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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Ferwirrt
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    Befreiung

    Hallo!

    Ich habe in den letzten 18 Monaten etliche Frauen getroffen. Teils über Parship, teils über Apps, die offensichtlich nicht auf dieselben Absichten wie z.B. Tinder ausgerichtet sind, teils über Tinder selbst, teils Bekanntschaften, die ich mit nicht unerheblichem Maß an Überwindung meinerseits persönlich angesprochen und dann gedated habe. Ich habe irgendwann zu zählen aufgehört, aber es sind auf jeden Fall um die 25. Aus einigen wurde aus gegenseitigem oder auch einseitigem Empfinden meinerseits heraus nichts, ein paar Liebschaften waren dabei, One-Night-Stands und - man gewöhnt sich nie wirklich daran - massenhaft Zurückweisung. Auch die Misserfolge aus den Jahren (bald Jahrzehnten) davor habe ich nicht mitgezählt, nur überschlagen. Ich schätze so um die 60. Die Zahl scheint aus der Luft gegriffen oder übertrieben zu sein, gebe dabei allerdings zu bedenken, dass das pragmatisch betrachtet bei der Suche nach einer geeigneten Partnerin in ca. 17 Jahren Aktivität im Schnitt „nur“ 4 Ablehnungen pro Jahr sind. An viele dieser Misserfolge kann ich mich sehr genau erinnern, weil mir als Gefühlsmensch Zurückweisungen sehr lange nachhängen – je stärker die Anziehung, desto länger.

    Ich hatte vor mittlerweile 7 Jahren mit ca. 25 das erste und letzte Mal etwas, von dem ich geglaubt habe, dass es eine normale Beziehung wäre. Es dauerte 6 Monate, beendet habe ICH sie. Absicht meiner Partnerin war der Samenraub – sie hat die Verhütungsmittel heimlich abgesetzt.

    Danach hat sich jede Begegnung mit Frauen im besten Fall zu einem Techtelmechtel entwickelt, im schlimmsten Fall hat man mich auf charakterlose Art an der Nase herumgeführt, um aus mir einen direkten Nutzen zu ziehen. In den seltensten Fällen wollte ich ein lockeres, kurzfristiges Verhältnis. Ich höre mir mittlerweile gerne an, welche Gründe diese Frauen angeben, warum ich nicht als Partner in Frage komme. Ich war bereits zu klein, zu dumm, zu dick, zu arm, zu konservativ, vor kurzem witziger weise auch zu WENIG konservativ, zu alternativ etc. Und noch ein paar Exoten, die ich jetzt nicht alle aufzählen muss. Manchmal sind da sogar neue Begründungen dabei und mitunter kaum an Absurdität zu überbieten.

    Ich habe absolut kein Interesse daran, Frauen absichtlich mies zu behandeln. Das funktioniert zwar, aber nur bei den Schwachen. Und Schwäche ist das diametrale Gegenteil von dem, was ich bei einem Menschen im Allgemeinen schätze. Für die Männer früherer Generationen hat es meist gereicht, einfach Geld zu verdienen. Es hat etwas gedauert, aber mittlerweile bin ich mir dessen im Klaren, dass es heute weit mehr benötigt als die Rolle des Ernährers zu erfüllen, um eine Frau lang bei sich zu haben – und das ist auch gut so. Darum habe ich mich darauf konzentriert, Fähigkeiten wie Einfühlsamkeit und Verständnis zu stärken. Ich halte mich einerseits für sehr liebevoll und zärtlich und andererseits verfüge ich über starke männliche Eigenschaften. Mit Autos und Abflüssen reparieren, nützliche Dinge zu bauen, Maurern, Fliesenlegen, Schweißen, Motorradfahren etc. bis hin zu meiner Barttracht und das rigide Einstehen für mich und meine Interessen verfüge ich über eine breite Palette oft sogar schwer klischeehaft männlicher Fähigkeiten. Ich führe seit Jahren einen eigenen Haushalt, ich kann kochen, ich habe mir das Nähen beigebracht, ich brauche keine Haushälterin. Humor ist mitunter eine komplizierte Sache. Meiner ist vermutlich etwas schräg. Was ich damit sagen will: Ich lache gerne und hätte gerne mehr Gründe dafür. Ich bin nach langem Ringen mit fast existenzzerstörenden Schicksalsschlägen an ihnen schlussendlich gewachsen und gesellig geworden. Ich habe meine Anführerpersönlichkeit freigelegt und gestärkt. Ich mag Tiere, ich kann reiten, ich arbeite gerne mit Pferden. Wahrscheinlich auch deshalb fragen Kinder, mit denen ich Zeit verbracht habe, noch lange danach nach mir.

