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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. myway
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    Auf der Suche und trotzdem glücklich?

    Geht es euch auch oft so, dass ihr eure Single-Phase lieber heute als morgen beenden wollt…und euch fragt: Warum bin ich noch immer alleine? Ich habe die Frage für mich umformuliert: Was sagt mir das über mich, dass der richtige Partner noch nicht in mein Leben kommt? Gibt es eine Sinnhaftigkeit in der Phase oder ist sie nur lästige Überbrückung zwischen 2 Beziehungen? Kann ich diese Lebensphase denn auch als Chance sehen und aktiv nützen? Stehen für mich persönliche Entwicklungsschritte an, die ich noch nicht so erkenne…und die gerade notwendig sind um überhaupt eine beglückende Partnerschaft erleben zu können?

    Am liebsten würde ich diese Phase ja überspringen, nach dem Motto: andere brauchen das vielleicht-aber doch nicht ich, ich lebe sowieso sehr bewusst. Tja, so einfach geht`s leider nicht. In diesem Fall bin ich doch wie alle anderen :
    ich brauche immer wieder „schwierige“ Lebenssituationen, die mich zwingen ganz genau hinzusehen und mich mit mir, meinen Bedürfnissen, Träumen und Sehnsüchten auseinanderzusetzen. Das ist manchmal ziemlich schmerzlich und bedeutet Arbeit, denn es ist gar nicht so leicht eine wirklich liebevolle Beziehung zu pflegen mit der wichtigsten Person in meinem Leben, nämlich mit mir selbst!
    Aber ich habe schon ein paar mal die Erfahrung gemacht, dass sich das mehr als lohnt !!!

    Als ich für mich persönlich einen Rückblick über mein letztes Jahr als Single gemacht habe, war ich richtig überrascht, welch unglaublich schöne und bereichernde Erfahrungen dabei waren, abseits von wehmütiger Sehnsucht, abgrundtiefer Trauer, aufkommender Verzweiflung und dem Frust, wenn wieder mal nichts geworden war aus einer verheißungsvollen Begegnung
    … und wie oft ich doch über meinen Schatten gesprungen bin und Dinge mutig gewagt habe, die ich mir früher nie zugetraut hätte!

    Wie betrachtet ihr eure Lebensphase als Single, welchen Wert hat sie für euch?

    Vielleicht interessieren euch einige meiner konkreten Erfahrungen oder geben zumindest Anregungen, wo man außerhalb des Internets auch jemanden kennenlernen kann :) :

    Kurz zu meinem Hintergrund:
    Seit mehr als einem Jahr bin ich (Mitte 40) nun schon Single, nach einer 17 Jahre dauernden Ehe (mit 3 Kindern), in der ich über weite Strecken emotionale, körperliche und seelische Nähe schmerzlich vermisste, und einer darauffolgenden intensiven 8 – monatigen Beziehung, in der ich genau diese Nähe erlebte. Ich glaubte die Liebe meines Lebens gefunden zu haben. Wir befanden uns beide in Extrem-Situationen, als wir uns kennenlernten: ich, in der Trennungsphase von meinem Mann, der mir das Leben oft genug schwer machte und in Vorbereitung auf die Scheidung. Noch dazu entdeckte ich gerade zu dieser Zeit einen Tumor in meiner Brust, der operativ entfernt werden musste und leider bösartig war, so dass ich Bestrahlungen verordnet bekam mit anschließender antihormoneller Therapie. Er, in einer beruflichen Umbruch- und Neuorientierungsphase, in der er den Mut fand, seinen jahrelangen ungeliebten Job zu kündigen und sich in die Ungewissheit der Arbeitslosigkeit zu begeben.
    In dieser für uns so bewegten Zeit schenkten wir uns gegenseitig Nähe und Geborgenheit, Kraft und Mut. Wir brauchten einander für unser beider emotionales Gleichgewicht. Genau diese unsere Bedürftigkeit wurde dann das Problem und der Grund, warum er sich schließlich von mir – trotz tief gefühlter Verbundenheit und unter Tränen - trennte. Die Trennung anzunehmen war für mich ein langer schmerzlicher Prozess. Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich das Gefühl hatte, ihn wirklich endgültig auch aus meinem Herzen ziehen lassen zu können und ohne Wehmut, aber in großer Dankbarkeit an die glückliche Zeit mit ihm in den bisher schwersten Stunden meines Lebens zurückzudenken. Außerdem weiß ich jetzt, welche Qualitäten mir in einer Beziehung wichtig sind.

    Also war ich plötzlich wirklich allein und gezwungen mich mit meinen Wünschen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Ziemlich schnell erfüllte ich mir einen Wunsch, den ich schon lange gehegt hatte:
    Ich suchte mir einen Chor, vereinbarte einen Termin zum Vorsingen und nahm zur Vorbereitung einige Gesangsstunden. Stundenlang habe ich zu Hause gesungen und das hat so gut getan! Im Herbst wurde ich dann im Chor aufgenommen und seitdem freue ich mich immer auf die wöchentliche Probe. Nachher gehen wir meist noch etwas trinken und so habe ich rasch einige sehr nette Leute kennengelernt. Es macht Spaß Konzerte zu singen…diese Erfahrung in der Gemeinschaft bereichert mein Leben ungemein.
    Außerdem kaufte ich mir Laufschuhe und fing an regelmäßig zu joggen. Die Bewegung in der Natur tut mir einfach gut.

