil ich gewisse Verhaltensweisen/Haltungen/... nicht auszuhalten vermag. Ob einer dieser beiden Fälle zutrifft - oder vielleicht sogar beide abwechselnd? - die Liebe besteht die ganze Zeit. Aber für sie als Menschen - nicht in einem Rollenbild zu verstehen. Nicht als Partner, als potentiteller Vater meiner Kinder, sondern einfach als das, was sie sind und ich kenne, denn einen Menschen kann man auch nicht bis zu einem gewissen Grad (er)kennen.
    Ohne dass die beiden etwas für sie (meine Liebe) oder mich tun müssen. Sie müssen sie sich nicht verdienen. Das war der Fall bevor die Liebe eintrat, da mussten sie gewisse Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt auf dieses Level zu kommen, jetzt, wo sie dort sind, können sie tun und lassen, was sie möchen - ich liebe sie.
    2) Inwieweit passen meine und seine Vorstellungen, Bedürfnisse, etc. zu einem gemeinsamen Lebensvollzug? Liebe alleine reicht eben nicht aus, um glücklich zu werden. Aber je nachdem, wie gut es von den anderen Bedingungen her passt, entscheide ich mich für Kandidaten a oder b. Diese Verhandlungen haben allerdings nichts mit der Liebe zu den Männern zu tun. Ich bin grundsätzlich nur liiert, wenn ich den Mann liebe. Aber um die Liebe in einer Paarbeziehung leben zu können, ja, braucht es noch anderes. Und das kann sich sehr unterschiedlich ausdrücken - die Liebe beeinflusst es nicht.

    Das ist jetzt sehr, sehr vereinfacht dargelegt.
    Aber ich merke, dass ich mich schwer damit tu, es noch kleiner zu machen und weiß auch nicht, ob das wirklich zielführender ist.




    Zwei Beispiele zur Veranschaulichung:
    a) Ich habe ein Kind quasi von Geburt an bis zu seinem zehnten Lebensjahrt sehr intensiv begleitet. Ich übernahm zeitweise die Mutterrolle, sodass ich mich diesem Kind sehr stark verbunden fühle.
    Ich liebe es und es ist mir mit das wichtigste in meinem Leben.
    Da ich noch keine Kinder habe, kann ich mir nur vorstellen, dass es mir bei einem eigenen Kind ähnlich gehen würde.
    Ich weiß für mich, dass, egal, was dieser Mensch täte, ich ihn weiterliebte.
    Er kann nichts tun, damit ich ihn nicht liebe.
    Er kann mich durch Verhaltensweisen und Handlungen verletzen. So sehr, dass ich aus Eigenliebe zu mir, beschließe, mich zurückzuziehen und/oder abzugrenzen, aber an meiner Liebe zu ihm ändert es nichts.

    b) Ich war mit meinem Exfreund über zehn Jahre liiert. Meine Liebe zu ihm entwickelte sich, als ich noch ein halbes Kind war, denn mit 15 war ich definitiv zu jung für solch eine komplexe Paarbeziehung wie wir sie von da an führten. Dementsprechend waren meine Parameter bei der Liebesentwicklung selbst noch gar nicht ausgereift und hätten lieber noch nicht eingesetzt werden sollten.
    Egal, das war mir nicht bewusst. Also kam der Liebesprozess in Gang bis ich diesen jungen Mann liebte. Im Laufe der Zeit, so wie ich heranwuchs, bemerkte ich, dass ich viele der ausgehandelten Bedingungen für mich gar nicht passten - das hatte ich nicht vorhersehen oder erahnen können.
    An meiner Liebe zu diesem Mann änderte es nichts. Nur konnte ich uns nicht länger als Paar sehen.
    Also trennte ich mich.
    An meiner Liebe zu ihm ändert es nichts.
    Und meine Liebe zu ihm wird eine zukünftige Beziehung nicht im Geringsten berühren, denn ich liebe den Menschen, nicht den Mann (als langjährigen Partner).

