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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Lou Salome
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    Wenn Stille in dir Einzug hält
    Und wie vergessen ist die Welt,
    Dann warst du doch ein Teil von ihr
    Und sie ein großer Teil von dir.

    Du gehst und kommst doch bei dir an
    Und siehst im Angesicht des Seins
    Dass Ich und Welt nicht fremd sein kann
    Es ist und war noch immer Eins
     
    Zuletzt bearbeitet: 03.08.2019
    03.08.2019 #571
  2. Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.


    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.


    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Hermann Hesse
     
    03.08.2019 #572
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  3. Baudolino
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    Ein Versuch

    Ich habe versucht
    zu versuchen
    während ich arbeiten muß
    an meine Arbeit zu denken
    und nicht an dich
    Und ich bin glücklich
    daß der Versuch
    nicht geglückt ist

    Erich Fried
     
    Zuletzt bearbeitet: 04.08.2019
    04.08.2019 #573
    Ed Single und Marlene gefällt das.
  4. Baudolino
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    Dich

    Dich nicht näher denken
    und dich nicht weiter denken
    dich denken wo du bist
    weil du dort wirklich bist

    Dich nicht älter denken
    und dich nicht jünger denken
    nicht größer nicht kleiner
    nicht hitziger und nicht kälter

    Dich denken und mich nach dir sehnen
    dich sehen wollen
    und dich liebhaben
    so wie du wirklich bist

    Erich Fried
     
    Zuletzt bearbeitet: 04.08.2019
    04.08.2019 #574
    Ed Single und Maron gefällt das.
  5. HrMahlzahn
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    Nideriu minne heizet diu sô swachet,
    daz der lîp nâch kranker liebe ringet.
    diu minne tuot unlobelîche wê.
    hôhiu minne heizet diu daz machet,
    daz der muot nâch hôher wirde űf swinget.
    diu winket mir nű, daz ich mit ir gê.
    mich wundert wes diu mâze beitet:
    kumet diu herzeliebe, ich bin iedoch verleitet.
    mîn ougen hânt ein wîp ersehen,
    swie minneclîche ir rede sî,
    mir mac wol schade von ir geschehen.

    Nied're Minne kann dich zwar erregen,
    Dass der Leib in kranker Lust sich windet,
    Diese Minne macht nur schwach und leer.
    Hohe Minne kann dich neu bewegen,
    Dass der Geist nur edle Ziele findet,
    Doch Erfüllung, die winkt nimmermehr.
    Mäßigung, wohin wollt Ihr mich führen?
    Wird die Liebe neu mein Herz berühren?
    Mein Aug. das hat ein Weib gesehen,
    So lieblich sie nun auch sprechen mag -
    Ach, wird mir ein Leid nun durch sie geschehn?

    Walther von der Vogelweide (ca.1170 - ca.1230)
     
    24.08.2019 #575
    Ed Single und Marlene gefällt das.
  6. himbeermond
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    Bunte Kleckse, weiter Schwung.
    Tanzschuh im Delirium.
    Lachen, Tränen, traute Ringe.
    Liebeslanges Glück, beschwinge.
     
    26.08.2019 #576
    Ed Single, Marlene und Traumichnich gefällt das.
  7. himbeermond
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    Muss ein Gedicht eigentlich einen Titel bekommen (bei Kunstwerken stellt sich das gleiche Problem).
    MIT bekommt das Ganze direkt einen Deutungsrahmen und kann eher im Sinn des Schreibers verstanden werden.
    OHNE bleiben viel mehr Deutungsmöglichkeiten für den Lesenden.
    *grübel
     
    Zuletzt bearbeitet: 26.08.2019
    26.08.2019 #577
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  8. WolkeVier
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    Ja, und je mehr Interpretationsspielraum bleibt, desto mehr intellektuelles Vermögen wird einem angedichtet. Ein tolles Beispiel ist Bob Dylan, bei dem sich alle Welt den Kopf zerbricht, wie er es wohl gemeint haben könnte. Dabei war er vermutlich meistens einfach stoned. :)
     
    26.08.2019 #578
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  9. Tillmann
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    Die Klingel muss ja nicht elektrisch gewesen sein - eine lange Schnur, mit deren Hilfe ein Klöppelchen gegen eine Schelle geschlagen wird, tut's auch und tat's wohl schon zu Goethes Zeiten.
     
    29.08.2019 #579
  10. IMHO
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    GEWITTER

    Der Boden bebt, die Luft vibriert
    am Himmel zucken Blitze
    der Mensch im Auto sich chauffiert
    und fährt durch manche Pfütze.

    Die Menschen hasten, eilen, rennen
    und suchen vor dem Nass ‚nen Schutz
    manch‘ Kind fängt angstvoll an zu flennen
    Radfahrer’s Hosen voll mit Schmutz.

    Der Regen fällt mit viel Geprassel
    den Bauern freut’s – den Boden auch
    für die Familie ‚n Schlamassel
    und völlig unbeschirmt der Bauch.

