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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. nuit
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    Beziehungsfähigkeit(en)

    es war in letzter zeit hier so viel die rede vom traumpartner, mr. und mrs. perfect, the one and only und so weiter. ich bemerke meine skepsis, wenn die hoffnung auf ein gelingen einer beziehung so sehr an den eigenschaften des anderen festgemacht wird. meine persönliche, höchst unromantische theorie ist ja, dass es (für jeden) einen ganzen pool potentiell in frage kommender partner gäbe. was hieße, es ginge darum sich fix für eine beziehung zu entscheiden und diese in folge auch zu führen. welche "fähigkeiten" erachtet ihr als notwendig um eine dauerhafte liebesbeziehung führen zu können? in welche richtung wollt ihr eventuell eure beziehungsfähigkeit entwickeln?
    natürlich steht auch meine schrecklich nüchterne theorie zur diskussion. romantikerInnen, come on! :)
     
    06.04.2013 #1
  2. Heike
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Ja, die Wünsche beziehen sich immer eher aufs Gegenüber als einen selbst. Man selbst muß ja mit sich vorlieb nehmen. :)
    Bei Beziehungsfähigkeit ist man schnell auch bei Beziehungsunfähigkeit. Beides geht schnell von einem Idealfall von Beziehung aus, nicht von Mr. Right, aber dafür von Mrs. Right Beziehung. Ich würde demgegenüber auf die Bandbreite möglicher Formen auch partnerschaftlicher Beziehung hinweisen und darauf, daß es nicht so sehr auf die Beziehungsfähigkeit oder -unfähigkeit vom Gegenüber, aber auch nicht einfach von einem selbst ankommt, sondern stark auf die Relation beider. Wurde ja letzt auch schon mal angesprochen. Wer in einer Konstellation als eher beziehungsfähig gelten mag, kann in anderer Konstellation als durchaus gut beziehungsfähig gelten.
     
    06.04.2013 #2
  3. nuit
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    da geb ich dir natürlich recht. aber gibt es über die individuelle passung nicht doch auch so was wie grunddimensionen, die in allen beziehungsformen förderlich sind? wenn man verletzt oder wütend ist, es dennoch zustande zu bringen, die sichtweise des anderen einzunehmen und seine motive nachzuvollziehen; verzeihen zu können; eigene bedürfnisse äußern zu können; auch mal "nein" sagen zu können,....?
     
    06.04.2013 #3
  4. nuit
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    um nicht ganz theoretisch zu bleiben (was mit dir, heike, ja sehr verführerisch ist :)): bei mir selbst geht es um den punkt vertrauen. mein in punkten empfindliches seelchen herzuzeigen und darauf zu vertrauen, dass das gegenüber damit einfühlsam umgeht. da bin ich dran, meine angst diesbezüglich zu bewältigen, weil es letzendlich mir u n d der beziehung nicht bekommt.
     
    06.04.2013 #4
  5. faraway
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Nuit, ich möchte dir nur schnell sagen, dass mich dieses Thema sehr interessiert, bzw. beschäftigt. Hoffentlich kommt eine interessante Diskussion zustande.Bei mir ist noch to do time... aber das hindert mich nicht daran, nachzudenken, wie ich dazu vielleicht betragen kann.
     
    06.04.2013 #5
  6. suzanne
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Ich frage mich inzwischen (als Single): Will ich überhaupt eine Beziehung, bin ich dafür geeignet? Beim ersten Punkt (Wollen) bin ich mir unsicher, beim zweiten Punkt (Eignung) bin ich mir ABSOLUT UNSICHER!

    Bei mir war es so: Mehrjährige, bewusster Abstinenz. Irgendwann wieder denken, ich sei bereit: Kein interessanter Mann in Sicht. Dann taucht ein Mann auf, in den ich mich bodenlos verliebe und nach ca. einem Jahr stellt sich heraus: Er ist nicht beziehungsfähig!

    Tja, was, liegt/lag es an ihm oder an mir?

    Zu Deiner Frage: Für mich gibt es wohl nicht einen Pool von Männern, mit denen ich eine gute, dauerhafte, liebevolle und leidenschaftliche Beziehung führen könnte. Nach dem Motto: Liebe Dich selbst und es ist egal, wen Du heiratest! (Greife nur den Spruch auf, das Buch habe ich nie gelesen und werde das wohl auch nicht tun).

    Ich halte mich selbst für verkorkst und suche jemanden, der ähnlich verkorkst ist. Mein letzter Fehler war, anzunehmen, dass man (Mann) (endlich gefunden !!!) sich des eigenen Verkorkst-seins bewusst ist, es reflektieren kann und Wege sucht, aus den Mustern auszubrechen.

    Sehr grosser Fehler!
     
    06.04.2013 #6
  7. nuit
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    @faraway: auf die schnelle von unterwegs: deine beiträge würd ich sehr zu schätzen wissen. bin schon neugierig.
     
