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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. @HrMahlzahn
    Die Geschichts"wissenschaft" hat sich aber lange Zeit übertrieben stark für Kriege, Schlachten, Feldherren, Territorien etc. interessiert. Dies kann bei uns natürlich ein recht verzerrtes Bild der Vergangenheit hinterlassen haben. Als Kind mussten vielleicht auch wir noch Könige und die Jahreszahlen grosser Schlachten auswendig lernen... Wenn man sich stattdessen schon immer mehr für das Alltagleben (vielleicht auch die liebevollen Seiten daran) interessiert hätte, dann wüsste man möglicherweise heute auch darüber mehr. Ich denke, die Menschen sind weder heute besser als früher, noch umgekehrt. Es gibt einen ständigen Wandel, der Vor- und Nachteile mit sich bringt, aber als Ganzes entzieht sich dieser wohl der Möglichkeit einer Bewertung.
     
    31.03.2019 #1006
  2. Fraunette
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    Die Geschichtswissenschaft beschäftigt sich doch nun einmal mit der Geschichte und leider gibt es genügend Kriege, Schlachten etc. mit denen sich beschäftigt werden muss(te). Sind es nicht eher die Archäologen, die sich mit dem Alltagsleben beschäftigen?
    Wir mussten wohl alle Jahreszahlen und Könige als Kind auswendig lernen. Ich kann mich aber auch daran erinnern, dass im Unterricht darüber gesprochen wurde, wie früher gelebt wurde und dass so manche Schlacht aufgrund der Lebensbedingungen geführt wurde.

    Die Schule legt den Fokus auf Jahreszahlen, Kriege, Könige etc.
    Aber nur, weil in der Schule nicht mehr auf das Alltagsleben der früheren Zeiten eingegangen wird, zu sagen, es sei zu wenig darüber geforscht worden, ist m.E. nicht richtig.
     
    31.03.2019 #1007
  3. Meines Wissens gab es da im Verlauf der Zeit einen Wandel im Fokus der historischen Forschung, den ich sehr begrüsse.
     
    31.03.2019 #1008
  4. Marlene
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    "Wenn Du geredet hättest, Desdemona."
     
    31.03.2019 #1009
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  5. Sine Nomine
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    Wir leben in der Tat in einer Zeit, in der die Menscheit in ihrer Gesamtheit einen radikalen Wandel weg von unmittelbarer existenzieller Bedrohung der einzelnen Individuen und hin zu kurzfristiger Sicherheit für die Individuen bei gleichzeitiger mittel- und langfrstiger Bedrohung ihrer Gesamtheit (Stichwort Klimawandel) durchmacht.

    Nie starben anteilig weniger Menschen durch Hunger als heute, Überflußerkrankungen liegen als Todesursache weit vor Unter- und Mangelernährung. Nie starben anteilig weniger Menschen durch Gewalteinwirkung, Suizide liegen als Todesursache global weit vor Krieg, Mord und Todschlag. Nie starben anteilig weniger Menschen durch Naturkatastrophen. Nie hatten mehr Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung, Elektrizität, Bildung. Nie ging es der Menscheit materiell besser, nie nahm extreme Armut weltweit schneller ab als heute, nie hatten mehr Menschen die materiellen Voraussetzungen sich im Zweifel gegen Unfreiheit zur wehr setzen zu können.

    Gleichzeitig war unser Bild von der Welt wohl noch nie weiter von dieser positiven Realität entfernt. Egal wer http://forms.gapminder.org/s3/test-2018 ausfüllt, so gut wie niemand kommt auf 100% richtige Antworten und selbst viele Menschen die eigentlich einen entsprechenden Zugang zu solchen Fragen haben sollen schneiden am Ende schlechter als 33% ab, also schlechter als durch blindes Raten.

    Unser aller Weltbild hinkt der Entwicklung weit, weit hinterher, wir bekommen gar nicht mit, wie schnell sich die Welt um uns herum verändert, und zwar vielfach in die richtige Richtung. Und wir haben überhaupt kein Gefühl dafür, wie schnell diese Entwicklung schon in der Vergangenheit war.
    Wir rümpfen die Nase über Länder, in denen Frauen erst seit kurzem einen Führerschein machen können? Frauenwahlrecht gibt es in Deutschland gerade mal hundert Jahre, in der Schweiz noch wesentlich kürzer, und bis weit in die 60er Jahren waren Frauen in Deutschland nicht voll geschäftsfähig und brauchten beispielsweise die Genehmigung des Ehemanns für bestimmte Rechtsgeschäfte.