    Wie ich meine Liebe zu den einzelnen Personen konkret auslebe/gestalte, ist sehr unterschiedlich. Da kommen gewisse Parameter zum Einsatz, mit deren Hilfe ich die Gesamtsituation überblicke und analysiere hinsichtlich gewisser von mir festgelegter Gesichtspunkte.
    Würde nur die Liebe für einen geliebten Menschen in mir sein, so würde ich tatsächlich alles für den geliebten Menschen tun. Bis hin zum eigenen Tod, richtig. Nun liebe ich aber beispielsweise auch mich selbst. Also muss ich abwägen, ob ich es vorziehe, für einen Geliebten zu sterben oder aus meiner Liebe zu mir selbst heraus zu leben.
    Da ich die Liebe zu mir/ihm nicht miteinander vergleichen kann, treffe ich meine Entscheidung mit Hilfe anderer Richtwerte, sodass ich die Liebe zu mir selbst und die Liebe zu anderen Menschen unterschiedlich ins Verhältnis setzen muss, je nachdem, wie die anderen Parameter ausfallen.
    Nicht, weil eine Liebe größer oder stärker ist als eine andere, nein, die Liebe lässt sich nicht berechnen und vergleichen. Aber die anderen Richtwerte lassen mich eine Entscheidung treffen.
    So entscheide ich in jedem Fall individuell und werde ggf. meinem Impuls (rein aus Liebe zu handeln) nicht folgen.
    Meine Liebe zu einem Menschen lässt sich nicht zwingend an meinem Verhalten und meinen Entscheidungen ablesen.
    Sie lässt sich durch diese jedoch auch nicht verringern oder vergrößern, auch wenn es so wirken kann.


    Wieso können deiner Meinung nach Liebe und Hass nicht gleichzeitig bestehen?
    Ich habe es schon so erlebt.
    Natürlich kann man jetzt mit Loyalitätskonflikten, Abhängigkeitsverhältnissen, etc. argumentieren, wäre legitim.
    Ändert aber doch nichts daran, dass diese Haltungen gleichzeitig stattfinden können. Ich kann dich lieben, aber dein Verhalten zutiefst verabscheuen. Liebe oder hasse ich dich da?
    Ich liebe das Wesen des Menschen. Das bedeutet aber nicht, dass seine Handlungen, seine Einstellungen, etc. auch geliebt werden müssen.
    Gibt in dieser Hinsicht für mich, wie fast überall im Leben, zu viele Farben. Ich hab nichts gegen schwarz oder weiß...aber für mich passt es nicht zu meinem Welt- und Menschenbild. Dafür sind wir Menschen und unser psychischer Apparat zu komplex.

    @fleurdelis* @auf Suche @Synergie
    Haben das ganz gut dargelegt.
    Meine Erfahrung ist es auch, dass je nach Sozialisation Liebe sehr unterschiedlich definiert wird. Wir sehen es ja schon an diesem Thread. Ich finde den Austausch spannend, weil man unter Anderem auch gut sieht, wie das Wort "Liebe" im Alltag viel gebraucht wird - und doch sehr unterschiedlich definiert werden kann.
    Das ist auch in meinen Beziehungen der Fall gewesen.
    Was "Ich liebe dich" für mich beinhält, hat nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, was der Empfänger oder Sender damit in Verbindung bringt.
    Deswegen rede ich mit den Menschen, die auf diese oben ausführlich beschriebene Weise liebe, möglichst offen darüber, was meine Liebe zu ihnen denn tatsächlich bedeutet.
    Bisher war eine Person darunter, die Liebe ähnlich definierte. Bei den anderen sprachen wir zwar beide von "Liebe", meinten jedoch teilweise sehr Verschiedenes damit.
     
    27.01.2018 #210
    WolkeVier gefällt das.