    Ich lernte mir meine Wochenenden allein zu organisieren und das war nach der Trennung wohl die größte Herausforderung, weil ich ja die kinderfreien Wochenenden immer mit meinem Ex-Freund verbracht hatte. Ich aktivierte meinen Freundeskreis für gemeinsame Unternehmungen. „Zufällig“ liefen mir da auf einmal 2 Freundinnen von früher über den Weg, die mittlerweile nach vielen Ehejahren auch getrennt sind.

    Und ich fasste den Mut auch mal alleine auszugehen. An einem Samstag im Winter, als keine meiner Freundinnen Zeit hatte, suchte ich im Internet nach einer Möglichkeit tanzen zu gehen. Ich war schon ewig nicht mehr in einer Disco gewesen. Da entdeckte ich ein Wickie-Slime-and-Paiper Clubbing. Der Fotogalerie der homepage und natürlich der Musik konnte ich entnehmen, dass da auch Leute in meinem Alter hingehen. Meinen Sohn wollte ich ja nicht unbedingt dort treffen ;-). Ich wollte einfach tanzen. Es war wie ein Experiment für mich, ob ich mutig genug bin. Und der Abend wurde toll!! Ich lernte sogar 2 Männer kennen. Einer stellte sich zu mir an die Bar, zwar überhaupt nicht mein Typ Mann, aber total nett. Wir führten ein Gespräch weit über small talk hinaus (ich hätte nie gedacht, dass man in der Disco solche Gespräche führen kann) und er lud mich eine Woche später zu einem Abend mit einem Geschichtenerzähler ein, dessen Geschichten mich in meiner damaligen Situation sehr berührt haben. Der 2. Mann ging mit mir beim Tanzen ziemlich auf Tuchfühlung. Mit diesem Mann und in dieser Situation hat das für mich gut gepasst und ich konnte es genießen, aber die Nacht mit ihm verbringen wollte ich dann doch nicht.
    Seit damals gehe ich regelmäßig dorthin tanzen und habe schon einige meiner Freundinnen mitgenommen!

    Ich nahm allein an einem Tantrakurs teil, nachdem meine Schwester und mein Schwager mir begeistert davon berichtet hatten…und konnte - entgegen meinem Vorurteil- die Erfahrung machen, dass Tantra eine höchst achtsame Begegnung mit einem selbst oder einer anderen Person sein kann.
    Dort lernte ich auch einen Mann kennen. Es gab eine starke körperliche Anziehung zwischen uns, aber als ich ihn dann näher kennenlernte, hielt er Monologe über ganz wirre und krause Ideen, die ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte…und das passte dann leider gar nicht für mich.

    Ja, und mit den Männern aus dem Internet? Ich habe verschiedene Plattformen und Singlebörsen ausprobiert, das erste Mal in meinem Leben. Vor allem wollte ich mich ablenken in der ersten Zeit nach der Trennung. Ich genoss die Komplimente in den Zuschriften der Männer, aber es stresste mich auch oft und war mir zu viel, so dass ich mein Profil manchmal schnell wieder löschte.
    Bei Parship bin ich seit fast einem halben Jahr, habe aber bereits gekündigt, weil es mich anstrengt , viel lieber lese ich da die interessanten Beiträge im Forum.
    Sicher hatte ich den einen oder anderen intensiven Mail-Austausch mit Hoffnung auf den zündenden Funken, der sich bei den wenigen Dates (und einem One-night-stand) aber dann doch nicht entzündet hat, wobei die Gespräche durchwegs offen und nett waren. Ich habe dabei im Vorfeld immer schon sehr genau ausgewählt, wen ich wirklich treffen möchte.
    Aber ich betrachte das Internet sowieso nur als eine Möglichkeit von vielen jemanden kennenzulernen und habe deshalb die Suche darin nie wirklich exzessiv betrieben.

    Auf jeden Fall bin ich überzeugt davon, dass zur richtigen Zeit der richtige Mann meinen Weg (auf welchem Weg auch immer) kreuzen wird und jetzt kann ich mich eben schon bestmöglich darauf vorbereiten.
     
    13.08.2014 #1
  2. lisalustig
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    AW: Auf der Suche und trotzdem glücklich?

    Jeder muss wohl die Sinnhaftigkeit des Alleinseins bzw. der Phasen zwischen den Beziehungen für sich selbst beantworten. Der eine ist oder wird (mit der Zeit) auch glücklich allein - der andere wünscht sich nichts sehnlicher als eine neue Partnerschaft und ist verzweifelt und traurig, wenn es lange nicht klappen will. Hier im Forum stehen dazu genügend Threads. Ob alles einen tieferen Sinn hat - wer weiß das schon....