    Wirtschaftliche Stabilität ist sicher ein weniger ausgeprägter Punkt. Aber das ist die logische Konsequenz, wenn man mit 32 beschließt, ein Studium zu beginnen, um das zu tun, was man statt seines Brotberufes wirklich tun möchte.

    Sexuell bin ich liberal und aufgeschlossen. Das heißt nicht, dass ich mit einem konservativerem Umgang mit Sexualität seitens meiner Partnerin nicht einverstanden wäre. Analog zum Ende des Ernährerkonzeptes wundert es mich immer wieder, wie viele ignorante Geschlechtsgenossen immer noch der Meinung zu sein scheinen, die Freude einer Frau hinge von der Anzahl und Härte der „Liegestütze“ ab, die Mann auf ihr schafft. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass auch hier Einfühlungsvermögen und das Ablegen von ungesundem Egoismus unabdingbar sind.

    An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich nicht dem Bestreben folge, ein „Frauenversteher“ zu werden – ein sehr negativ gefärbter Begriff. Ich denke nicht, dass sich Männlein und Weiblein im eigentlichen Sinne gegenseitig tatsächlich verstehen können. Das hat die Natur so nicht vorgesehen. Sie hat uns aber die Möglichkeit geschenkt, das Verhalten des jeweils anderen zu beobachten und darauf einzugehen, um mit einer Prise Empathie trotz der Andersartigkeit liebevoll und innig zusammen zu sein.

    Klarerweise möchte ich nicht stehenbleiben in meiner Persönlichkeitsentwicklung, aber ich sehe mich selbst als guten Charaktermenschen, der für das An-ihm-anlehnen gebaut wurde. Aber wie jedes fehlbare Individuum naturgemäß weit weg von Perfektion. Andauernde, willkürliche, psychische und physische Gewalt in der Kindheit hat leider eine notwendige Distanz zu anderen Menschen zur Folge, die sowohl emotional und als auch körperlich nur schwer und vor allem mit viel Zeitaufwand zu überwinden ist. Kurzfristig ist dieses Problem mit Alkohol und Drogen in den Griff zu bekommen. Langfristig gesehen ist der Schaden durch diesen „leichten“ Weg verheerend, weshalb ich davon mittlerweile absehe. Aber je mehr ich an mir selbst arbeite, desto klarer scheint ein Ablaufdatum für das Problem mit Nähe am Horizont aufzugehen….

