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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Victor
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    Erwachsen sein

    Seit ich mich vor 2 Jahren von meiner Freundin getrennt habe, will bei mir nirgends mehr so richtig ein Zugehörigkeitsgefühl aufkommen. Auch war es dieses Problem, das zum Scheitern meiner Beziehung führte, denn es ging irgendwie viel mehr um sie selber und nur selten um mich. Ich fühlte mich ausgeschlossen und einsam, obwohl ich mit einer Frau zusammen lebte. Also beendete ich es.

    Natürlich löste es das Problem nicht. Egal was ich auch mache, ich fühle mich stets nur als gern gesehener Gast, aber nicht als Teil der Gruppe. Irgendwie scheinen die Menschen um mich herum immer ganz andere Interessen zu haben als ich. Jedenfalls die Gleichaltrigen. Mit Menschen, die 10 Jahre älter sind, komme ich meist besser aus als mit meiner eigenen Generation. Manchmal erscheint es mir so, als steckten ein Grossteil meiner Altersgenossen in den 20ern fest.

    Was genau passiert ist, weiss ich selber nicht. Irgendwie habe ich über Nacht angefangen, mich für Dinge wie Weiterbildung, Weltgeschehen, Zeitung und Sachbücher zu interessieren. Auch treibe mehr Sport denn je, weil es irgendwie mehr Spass macht als alles Andere. Ferner zieht es mich heute eher zu Anlässen, die neben Unterhaltung auch eine kulturellen Bezug haben.

    Wenn ich es bedenke, sind diese Interessen für einen 34 Jährigen nicht sonderlich ungewönhlich. Ich scheine einfach vollständig erwachsen geworden zu sein. Gehe ich aber auf Partnersuche, kommt es mir so vor, als wäre ich der einzige. Irgendwie finde ich keine Singlefrau, die so denkt wie ich. Viele finden mich langweilig und trocken. Okay, damit kann ich leben, aber es stört mich unheimlich, dass im Alltag so praktisch jede Frau ohne Partnerwunsch mir das Gegenteil vermittelt.

    Was genau mache ich falsch? Oder was könnte ich besser machen?
     
    11.11.2014 #1
  2. AW: Erwachsen sein

    Hallo Victor,

    verbiege Dich nicht für andere Menschen. Fühlst Du Dich sonst wohl? Kommst Du mit Dir selber klar?

    2x Ja?

    Du machst viel Sport? Sehr schön, da kann man sehr gut neue Bekanntschaften schließen. Im Studio, beim Joggen, in Fitnessforen. Kein Mensch ist so langweilig, dass er nicht jemanden findet der zu ihm passt. Suche Dir Menschen, die Deine Interessen teilen.

    Tatsächlich kommt unverhofft öfter als man denkt.

    Setze Dich mal in ein Café mit einer Zeitung, trink einen Cappuchino oder sonstwas, genieße die Sonne, beobachte die Menschen. Vielleicht ergibt sich da mal ein interessantes Gespräch. Manchmal muss man selbst Gelegenheiten schaffen.

    Versuche aber Dich selbst nicht zu drängen, verstell Dich nicht aus Angst, dass Du nicht akzeptiert wirst.

    Mach ein Stamm-Café aus und sei regelmäßig dort, so gibst Du potentiellen Gesprächspartnerinnen die Gelegenheit Dich öfter anzutreffen und ermöglichst ein Kennenlernen aus der Entfernung.

    Es gibt soviele Menschen auf der Welt, eine Frau ist sicher wie für Dich geschaffen. Und eine Frau reicht ja auch ;)

    Viel Erfolg
    Michael
     
    11.11.2014 #2
  3. AW: Erwachsen sein

    Lieber Victor
    Wenn ich dich richtig verstehe, dann ist das eigentliche Problem dein fehlendes Zugehörigkeitsgefühl. Wenn dieses offenbar nirgends entsteht, dann liegt die Schwierigkeit vermutlich weniger bei den anderen und ihren allenfalls unterschiedlichen Interessen, sondern eher darin, wie du Beziehungen gestaltest und wie du dich dabei fühlst oder fühlen kannst.