    Ich für mich empfinde die SB (und das Forum hier) auch als nette (z. T. teuere) Unterhaltung und Abwechselung. Manchmal zieht es einen etwas runter, dann ist es wieder mal interessant und lustig.

    Wenn sich bei den SB oder im RL partnerschaftlich was ergäbe, wäre es schön. Wenn nicht, dann nicht. Erzwingen lässt sich eh nichts. Ich denke auch, irgendwann wird mich mein Mr. Right erkennen...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14.08.2014
    14.08.2014 #2
  3. Doctor Bob
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    AW: Auf der Suche und trotzdem glücklich?

    Ich habe nicht mitgezählt wie oft das Wort "ich" in diesem Beitrag vorkam. Mir kommt es vor, sehr häufig.
    Bitte denke auch mal an andere Menschen und nicht immer nur an dich selber.
     
    14.08.2014 #3
  4. Mentalista
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    AW: Auf der Suche und trotzdem glücklich?

    Wow, was für ein schöner Beitrag, wo ich mich in vielen Beschreibungen wiederfinde. Gerade diese Erfahrungen mit der "Disco" habe ich ähnlich erlebt.

    Inzwischen bin ich noch zufriedener. "Kind" hat Ausbildung begonnen, fühlt sich wohl dort, wird jeden Tag ein Stück erwachsener, ich kann immer mehr loslassen, kann mich immer mir mehr zuwenden, bald habe ich Urlaub, gönne mir eine Wellness-Kur-Woche mit allem Drum und Dran. Es läuft alles ruhig, bescheiden, was will ich mehr? Ich hoffe, dass meine Zufriedenheit Männer anzieht, die ähnlich drauf sind und mir dazu noch vom Äußeren gefallen.
     
    14.08.2014 #4
  5. myway
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    AW: Auf der Suche und trotzdem glücklich?

    @ Doctor Bob:

    Ja, das Wort ICH kommt oft vor und ich stehe dazu.
    Ich kann nur mal von mir selbst sprechen und mich selbst verändern. Ich möchte keinem Mann die Last umhängen für mein alleiniges Glück zuständig sein zu müssen. Von meiner Seite möchte ich auch jemanden freiwillig lieben und nicht unter dem Druck stehen die einzige Erfüllung seines Lebens zu sein.

    Und vielleicht noch etwas dazu: ich besitze ein großes Maß an Hingabe, mit dem Nachteil, dass ich mich in Beziehungen oft so aufgeopfert habe bis ich nicht mehr gewusst habe, wer ich selbst bin, um das mal überspitzt auszudrücken.

    Ich habe meinem Ex-Mann den Rücken freigehalten, damit er uneingeschränkt seinem Beruf nachgehen konnte, und jahrelang um unsere Ehe gekämpft, daneben kümmerte ich mich um unsere 3 Kinder und war auch – abgesehen von meinen Karenzzeiten - immer berufstätig. In meinem Beruf arbeite ich übrigens auch mit Menschen. Meine Eltern brauchten in ihrem Alter auf einmal immer mehr Hilfe und ich fühlte mich für alles zuständig. Dabei hatte ich wenige Freiräume für mich, bzw. wie ich jetzt rückblickend sehen kann, habe ich mir sie nicht eingefordert. Ich war ständig am Organisieren und gestresst.

    Meine Krankheit hat mir dann ein sehr machtvolles Stopp gesetzt. Ich wusste, dass ich mein Leben ändern musste um nicht „vor die Hunde“ zu gehen. Dabei haben mich meine Familie und meine Freunde sehr unterstützt. Ich fühle mich bis heute getragen in diesem Netz von schönen Beziehungen und Freundschaften – sie sind für mich von unschätzbarem Wert. Ich habe auch immer viel investiert in diese und tue das bis heute…
    Aber mit dem Motto „alles mit Maß und Ziel“ und „Hinspüren was mir gut tut“….aber wie soll ich das wissen, wenn ich mich selbst nicht kenne?

    Ich habe es erst lernen müssen bzw. bin ich noch dabei, mich nicht für jedes Problem zuständig zu fühlen, sondern besonders meinen Kindern und meinen Eltern zuzutrauen selbst Lösungen zu finden.

    Zudem kann ich meinen Kindern eine bessere Mutter sein, nämlich eine, die entspannt ist, zuhören kann und die gemeinsame Unternehmungen ehrlich genießt.

    Und noch eine letzte Anmerkung: hat nicht auch ein Mann viel mehr von einer Frau, die mit sich selbst im Reinen ist und weiß, was sie will, die lachen kann, das Leben genießt und ihn liebt, weil sie es will und nicht weil sie es braucht???
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15.08.2014
    14.08.2014 #5
  6. Mentalista
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    AW: Auf der Suche und trotzdem glücklich?

    Heeee? Sie beschreibt ihren Weg und da kommt nun mal das Wort ICH häufiger vor. Ist doch normal. Sie beschreibt ja nicht den Weg von anderen Menschen.

    Oder neidest du etwa ihren Weg und "wirfst" ihr deshalb vor, zu viel an sich zu denken ,-)?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14.08.2014
    14.08.2014 #6