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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Fraunette
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    Dem/Der Ex verzeihen .... wie?

    Mein Ex hat mich nach 31 Jahren Beziehung ein Jahr lang betrogen und ich habe ihn ganz klassisch mit ihr erwischt (nur via Telefon). Er hat sich daraufhin von mir getrennt und führt mit ihr eine Fernbeziehung.

    Nach einer sehr furchtbaren Zeit habe ich mein Leben wieder in den Griff bekommen, bin aktiver, fröhlicher und lebenslustiger als noch während unserer Beziehung. Ich habe viel über mich und unsere Beziehung gelernt, bin aus der Opferrolle raus, habe meinen Status als Single angenommen und genieße diese Freiheit, blicke nach vorne und bin teilweise sogar dankbar, denn ich habe seitdem so viel Schönes erlebt, so viele Menschen kennenlernen dürfen und meine Sicht auf viele Dinge hat sich total geändert.

    Das einzige, was mich noch (zu sehr) beschäftigt ist, dass ich immer noch Groll gegen meinen Ex spüre, wenn ich an seine Lügen und den Betrug denke (was nur noch selten vorkommt, mich aber trotzdem nervt). Ich weiß, dass ich ihm "verzeihen" muss. Nicht zu verwechseln mit Gutheißen. Ich habe mittlerweile verstanden, dass es ihm seinerzeit nicht möglich war, anders zu handeln. Ich weiß, dass er mittlerweile vieles bereut. Vom Kopf her weiß ich das alles, aber ich glaube, um wirklich ganz frei zu werden, muss ich ihm "irgendwie von Herzen verzeihen".

    Nun meine Frage an diejenigen, die ihrem/ihrer Ex so etwas verziehen haben: wie habt ihr das gemacht?
     
    30.09.2018 #1
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  2. Friederike84
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    Ich war mal bei einem Vortrag von Petra Bock zu ihrem damals neuen Buch ("Mindfuck love").
    Sie hat eine Übung mit dem Publikum durchgeführt: Man sollte sich seinen (Ex-)Partner von einer Wolke aus betrachtet nur mal einige Minuten beobachten, ohne Wertung, möglichst die erwachsene Perspektive einnehmend und im ersten Schritt nur schauen wie er ist und was er macht. Mir fehlen gerade bessere und treffende Worte, sie hat das hundertfach schöner erklärt.
    Jedenfalls wurde mir klar, als ich ihn vor meinem inneren Auge sah, wie völlig unabhängig er von mir und "für sich" er dabei ist, wie wenig er mich braucht und wie selbst-genügsam und friedlich, zufrieden er ist bzw. ohne mich sein kann.
    Auch wenn mich das unfassbar traurig gemacht hat, hat mir das Bild geholfen ihn in seiner Nicht-Liebe mir gegenüber zu betrachten und die Wut, Traurigkeit und den Frust bei mir zu lassen. Damit fing das Verzeihen an bei mir...

    Unsere Situationen sind zutiefst unterschiedlich.
    Vielleicht hilft wenigstens der Buchtipp ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30.09.2018
    30.09.2018 #2
  3. fleurdelis*
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    Eigentlich würde ich dir gerne antworten, aber du hast das ausgeschlossen ... :) weil: ich verzeihe nicht .... Wer mich bewusst anlügt, es nicht auf die Reihe bekommt, Sachverhalte mit jeglicher Konsequenz zu klären, nimmt dabei in Kauf, mir Schaden zuzufügen..... Und emotionale Schmerzen, Kummer, ist ein Schaden, der dem anderen in dem Moment egal ist, weil, wer lügt, weiß das. Groll empfinde ich hier als normal und gerechtfertigt, ich zwinge mich nicht dazu, ihm zu verzeihen. Für mich bedeutet, diesen Menschen aus meinem Leben zu entfernen, meine Lösung und meine Heilung, der Rest ist mir egal. Die Position zu „verzeihen“ habe ich meiner Meinung nach nicht inne.
     
    30.09.2018 #3
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  4. Sohna
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    Ich habe eine Trennung nach so vielen Jahren noch nicht durchgemacht, das ist sicher noch mal ein anderer Stiefel. Meine Erfahrung (und ich habe bisher immer verziehen): es braucht Zeit! Annehmen und Zeit geben! Du tust meiner Ansicht nach alles, was es braucht: Du sorgst für Dich, hast Freude am Leben und schaust auf ihn aus erwachsener Sicht. Schlimmer ist meiner Erfahrung nach, wenn die Wut keinen Platz bekommt, denn dann trennt sich das Herz nicht und man bleibt verhaftet in der alten Beziehung.
     