    Die Bürgersteige leer gefegt,
    die Menschen sind aus Zucker
    kein Mensch sich auf den Straßen regt
    im Rinnstein schwillt Geglucker.

    Doch kommt auch wieder helle Zeit
    und einer schreibt auf Twitter:
    #wir hatten schlimm „Unwetter“ heut
    und meint dabei – Gewitter.

    (IMHO)
     
    29.08.2019 #580
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  11. HrMahlzahn
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    Auf der Alm, da ist gut lieben
    denn jeden Herbst wird abgetrieben.

    Ingrid Steeger in "Klimbim"
    Herr Mahlzahn distanziert sich prophylaktisch schon mal vom umstrittenen Inhalt
     
    04.09.2019 #581
  12. HrMahlzahn
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    Es war einmal und ist nicht mehr
    ein vollgefressner Teddybär
    der aß am Tag ein halbes Brot
    und als er starb, da war er tot.

    Direkt an meinem linken Hoden
    kratz ich mich. Das ist verboten.


    Der Main ist trüb,
    die Luft ist rein
    Herr Gauland muß ertrunken sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 08.09.2019
    08.09.2019 #582
  13. HrMahlzahn
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    Stabat mater
    anonymus (1200 – 1300) original in Latein


    Gereimte Übertragung

    Heinrich Bone 1847

    Christi Mutter stand mit Schmerzen
    bei dem Kreuz und weint von Herzen,
    als ihr lieber Sohn da hing.
    Durch die Seele voller Trauer,
    schneidend unter Todesschauer,
    jetzt das Schwert des Leidens ging.

    Welch ein Schmerz der Auserkornen,
    da sie sah den Eingebornen,
    wie er mit dem Tode rang.
    Angst und Jammer, Qual und Bangen,
    alles Leid hielt sie umfangen,
    das nur je ein Herz durchdrang.

    Ist ein Mensch auf aller Erden,
    der nicht muss erweichet werden,
    wenn er Christi Mutter denkt,
    wie sie, ganz von Weh zerschlagen,
    bleich da steht, ohn alles Klagen,
    nur ins Leid des Sohns versenkt?

    Ach, für seiner Brüder Schulden
    sah sie ihn die Marter dulden,
    Geißeln, Dornen, Spott und Hohn;
    sah ihn trostlos und verlassen
    an dem blutgen Kreuz erblassen,
    ihren lieben einzgen Sohn.

    O du Mutter, Brunn der Liebe,
    mich erfüll mit gleichem Triebe,
    dass ich fühl die Schmerzen dein;
    dass mein Herz, im Leid entzündet,
    sich mit deiner Lieb verbindet,
    um zu lieben Gott allein.

    Drücke deines Sohnes Wunden,
    so wie du sie selbst empfunden,
    heilge Mutter, in mein Herz!
    Dass ich weiß, was ich verschuldet,
    was dein Sohn für mich erduldet,
    gib mir Teil an seinem Schmerz!

    Lass mich wahrhaft mit dir weinen,
    mich mit Christi Leid vereinen,
    so lang mir das Leben währt!
    An dem Kreuz mit dir zu stehen,
    unverwandt hinaufzusehen,
    ist’s, wonach mein Herz begehrt.

    O du Jungfrau der Jungfrauen,
    woll auf mich in Liebe schauen,
    dass ich teile deinen Schmerz,
    dass ich Christi Tod und Leiden,
    Marter, Angst und bittres Scheiden
    fühle wie dein Mutterherz!

    Alle Wunden, ihm geschlagen,
    Schmach und Kreuz mit ihm zu tragen,
    das sei fortan mein Gewinn!
    Dass mein Herz, von Lieb entzündet,
    Gnade im Gerichte findet,
    sei du meine Schützerin!

    Mach, dass mich sein Kreuz bewache,
    dass sein Tod mich selig mache,
    mich erwärm sein Gnadenlicht,
    dass die Seel sich mög erheben
    frei zu Gott in ewgem Leben,
    wann mein sterbend Auge bricht!
     
    25.09.2019 #583
  14. Maryam
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    Zarter Beginn

    So fein und sanft,
    was mich da berührte.
    Zärtlich hätte es sein können.
    Und doch!
    Es wurde zum Mückenstich,
    der noch eine Weile böse juckt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30.09.2019
    30.09.2019 #584
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  15. Marlene
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    "Der Wunsch nach der Landschaft
    jenseits der Tränengrenze
    taugt nicht,
    der Wunsch, verschont zu bleiben,
    taugt nicht. (...)

    Es taugt die Bitte, (...),
    daß wir aus der Flut,
    daß wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
    immer versehrter und immer heiler
    stets von neuem
    zu uns selbst
    entlassen werden."

    Hilde Domin ("eine Sterbende, die gegen das Sterben anschrieb")
     
    02.10.2019 #585
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