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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Jett Rink
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    Ich mußte denken unverwandt,
    wie ich einst zwischen schwarzen Pinien
    den tiefen Frühling sinnen fand,
    als ich vor deiner Schönheit stand,
    und durch der Scheitel dunkle Linien
    dein Antlitz träumte wie ein Land.

    Es schlich von deiner Lippen Saum
    ein Lächeln auf verlornem Pfade -
    ganz leis. Die andern merktens kaum.
    So weht ein Blatt vom Blütenbaum:
    nur Einer schaut die Frühlingsgnade,
    und der sie schaut, ist wie im Traum.

    R.M. Rilke
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 05.01.2017
    05.01.2017 #301
  2. Genieße still zufrieden
    den sonnig heitren Tag.
    Du weißt nicht, ob hienieden
    ein gleicher kommen mag.

    Es gibt so trübe Zeiten,
    da wird das Herz uns schwer,
    dann wogt von allen Seiten
    um uns ein Nebelmeer.

    Da wüchse tief im Innern
    die Finsternis mit Macht,
    ging nicht ein süß Erinnern
    als Mondlicht durch die Nacht.

    Autor: Julius Sturm
     
    07.01.2017 #302
  3. Wasistdas?
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    Sind hier auch Haiku willkommen?
     
    12.01.2017 #303
  4. Ich denke, es wird dich keiner daran hindern. Mach doch einfach mal! Ich jedenfalls bin gespannt!
     
    13.01.2017 #304
  5. Wasistdas?
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    Augen in der Dunkelheit
    Schnee fällt
    kalter Atemzug
     
    16.01.2017 #305
  6. Flux-us
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    Sehr, sehr schön. Kennst Du das Buch:
    Siebzehn Silben Ewigkeit
     
    16.01.2017 #306
  7. Wasistdas?
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    Nein, bis eben kannte ich das Buch nicht.

    Ich habe mich mit "deutschen" Haiku auch erst seit kurzem beschäftigt, also bloß das I-Net durchstöbert. Ich finde sie viel emotionaler - direkt auf den Punkt - als die westliche Dichtkunst.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16.01.2017
    16.01.2017 #307
  8. Heisenberg
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    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Hermann Hesse, Stufen
     
    16.01.2017 #308
  9. @ Heisenberg: Sprüche und Gedichte liest man oft, manche kurzweilig und manche langweilig, doch gehen sie vorüber. Dieses Mal hat Hermann Hesse einen tiefen Eindruck hinterlassen. ..... Sehr schöne Zeilen!
     
    17.01.2017 #309
  10. Demiurg
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  11. Der Abgerissen Strick

    Der abgerissene Strick
    kann wieder geknotet werden
    er hält wieder, aber
    er ist zerrissen.

    Vielleicht begegnen
    wir uns wieder,
    aber da,
    wo du mich verlassen hast
    triffst du mich
    nicht wieder.

    Bertolt Brecht
     
    Zuletzt bearbeitet: 11.02.2017
    11.02.2017 #311
  12. Pit Brett
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    Flipflop? Die Gedichte, die Du auswählst und hier hereinsetzt, berühren mich alle sehr. Hast Du da so einen «Hausschatz», in dem Du fündig wirst? Oder stöberst Du im Netz? Oder haben sie Dich in der Schule damit geplagt? -- Ist ja egal, ich finde alle sehr schön. Weiter so! Wenn Du noch ein paar weißt, natürlich nur.
     
    12.02.2017 #312
  13. Mohnblume
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    Dieser Aussage schließe ich mich gerne an ! Das letzte hat mich umgehauen. Es spricht mir tief aus der Seele.
     
    12.02.2017 #313
  14. Vielleicht hatte Brecht ja Kafka gelesen:

    "Wenn man einander schreibt,
    ist man wie durch ein Seil verbunden."


    Würde doch gut zu PS passen.
     
    12.02.2017 #314
  15. @Pit: Kein Hausschatz und ja, teilweise finde ich sie im Netz. Auch gut möglich das sie mich finden.
    Aus meiner Schulzeit sind mir zwei in lebhafter Erinnerung geblieben. - „Erlkönig“ von Goethe - und zum Ende meine Schulzeit „Hiroshima“ - von Marie Luise Kaschnitz. -
    Vom Erlkönig war ich so ergriffen, dass es mich zu Tränen gerührt hat.
    Dieses gefühlte Ereignis, mein Einstieg in eine Welt der Dichter, die mir bis dahin verschlossen geblieben war. Ich war so hin und weg, wie es möglich war, mit wenigen Worten so gewaltig den Ablauf einer länger andauernden Szene zu erfassen und mich in diesem düsteren, kalten und furchtsamen Ritt mitgenommen hat.

    Ging mir nicht anders. Meine Seele hat jede meiner Veränderungen deutlich gespürt. Jeder gerissene und wieder geknotete Strick hat ein Stück von mir fortgenommen. Das vermisse ich an mir sehr, Unbefangenheit, Unbeschwertheit und das grenzenlose Urvertrauen.

    Danke :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 14.02.2017
    14.02.2017 #315