    Dein Problem kommt mir bekannt vor. Ich habe mich sehr lange Zeit auch nirgends wirklich zugehörig gefühlt, obwohl ich schon Menschen fand, die ähnliche Interessen hatten wie ich und die mir sehr sympathisch waren. Das Problem hatte (zumindest auf den ersten Blick) damit angefangen, dass ich mich als Kind in meiner Familie immer fremd gefühlt hatte. Ich habe das so interpretiert, dass ich einfach anders tickte als meine Eltern und Geschwister und mich irgendwie als Opfer gefühlt: in die falsche Familie hineingeboren und lebenslänglich darunter leidend. Doch dann, eines Tages, fand ich einen Job in einer kleinen Organisation, mit deren Zielen ich mich sehr identifizieren konnte. Da ich von den drei Angestellten am meisten Stellenprozente innehatte, wurde ich automatisch zu einer zentralen Person in dieser Organisation, irgendwie die Person, die alles am Laufen hielt und gleichzeitig die Informationsdrehscheibe für alle Freiwilligen, die mitarbeiteten. Und siehe da: zum ersten Mal im Leben fühlte ich mich irgendwo zugehörig. Ich denke, das war so, nicht nur, weil ich mich mit der Organisation identifizierte, sondern vor allem auch, weil ich mich sehr einsetzte. Die Organisation lag mir am Herzen und ich engagierte mich voll und ganz für sie und damit gestaltete ich auch die Beziehungen zu allen anderen Mitgliedern sehr aktiv.
    Seither hat sich bei mir etwas verändert und ich kann mich nun auch anderen Menschen - und ja sogar meiner Familie! (ich entdecke nun immer wieder neue Gemeinsamkeiten mit meinen Geschwistern...) - zugehörig fühlen.

    Das Zentrale bei diesem Problem mit dem Zugehörigkeitsgefühl ist vielleicht, dass wir denken, die Schwierigkeit liege bei den anderen, wir denken, es seien wohl einfach die falschen Menschen für uns, wenn wir uns ihnen nicht zugehörig fühlen können. Aber ich glaube, das ist ein Irrtum. Das Zugehörigkeitsgefühl ist auch nur ein Gefühl. D.h. es ist eine Empfindung, die ich aus meinen eigenen Gedanken heraus produziere. Ich denke, eigentlich geht es darum, die Menschen um sich herum zu akzeptieren, sie als gleichwertig mit sich zu sehen, und sich zu entscheiden, zu ihnen gehören zu wollen. Wenn ich das tue und mich dann in der Beziehung zu diesen Menschen richtig engagiere, dann fühle ich mich wahrscheinlich auch zugehörig. Verstehst du, was ich meine? Sich zugehörig zu fühlen braucht den Mut, sich irgendwo zugehörig fühlen zu wollen und die aktive Entscheidung, es zu tun.

    Ich wünsche dir viel Glück!
     
    11.11.2014 #3
  4. vivi
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    AW: Erwachsen sein

    Du machst nichts falsch und du musst nichts besser machen!
    Du bist, wie du bist und brauchst / sollst dich nicht verbiegen. Wird schon eine Frau geben und auch auftauchen, die deine Art anspricht.
    Nutze die Hinweise der Anderen, es geht halt manchmal nicht so schnell und das mit dem "zugehörig fühlen"...da bist du vermutlich kein Einzelfall.
     
    11.11.2014 #4
  5. AW: Erwachsen sein

    Eine naheliegende Folgerung wäre: Erwachsene haben einen Partner und suchen keinen. Das macht man in der Jugend. Und deswegen zeigen Verliebte, gleich welchen biologischen Alters, oft Verhaltensweisen von Pubertierenden.
    Man muß halt wissen, was man will.
     
    12.11.2014 #5
  6. Victor
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    AW: Erwachsen sein

    Danke Michael für Deine sehr konkreten Tipps. Das mit dem Stammcafe werde ich sicher übernehmen, sobald die wärmere Jahreszeit wieder anbricht. Der Sport selber ist leider ein wenig ein zweischneidiges Schwert, da viele mit I-Pod am Leistungslimit trainieren. Gespräche ergeben sich da nicht so oft.