    …wenn da nicht ein Haken wäre. Energie kann nur zwischen zwei Polen fließen. Jede weiche Eigenschaft entbehrt ohne Zwischenmenschlichkeit jedes Zwecks. Ich kann es mir einfach nicht erklären. Es gibt eine unüberwindbare, schwer fassbare und noch schwerer erklärbare Hürde zwischen mir und jedem Subjekt der Zuneigung. Es fühlt sich an, als würde immer wenn ich eine Verbindung zu einem Mädchen herstellen will, eine ihrer Freundinnen hinter mir stehen und ihr wortlos aber eindringlich gestikulierend von mir abraten. Es ist als hätte ich es wie eine Brandmarke, die ich selbst nicht sehe, auf der Stirn stehen: „Lauf! Lauf weg!“. Es ist als bäte ich Frauen mit Worten, lautlos zwischen den lauthaften: „Bitte missbrauche meinen Sanftmut. Bitte nimm den Vorschuss an Zuneigung und Vertrauen in deine lauteren Motive und tritt ihn mit Füßen, als wäre es meiner Natur entsprechend, mir das anzutun!“. „Vielleicht bist du es wert, gemocht zu werden. Aber ganz sicher bist du es nicht wert, geliebt zu werden.“, ist was ich durch den Äther suggeriere, über mich zu befinden. „Irrelevant, ob du an Determinismus oder einen lenkenden Gott glaubst oder nicht - Glück zu zweit ist dir verboten und alle Anstrengung, die du gegen diese Tatsache stemmst, verpufft ungehört und ungesehen ohne überhaupt nur einen Widerhall zu verursachen.“, ist das Gefühl, das in meinem Kopf, und der Gedanke, der in meinem Herz wohnt.

    Was ich als leidlich geeigneten aber bestmöglichen Ersatz für aufrichtige Zuneigung und Liebe gerne hätte, ist die Erlösung aus der Einsamkeit. Wenn ich diese Erlösung schon nicht durch Zweisamkeit erfahren darf, dann wenigstens durch das Ende der Hoffnung. Ich möchte innere Klarheit, dass vieles noch gut werden kann, aber dies nicht mehr. Es ist vorbei. Der Teil des menschlichen Seins, der sich durch Innigkeit und Intimität definiert, wird mir nicht mehr zuteil, müßig zu klären, ob es ein Recht ist, das ich verwirkt, oder ein Privileg ist, das ich nicht verdient habe, ist. Planlos bin ich jedoch was das Vorgehen zur Erreichung dieser letztendlichen Freiheit betrifft. Wie befreie ich mich von der Hoffnung?

    m, 32
     
    02.03.2019 #1
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  2. Mentalista
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    "Auch die Misserfolge aus den Jahren (bald Jahrzehnten)..."

    Wie alt bist du...? 32 Jahre? Misserfolge aus bald Jahrzehnten?:eek::eek::p:D

    Fakt ist leider, wer in seiner Kindheit schlimme Sachen seitens des Elternhauses bzw. dem Umfeldes erlebt hat, ist davon geprägt, was sich leider auch auf das Beziehungsleben zu anderen Menschen auswirkt:oops:.
     
    02.03.2019 #2
  3. Ulla
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    Exakt das lese ich auch, wenn ich deinen Post lese. Bei einem Mann wie dir würde ich schnell weglaufen, sehr, sehr schnell. Falls dich interessiert warum:
    Du beschreibst sehr exzessiv deine ganzen positiven Eigenschaften und was du alles tust, um an dir zu arbeiten. Mit solchen Menschen habe ich ausschließlich negative Erfahrungen gemacht, da Selbstbild und Fremdbild bei solchen Menschen oft weit auseinanderklaffen. Vor allem wenn gleichzeitig immer nur "ich, ich, ich" im Text vorkommt, so wie bei dir. In deinem Text kommt 56x "ich" vor. Fokussier dich doch mal auf etwas anderes ;-)
     
    02.03.2019 #3
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  4. Ursina60
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    Das mit den vielen "ich" finde ich nicht schlimm; es ist sein Thread, da möchte er erzählen, was er erlebt hat, wie sich seine Gedanken geändert haben in Bezug auf Frauen. Ich spüre, dass er versucht herauszufinden wie Frauen ticken (sie suchen keinen Ernährer mehr). Er scheint empathisch. Ob das in der Realität dann auch so ist, steht auf einem anderen Blatt.
     