    30.09.2018 #4
  5. Friederike84
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    Ich finde das schließt sich nicht aus.
    Ich habe ihn aus meinem Leben entfernt, ich wurde oft und lange belogen, hingehalten etc.und will ihn nicht mehr sehen oder irgendwie Kontakt. Und trotzdem kann ich lernen zu vergeben und Verantwortung für die Situation übernehmen, versuchen die Lage im Kern als das betrachten, was sie war: Unglücklich. Sonst wäre all das nicht passiert.
     
    30.09.2018 #5
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  6. Fraunette
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    Leider kann ich ihn nicht komplett aus meinem Leben entfernen, wegen der Kinder (ja, meine Kinder sind schon "groß" und klären alles selbst mit ihm, ich bleibe da außen vor {das ist für mich auch völlig ok}). Es gibt immer wieder (selten) Berührungspunkte.
    Ich glaube, für mich ist es wichtig ihm zu "verzeihen" - ich möchte keinen Groll mehr spüren, egal wie selten es noch vorkommt. Diesen Teil möchte ich auch noch irgendwie loswerden. Ich finde aber irgendwie keine Antwort darauf, wie das funktionieren soll.
     
    30.09.2018 #6
  7. fleurdelis*
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    Aus psychologischer Sicht bringt "vergeben", oder "verzeihen" keinen Vorteil. Es fühlt sich, trotz dass @Fraunette geschrieben hat, in der Differenz zum "gutheißen" dennoch miteinander verbunden. Wichtig dabei ist es, Gefühle zuzulassen und Groll darf erlaubt sein. Verzeihen ist ein religiöses Konstrukt ... das einem Menschen im eigentlichen Sinne nicht möglich ist. Wenn man es mit: "loslassen" erklären würde, wäre ich einverstanden.
     
    30.09.2018 #7
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  8. Sohna
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    Ich glaube das ist keine Heilung...Es erstmal eine Lösung, ja! Um Zwingen geht es nicht, aber Wut in sich zu tragen fühlt sich nicht gut an, außer sie ist für irgendetwas nütze... z.B. um Abstand zu schaffen, um auf sich zu schauen, um erst mal eine emotionale Mauer zu ziehen. Wird die Wut zum Selbstzweck, beginnt sie zu zerstören...
     
    30.09.2018 #8
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  9. *Andrea*
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    Einen schönen Sonntag, @Fraunette!
    Ich habe zwar keine Erfahrung darin, von einem Partner betrogen worden zu sein, und bin sehr froh darüber.
    Dagegen habe ich Erfahrungen mit Wut und Groll allgemein, und ich denke, das was ich im Umgang damit gelernt habe, könnte auch für dich allenfalls hilfreich sein. Ich hoffe, es ist OK, wenn ich das hier berichte.

    Bei mir habe ich entdeckt, dass hinter Wut und Groll eigentlich immer Schmerz steckt. Ich reagiere mit Ärger oder Empörung, wenn ich vermeiden will, diesen Schmerz zu spüren, den Schmerz, der aus alten Übergriffen, nicht ernst genommen werden, nicht respektiert werden, missachtet, ausgelacht, lächerlich gemacht werden und Ähnlichem entstanden ist. Wenn ich so einen Groll bei mir feststelle, dann - so habe ich gemerkt - ist es hilfreich, wenn ich versuche, den Schmerz dahinter zuzulassen, ihm Raum zu geben, ohne Angst. Diesem Schmerz im Körper nachzuspüren. Wo fühlt er sich wie an? Manchmal wird dann der Schmerz noch stärker, z.B. wenn ich entdecke, dass darunter ein ganz heftiges Gefühl, z.B. von komplettem Alleingelassen werden, von nicht ich sein dürfen, oder von tiefer Ohnmacht steckt. Wenn es mir dann gelingt, diesen Schmerz nochmals ganz deutlich und ohne Angst zu spüren und ihm Raum und Ausdruck zu geben (z.B. so lange es braucht, darüber zu weinen), dann kann sich in mir drin etwas verändern. Ich habe das mehrfach so erlebt. Nachdem ich dem Schmerz ins Auge gesehen und ihn zugelassen habe, war der Groll, die Wut verändert, ganz weg oder zumindest weniger stark, sodass sie mich nicht mehr behindert oder eingeschränkt hat, sodass ich wieder konstruktiver mit den "Verursachern" umgehen konnte oder auch nicht mehr in ähnlichen Situationen getriggert wurde.

    Vielleicht hilft das auch dir?
    Es gelingt vielleicht nicht sofort. Manchmal braucht es eine Weile, sich langsam an den Schmerz und die Trauer heranzutasten, bis sie dann irgendwann ganz spürbar werden.