    06.04.2013 #7
  8. Howlith
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Sehe ich auch so.

    Und: Ich gehe sogar einen Schritt weiter und behaupte mal, dass wenn zwei Menschen in einigen wenigen ABER dafür grundlegenden Dingen übereinstimmen, eine dauerhaft stabile Beziehung möglich ist. Beide Partner sollten sich bewusst für diese Beziehung entscheiden und an dieser Beziehung auch "arbeiten", diese gemeinsam weiter entwickeln. (so interpretiere ich Dein "... und diese in folge auch zu führen".)

    Man muss sich eben von diesem ja-nein-Schema, diesem 100%-Partner verabschieden. Dann wird der "Pool möglicher Partner" automatisch größer ...

    Klingt sicherlich im ersten Moment sehr nüchtern, sehr rational, wenig romantisch. Aber wer sagt denn, dass die Romantik immer nur am Anfang einer Beziehung stehen kann?

    Ich vertraue eben nun einmal darauf, dass sich aus anfänglicher Vertrautheit langsam aber stetig Liebe entwickeln kann. - Wäre die Frage, welches diese "grundlegenden Dinge" sein können. (Ich erinnere gerne an "die 3 Säulen einer Beziehung": (1) ähnliche Lebensphilosophie, (2) Harmonie im Alltag und (3) körperliche Anziehung.)

    @ nuit: Könnte ne spannende Diskussion werden.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 06.04.2013
    06.04.2013 #8
  9. Schreiberin
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Nuit, ich könnte dich küssen für das Thema !

    Ich sehe das mit dem Pool genauso wie du, sehe da aber überhaupt keinen Gegensatz zur Romantik.
    Wenn man jemanden aus dem Pool "gefischt" hat (oder gefischt wurde), kann sich alles weitere durchaus sehr emotional und gefühlvoll entwickeln - es ist ja nun nicht so, dass man nur, weil man an den Pool glaubt, dem anderen vermittelt, er wäre jetzt zufällig aus einem Haufen erwählt...

    Das mit dem Vertrauen finde ich auch sehr wichtig, aber in einem größeren Zusammenhang von "möglichst offen und unbelastet starten". Ich lerne aus meinen Erfahrungen und sie prägen mich, aber sie sollten nicht zu einer negativen Brille werden, durch die ich den anderen betrachte und ihm Dinge zuschustere, die nicht die seinen sind.

    Grundlegende Fähigkeiten, die Beziehungen voranbringen, sind meiner Meinugn nach ein "einigermaßen realistisches Selbstbild" , Zugewandtheit, Gelassenheit und Toleranz.

    Habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man ZU gute Beziehungsfähigkeiten hat, man sich auch mal auf jemanden einlässt, der dann doch eher außerhalb des möglichen Pools rumpaddelte - erst läuft es dann ganz gut, auf die Dauer ist es aber nicht machbar...
     
    06.04.2013 #9
  10. agony_gelöscht
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Verträglichkeit ist auch ein gutes Konstrukt: Sich in andere hineinversetzen und anderen einfach wohlgesonnen zu sein. Das macht sogar jeglichen Umgang mit Menschen leichter - zumindest für die Mitmenschen.

    Du hast aber auch Eigenschaften, die den Beginn einer Partnerschaft positiv unterstützen, jedoch auf Dauer gar nicht mehr so stark positiv sind:
    - ein Hauch Extraversion macht das Kennenlernen leichter
    - Offenheit für Erfahrungen/ Sensation Seeking (und wie die sich alle schimpfen) sorgen dafür, dass du dich schneller auf nen neuen Partner einlässt - gilt dann aber auch noch während deiner Beziehung ;D

    Ansonsten verstehe ich nicht, was an der Theorie so schlimm sein soll. Es ist doch klar, dass wir net Milliarden von grundverschiedenen Menschlein haben - natürlich sind die alle ersetzbar. Du schnappst dir jemanden aus deinem Pool und dann passt man sich über Monate/ Jahre hinweg an/ entwickelt sich weiter. Und wie auch von den anderen schon angedeutet: Da hättest du dann auch wieder deinen Romantikaspekt. Am Ende hast du den einen Menschen, der bereits komplett auf dich geeicht ist - positiv wie auch negativ. Dadurch wirkt es wieder einzigartig.

    (1) Ähnliche Lebensphilosophie kann man eventuell sogar streichen - ich denke, dass man auch mit komplett unterschiedlichen Einstellungen eine richtig gute Beziehung führen kann. Lebensphilosophie ist leider gerade schwer greifbar, aber wenn man sich z.B. Religionen etc. schnappt, dann kann man schon starke Unterschiede erzeugen und dennoch passt es.
    (3) Körperliche Anziehung ist jetzt auch nichts, was ich mit aufführen würde. Das ist für mich ne Sache, die während der Beziehung noch wächst und gar nicht sooo unglaublich riesig am Anfang sein muss.
    Bei (2) Harmonie im Alltag würde ich mal die Verträglichkeit drunter verstehen.
     