    02.03.2019 #4
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  5. Lou Salome
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    "Das Ende der Hoffnung"
    Das kann ich verstehen, daran arbeite ich auch. Ich habe selber noch keinen Weg gefunden, diese einfach im Keim zu ersticken und davon befreit durchs Leben gehen zu können. :(
     
    02.03.2019 #5
  6. Mentalista
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    Wenn er in der Kindheit so viel schlimmes erlebt hat, durfte er ein gesundes "Ich" nie ausreichend entwickeln. Er ist immer noch auf der Suche danach, anscheinend. Daher sein vieles erwähnen vom "Ich". Wen er es gefunden hat, wird sein Erwähnen immer weniger werden. Alles menschlich.
     
    02.03.2019 #6
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  7. tina*
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    Ja, das ist eine ziemliche Hypothek.
    Hmm, das ist seeehr kurzfristig.
    Das ist schon mal eine gute Entscheidung.
    Was machst du denn da? Alleine wird es dir nicht vermutlich nicht gelingen, da verrennst du dich eher in absonderliche Gedankenkonstrukte. Machst du eine Therapie, idealerweise Gruppentherapie oder Körperpsychotherapie? Da gibt es durchaus gute Angebote.
    Wenn du es nicht anders kennst, ist das nicht verwunderlich.
    Das sind starke einschränkende Glaubenssätze; und ja, die teilst du unbewusst mit.
    Weder noch. Verwirken und Verdienen sind da genau so wenig hilfreich wie Schuldzuweisungen. Was es braucht, ist eine Entscheidung, dir Hilfe zu suchen und die Themen konstruktiv anzugehen.
    Die "Rettung" bei einer potentiellen Partnerin zu suchen halst ihr m.E. eine zu große Verantwortung auf.
     
    02.03.2019 #7
  8. Heulsuse
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    Hallo, ich bin seit 6 Wochen hier bei Parship, lese seit einigen Tagen hier im Forum und möchte nun auch meinen Senf dazugeben.
    Lieber Ferrwirt, ich fand es sehr anstrengend Deinen Beitrag zu lesen, ich konnte kaum erkennen, worum es Dir geht. Wenn wir beide ein Date hätten und Du so reden würdest wie Du geschrieben hast, würde ich mich schnell verabschieden. Vielleicht tue ich Dir auch unrecht und Du bist in Wahrheit sehr sympathisch.
    Du denkst nur für meinen Geschmack zu umständlich.
     
    02.03.2019 #8
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  9. Luzi99
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    Lieber @Ferwirrt ich finde Deine Worte sehr berührend. Für mich liesr sich das überhaupt nicht egozentrisch, sondern sehr selbstkritisch.
    Ich würde @tina* zustimmen. Du bist noch sehr jung, und ich glaube, dass Du gute Chancen hast (so offen wie du hier über alles schreibst), mit entsprechender Hilfe einen Weg zu finden, echte Nähe mit einer passenden Frau zu erleben. Kann vielleicht etwas dauern.
    Mir scheint es nach Deiner Beschreibung eher nicht an Deiner Attraktivität zu liegen, sondern an Deiner Auswahl der Frauen. Der Frage warum Du so wählst, und warum Du so schlecht über Dich denkst und Dich nicht für liebenswert hälts kann man nachgehen und etwas verändern.
    Ich würde die Hoffnung noch nicht aufgeben. Auch wenn Du gerade in einer Sackgasse zu stecken scheinst.

    Dir Viel Glück!
     
    02.03.2019 #9
  10. Rosen-Fee
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    Ciao Ferrwirt, werde lockerer aber gib niemals die Hoffnung auf!
    Denn, Hoffnung ist die Nahrung des Lebens für alles und in allen Situationen.
    Nicht umsonst heisst es, die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Geh raus, schaff dir einen Freundeskreis und geniesse das Leben. Dann, irgendwann, wenn du gar nicht damit rechnest, wird es passieren!
     
    02.03.2019 #10
  11. Mentalista
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    Doppel Like!!!!!
     