    Auf jeden Fall finde ich es mega schön von dir, dass du diesen Groll loswerden und deinem Ex verzeihen willst. Ich wünsche dir dabei (und natürlich auch sonst) alles Gute und viel Erfolg!
     
    30.09.2018 #9
  10. Sohna
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    ... ist das so? Woher stammt diese Theorie?
     
    30.09.2018 #10
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  11. Fraunette
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    Ich glaube, es ist egal wie lange man zusammen war. Die Wut, die Ohnmacht, der Hass hatten lange ihren Platz. Ich habe nicht gewusst, mit welcher Intensität man Wut und Hass (vor allem Hass) verspüren kann. Ich war erschrocken über meine eigenen Gefühle.

    @*Andrea* , das was du da beschrieben hast, kann ich sehr gut nachvollziehen, denn genau das habe ich schon "hinter mir". Ich musste lernen, den Schmerz zuzulassen, ihn zu betrachten und zu bewerten. Vor allem aber ihn zuzulassen, das viel mir anfangs extrem schwer, aber irgendwann war er da, hat mich regelrecht umgehauen, und jetzt habe ich ihn "verdaut" und ich weiß, dass Verdrängen total bescheuert ist. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30.09.2018
    30.09.2018 #11
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  12. LC85
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    Ich wurde zwar nicht betrogen, hatte aber sehr viele Gründe um mich von meinem Ex zu trennen. Mein Problem ist eher, dass ich viel zu schnell verzeihe, obwohl ich manchmal einigen Menschen gegenüber sehr nachtragend sein kann.
    Menschen können sich auch während einer Beziehung in jemand Anderes verlieben. Ich glaube nicht, dass irgendjemand so etwas direkt seinem Partner erzählt. Natürlich rechtfertigt es nicht das Fremdgehen und Lügen. Vielleicht hilft es dir daran zu denken, dass er wahrscheinlich einfach deine Gefühle nicht verletzen wollte und Angst vor deiner Reaktion hatte.
     
    30.09.2018 #12
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  13. Synergie
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    Ich vermute, dass es "einfach" noch etwas mehr Geduld bedarf und du da nichts wirklich aktiv machen musst.
    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass aktive Unternehmungen diesbezuglivh kontraproduktiv sein können. Viel sinnvoller erscheint mir in deinem beschriebenen Fall (da es eh nur noch ab und zu aufploppt und du schon viel Aufräumarbeit geleistet zu haben scheinst) zu sein, dem keine überbordende Aufmerksamkeit zu schenken. Es zu akzeptieren, wenn es passiert und es wieder gut sein zu lassen. Irgendwann, u.U. in einem Moment zu dem du es sonst gefühlt hättest und du dich wunderst, dass du es jetzt nicht tust, fragst du dich, wann es das letzze Mal vorkam und du wirst dich nicht mehr erinnern können....

    Kennst du die Ansicht, dass man etwas nicht aktiv nicht-denken kann?
    Aus der Richtung komme ich.
     
    30.09.2018 #13
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  14. fleurdelis*
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    Du brauchst einen Namen einer Theorie? ... Den kann ich dir nicht geben, es sind Erkenntnisse aus jahrelanger Forschung in der Traumatherapie, die dazu geführt haben, dass bei einem Menschen, der emotionalen Schaden genommen hat, die "Theorie" des vergebens mit "gutheißen" gleich gesetzt wird. Was aus psychologischer Sicht bedeuten würde, das Opfer müsste die Taten des Täters gutheißen. Lügen und Betrügen sind Taten, die zu emotionalen Schäden führen. Was wäre mit einem Menschen, der ein Kind missbraucht hat, möchte man das Opfer dazu drängen, dem Täter zu verzeihen? .... Wieso dann in einer "kleineren" Angelegenheit? ..... Wenn ich hier von "nicht verzeihen" schreibe, hat das nicht mit der im kirchlichen gemeinten "Verdammung" zu tun. Wenn z.B. @Fraunette sich dazu zwingen möchte, zu verzeihen und es nicht schafft, müsste man sich mal fragen: warum geht das nicht? Vielleicht ist es auch nicht vorgesehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30.09.2018
    30.09.2018 #14
  15. Synergie
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    @fleurdelis*
    Also ich kenne Vergeben völlig ohne Gutheißen.
    Bei mir basiert das Vergeben auf Verständnis. Verständnis kommt bei mir keineswegs Hand in Hand mit Gutheißen. Erst auf das Verstehen und Vergeben erfolgt bei mir das Loslassen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30.09.2018
    30.09.2018 #15
    IMHO und mone7 gefällt das.