    Danke "Authentisch" für Deine Anteilnahme. Ich bezweifle aber, dass man das Zugehörigkeitsgefühl einfach nur durch ein Zugehen auf die Menschen beliebig herführen kann. Es muss in der Gruppe auch eine Art Lücke vorhanden sein, die geschlossen werden soll. Ich glaube, dass Du das bei Deiner Organisation genau so erlebt hast. Momentan fehlt mir einfach die richtige Lücke.

    Auch Dir danke ich für Dein Feedback, Vivi. Irgendwie glaube ich einfach, dass beides zusammenhängt. Solange ich mich als Fremdkörper sehe, bleibe ich in der Defensive. Bei mir kam die Liebe eigentlich immer nur, wenn ich mit mir selber und der Welt zufrieden war und nichts erreichen wollte. Es wäre sicher nicht verkehrt, wenn ich mich auf diese Rahmenbedingungen konzentriere.
     
    13.11.2014 #6
  7. Zoey
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    AW: Erwachsen sein

    Hallo Victor,

    ich habe das schon von anderen Männern Deines Alters gehört/gelesen.
    Ich denke, dass unsere Gesellschaft generell sehr oberflächlich geworden ist, wo mehr zählt, was man hat (Geld, teures Auto, Haus...) als das, was und wie man ist. Schade, denn damit verbauen sich viele wertvolle Kontakte.
    Was die Suche nach einer Frau angeht - dann schau Dich doch mal bei den Frauen um, die 10 Jahre älter sind... Es gibt da recht attraktive Damen, denen man ihr Alter nicht ansieht. Aber die einfach wissen, wo sie im Leben stehen, die den Kontakt zu einem Mann, der etwas tiefgründiger ist, schätzen.

    Ich (52) date gerade einen Mann, der 18 Jahre jünger ist... und es ist einfach perfekt... wir genießen es beide... mal schauen, wo es hinführt. Und uns schaut auch keiner dumm an, aber ich werde auch meist Anfang/Mitte 30 geschätzt...
     
    19.11.2014 #7
  8. Mentalista
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    AW: Erwachsen sein

    Das ist wohl der Knackpunkt. Du hast es schon erkannt, was ich klasse finde. Ich kenne nicht wenige Menschen, denen das mit 50zig noch nicht klar ist, die suchen nicht, die konsumieren alles, auch die Liebe und halten das für normal.

    Wenn ich deine Zeilen so auf mich wirken lasse, kam mir spontan der Gedanke "Hochsensibel?". Im Internet gibt es dazu Infos, vielleicht findest du dich da.
     
    20.11.2014 #8
  9. hullu
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    AW: Erwachsen sein

    Hm,

    ich denke nicht, dass etwas falsch mit dir ist, aber ich denke auch nicht, dass wir einfach nur eine schlechte Gesellschaft haben. Das ist mir zu einfach.
    Du sagst, du bist erwachsener geworden und das fehlt dir bei anderen, wobei andere dir sagen, du seist trocken geworden. Weißt du, dass zum erwachsen werden genauso dazu gehört, das innere Kind in sich zu entfalten? Vielleicht gelingt dir das ja grad nicht so richtig und deshalb wirkst du dann auf andere wenig unterhaltsam. Es geht zwar nicht darum, immer unterhaltsam zu sein, aber ab und zu nicht mit seinen Gedanken den Rahmen für seine Gefühle zu setzen, sondern mit seinen Gefühlen alle Regeln und Grenzen zu überschreiten, kann unglaublich befreiend sein. Das Kind in uns überlegt eigentlich nicht lange, ob der andere Mensch mit seinen Vorstellungen und Verhaltensweisen unseren moralischen Ansprüchen genügt oder nicht, es will einfach alle Menschen um sich herum gern haben und sie voll und ganz akzeptieren.
    Ich denke, beides unter einen Hut zu bringen, also mehr Verantwortung übernehmen und neue Wege auch mal alleine zu gehen und gleichzeitig immer wieder zurückzukehren, alles über Bord zu werfen und sich komplett auf die Menschen um einen herum einzulassen, ist ein richtiger Eiertanz. Aber es geht beides!

    Hoffe, das war jetzt nicht zu philosophisch und hat an deinem Anliegen nicht völlig vorbeigefehlt.
     
    22.11.2014 #9