    02.03.2019 #11
  12. Partner
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    Ich finde es schön, dass du von dem einen Gedanken auf den nächsten kommst. Das zeugt von Humor.
     
    02.03.2019 #12
  13. Claudi
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    ...was daran liegen könnte, dass sie eben zuletzt stirbt. Also mit Dir. Dum spiro, spero...Solange ich atme, hoffe ich. Und das ist evolutionär gesehen wahrscheinlich gut so.
     
    02.03.2019 #13
    Look, Marlene, mone7 und einer weiteren Person gefällt das.
  14. SchöneHelena
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    schon als junges Mädel wurde mir eingebläut, UUUUUNBEDINGT die Pille zu nehmen. Praktisch noch bevor ich einen Jungen überhaupt nur geküsst hatte.
    Aber die jungen Männer beklagen sich gern, Frauen wären auf "Samenraub" aus. Jungs: KONDOME. Kennst du? UUUUUUNBEDINGT immer mit.
     
    02.03.2019 #14
    Anthara und mone7 gefällt das.
  15. onternov
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    Sagen wir mal ich habe mit 15 angefangen, mich für ernsthaft für Mädchen zu interessieren, so wie die meisten Jugendlichen. Heute bin ich knapp 33. 33 – 15 = 18. 8 ist näher an 10 als an 0, als FAST 10. Das wäre dann ein Jahrzehnt. Erinnern wir uns auf die 1 vor der 8. Das bedeutet also 10 + 10 = 20. Wir teilen 20 durch 10, um die Anzahl der Jahrzehnte zu erhalten, also 2. Die deutsche Grammatik (so wie auch die der meisten anderen Sprachen) verlangen das Plural wenn x > 1. Und 2 IST größer als 1. Daraus folgt: Es sind JahrzehntE.
    Bitte keine „Schluck-Oh-nein-Schreck-Emoji“- und "Ich-wiederhole-einfach-nochmal-das-Problem,-das-du-schilderst-und-baue-irgendwo-das-Wort-‚Fakt‘-ein"-Beiträge.
    Hätte ich gesagt, ich hätte keine dieser Fähigkeit oder keine besonderen Eigenschaften überhaupt, hätten sehr viele genau das gleiche wie du geschrieben, nur von der anderen Seite betrachtet und hätten mir geraten, mir zuerst ein Bewusstsein über meine Stärken und Schwächen zu schaffen. Ich KENNE mich und meine Schwächen und bin mir auch meiner Stärken bewusst. Um andere lieben zu können, muss ich mich selbst lieben. Um mich selbst lieben zu können, muss ich mich erst KENNEN.
    „Mach was anders.“ sagt kaum mehr aus als gar nichts. Das kann ich zu jedem Problem sagen, ohne wirklich was gesagt zu haben. Was meinst du mit „etwas anderes“?
    Wenn ICH MICH darauf fokussiere, Einfühlsamkeit und Verständnis zu stärken, für wen mache ICH das dann eigentlich? Für MICH oder vielleicht doch für die Beziehung zu jemand ANDEREM?
    Wie hoch ist der Wechselkurs für eine Handvoll Geduld und eine Prise Verständnis?
    Ja, Einzeltherapie, Selbsthilfegruppen, ich probiere grade ein paar Körpertherapieformen. Ich glaube aber auch, dass ich mit Achtsamkeitsübungen sehr viel voranbringe. Ich glaube einen Teil der Lösung muss man auch alleine, als mit sich selbst, bewältigen. Der profane, leidige Pferdefuß an der Sache ist wie so oft der Kostenfaktor.
    Ich verstehe was du meinst und gebe dir recht. Das würde ich auch keiner Frau, die mich anzieht, zumuten. Ich hab zu den Zeiten, als es mir am schlechtesten gegangen ist, auch von mir aus Kontakte abgebrochen, um diese Frauen nicht zu überrollen oder zu riskieren, dass sie aus Mitleid an meiner "Rettung" ausbrennen. Bittere Ironie.
    Aber es ist keine Rettung, die ich brauche. Viel einfacher. Nur etwas Zeit und Verständnis, eine kleine Initialkraft. Ich würde es - etwas unromantisch - als "Proof-of-concept" sehen. Nehmen wir an, ich habe gelernt, mich selbst zu mögen, dann müssten ja auch andere dazu bereit sein. Sind sie es nicht, muss ich meinen Erfolg bei der Selbstliebe zumindest in Frage stellen.
    Hierbei sollte man sich auch die Frage stellen, ob wirklich ALLE Menschen, die in Beziehungen sind, sich auch tatsächlich selbst lieben (ungeachtet der Tiefe oder "Qualität" der Beziehung). Halte ich für äußerst unwahrscheinlich.
    ...und das würde ich auch verstehen. Natürlich kotze ich mich nicht gleich beim ersten Date aus. Im Gegenteil. Ich glaube, dass ich eher behutsam auf jemanden zugehe und etwas von mir preisgebe, eben weil mir ja klar ist, dass das zu früh lanciert abschreckend wirkt. Aber ich bin keine 16 mehr und die Frauen, die ich date auch nicht. Und Lebenserfahrung macht halt nochmal vorsichtiger. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so ein abweichendes Verhalten ist.
    Wie wichtig ist es, auf welche Art ich denke? Wichtig ist, was nach außen dringt, oder?
    Ich bin zwar momentan vielleicht ein bisschen außer Form, aber meinem Eindruck nach, ist es nicht das Äußere, an dem es scheitert.
    Ich verstehe deinen Ansatz. Die Wahl der Frauen habe ich immer so vielfältig als möglich gestaltet. Mich hat kaum ein sozialer Status, Bildungsniveau, Denk-/Lebensweise, Alter oder übertriebener Fokus auf Äußerlichkeiten interessiert und bin deshalb sehr verschiedenartigen Frauen begegnet, weil ich fast nichts kategorisch ablehne und neue Reize und Anschauungen als wichtig und sehr angenehm empfinde. Kritiker würden jetzt vielleicht sagen, das höre sich an, als wäre ich mir nicht im Klaren, was ich will. Ich sage, meine Vorurteilslosigkeit ist ein Vorteil. Wenn man nach starken Charakteren sucht, sind oben genannte Attribute kaum relevant. Und Danke bevor ich es vergesse!
    Ich habe nie gesagt, dass ich nicht rausgehe oder keinen Freundeskreis habe.