    07.04.2013 #10
  11. nuit
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    mein idealfall von beziehung ist, dass sie länger dauert :). (natürlich kann eine andauernde beziehung auch auf anderen faktoren beruhen als auf sonderlicher beziehungsfähigkeit eines oder beider involvierter. das klammere ich mal aus.) am thema interessiert mich auch weniger die festschreibung eines status quo oder einer diagnose, ob ich oder er "beziehungs(un)fähig" ist. mehr die selbstreflexion im sinne, wo stehe ich mir selbst im weg, wenn es darum geht, sich für einen menschen zu entscheiden und mit ihm "andauernd zu tun" zu haben. und daraus abgeleitet mein (persönlicher) anspruch mich diesbezüglich weiterzuentwickeln. dein letzter satz stimmt natürlich, kann aber auch wieder in die richtung gehen, es bräuche nur den oder die richtige, damit "es passt". damit kann ich mir es auch zu leicht bzw. eigentlich zu schwer machen.
     
    07.04.2013 #11
  12. nuit
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    die übereinstimmung in grundlegenden dingen ist sicher wichtig. howlith, was braucht es deiner ansicht nach an fähigkeiten und bereitschaften um sich bewusst für eine/n entscheiden zu können (auch wenn es viele fische im ozean gibt und geben wird) und für die "arbeit"? und woran wird gearbeitet? manche bemühen sich ja redlich den anderen zu bearbeiten :).

    vielleicht müsste man sich dann von seiner beziehungsverhinderungsliste verabschieden und ins kalte wasser springen...


    das freut mich. (aber huch, wie du vielleicht ahnst, i`m not the touchy type :)).

    d´accord.
    ich meinte damit die idee, man könne nur eine/n, eben den/ die richtige lieben, der/ die große gefühle in mir auslöst. dem gegenüber: love is a verb, love is a doing word.

    das sehe ich ganz genau so. ich finde, die schwiergkeit ist dabei, sich selbst auf die schliche zu kommen, ob und welche brille man auf hat.

    braucht es da auch die zugewandtheit zu sich selbst?
     
    07.04.2013 #12
  13. nuit
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    gefällt mir. vor allem die wohlgesonnenheit. mit den letzten worten deutest du an, dass man eventuell auch zu verträglich sein könnte und selbst auf der strecke bleiben könnte. was bräuchte es deiner ansicht nach da?

    jo, so seh ich das auch.
    wirklich alle einig? frage: was unterscheidet "große" von "kleinen" lieben?
     
    07.04.2013 #13
  14. maxine195
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Gute Frage: Was unterscheidet große von kleinen Lieben? Vielleicht das Ausmaß an Leidenschaft, Hingabe, Anziehungskraft ? Aber ist die leidenschaftliche Liebe, die große Liebe?
    Während die "Kleine" mehr durch Freundschaft, Verlässlichkeit beschrieben werden kann?
     
    07.04.2013 #14
  15. Heike
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    AW: Beziehungsfähigkeit(en)

    Ich möchte eigentlich nur noch einen Schritt weitergehen in der Überlegung zur Flexibilität. Du problematisierst ja ein zu starres Suchbild für mögliche Kandidaten. Die Erweiterung wäre, ein zu starres Suchbild für mögliche Kandidaten für ein zu starres Beziehungsschema zu problematisieren.
    So die ganzen Anforderungen an einen selbst, die einem zuerst einfallen, wie daß man sich einigermaßen kennen und annehmen sollte (denn nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben oder deren Liebe annehmen usw.), selbstbewußt und wohlgesinnt sein sollte undsoweiterundsoweiter - stimmen die denn wirklich? Haben "selbstbewußte" Menschen eher Partnerschaften als weniger selbstbewußte? Hat, um Suzannes Bezeichnung aufzunehmen, ein "Verkorkster" weniger Chance oder gar Recht auf eine Beziehung?
    Gibt es nicht sehr unterschiedliche Arten von Beziehung, ruhige und stille, dynamische, on/off-Geschichten usw., auch in der eigenen Lebensgeschichte? - Das hängt eben stark von der Konstellation ab.
    Und wenn man die Vorstellung vom Mr. Right etwas problematisiert, dann scheint es mir eben nicht so fernliegend, auch die Vorstellung von Mrs. Right-Beziehung zu problematisieren.
    Ansonsten verschiebt man den Traum doch einfach nur vom Traumprinzen auf die Traumbeziehung. Nicht so wichtig, wer der Partner, hauptsache, es ist eine Beziehung, wie ich sie schon immer haben wollte. Da wird mir dann der andere Mensch zu beliebig und austauschbar. Und an der Beziehung "arbeiten" muß eben nicht heißen, das vorhandene Menschenmaterial, das des anderen und das eigene, auf eine bereits vorhandene Vorstellung hin zu trimmen, sondern ist eben schon auch ein offenes Projekt.
     
    07.04.2013 #15