    Was mich allerdings an der Resonanz auf meinen Beitrag schon sehr stutzig macht, dass kaum eine von den Antworten etwas Wertschätzung für „Soft Skills“ enthält. Als würden die weichen Eigenschaften, die ich geschildert habe, von den (überwiegend) weiblichen Postern hier überhaupt nicht wahrgenommen oder für wichtig erachtet. Kein Kniefall, ein einfaches „Gut so. Bleib da dran.“ würde reichen. Ich habe als Idealvorstellung der Frauen von Männern so etwas wie den Harfe spielenden Holzfäller, den Sonette schreibenden Schweißer oder den schriftstellenden Schwergewichtsweltmeister vor Augen – jetzt natürlich etwas übertrieben dargestellt, ich mag einfach Alliterationen. Meine Ansprüche an mich selbst sind hoch und ich setzte alles daran, mich so einem Ideal bestmöglich anzunähern, um das volle Spektrum eines Menschen und seiner Emotionen auszufüllen. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob das überhaupt sinnvoll sein kann, wenn es sowieso nicht wirklich wertgeschätzt wird. Immerhin definiert ja nur die soziale Existenz die Sinnhaftigkeit von sozialen Fähigkeiten. Die Behauptung bitte als Frage betrachten – freue mich über Feedback.
     
    03.03.2019 #15