    Grund dafür ist in meinen Augen, dass wir dazu neigen die Welt und auch ihre Geschichte schwarz-weiß zu sehen, als gut und böse. Mal romantisieren wir bestimmte Zeitabschnitte, edler Ritter und holdes Burgfräulein, und ein ander Mal verdammen wir sie, Leibeigene, Pest und Kriege. Wir sind eher schlecht darin, beides gleichzeitig ausgewogen wahrzunehmen. Wo Not und Elend herrscht erwarten wir traurige, freudlose Menschen. Dass aber unsere eigenen Vorfahren, die Generation unserer Groß- oder Urgroßeltern, noch Lebensumstände hatten, die vielfach nicht besser waren als das, was uns heute als Katastrophenberichterstattung im Fernsehen präsentiert wird und trotzdem fröhliche, lebensbejahrende Menschen waren blenden wir dabei aus.
     
    31.03.2019 #1010
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  6. creolo
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    62% ohne Nachdenken. War natürlich einfacher durch deine Vorgaben.
    "Leider" gehts sehr vielen immer besser, das wird aber so nicht funktionieren und es wird allen irgendwann schlechter gehen. Normaler Kreislauf. Wir beschleunigen den nur mehr als andere.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31.03.2019
    31.03.2019 #1011
  7. Ach, weisst du, liebe Marlene, manchmal rede ich zu viel und werde missverstanden, und manchmal zu wenig. :( Aber das Problem ist wohl schriftlich grösser als mündlich. Wenn man miteinander redet, kann man erstens besser einschätzen, wie es ankommt - und dies sogar noch während des Sprechens - und ausserdem auch schneller mehr sagen oder erklären, wenn's nötig scheint.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 31.03.2019
    31.03.2019 #1012
  8. Das hast du schön beschrieben!
    Beides gleichzeitig wahrzunehmen, wäre eine gute Fähigkeit (auch wenn's um Beziehungen und Dating geht...).
     
    31.03.2019 #1013
  9. Sine Nomine
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    Der "normale Kreislauf" der letzten Jahrhunderte war der, dass ein immer größerer Teil der Menschheit sich aus extremer Armut herausgearbeitet hat. Der "normale Kreislauf" ist einer, bei dem die Geburtenrate weltweit stark rückläufig ist, Überbevölkerung also weit weniger problematisch sein wird als man noch vor 20, 30 Jahren angenommen hat. Der "normale Kreislauf" ist einer, bei dem die, die sich heute aus extremer Armut herauskämpfen schon Zugriff auf moderne, vergleichsweise saubere Technologien haben.

    Es ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen und wenn sich irgendwann 11-12 Mrd. Menschen diesen kleinen blauen Planeten teilen wird der ungehemmte Überfluss den wir uns hier gerade gönnen nicht mehr funktionieren. Aber da sei dann die Frage erlaubt, ob der überhaupt notwendig ist, ob all das "zu viel" was wir hier gerade veranstalten (bis zu 30% weggeworfene Lebensmittel, die Heizung läuft bei geöffnetem Fenster und die Kleidung wandert auf den Müll, weil's nicht mehr die Farbe der Saison ist und Hamburg-München wird geflogen, weil die Bahn 20€ teurer ist) uns tatsächlich ein besseres Leben erlaubt oder uns nicht vielleicht auf dem Weg dorthin im Weg steht.

    Bei konsequenter Nutzung der heute vorhandenen Technologien und Weglassen von dem, was tatsächlich reiner Überfluss ist sehe ich wenig Gründe, warum es der Menschheit insgesamt nicht auch weiterhih zunehmen besser gehen sollte. Die Geschwindigkeit des Fortschritts wird vermutlich irgendwann wieder abnehmen, aber die eingeschlagene Richtung wird bleiben.
     
    31.03.2019 #1014
  10. Sine Nomine
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    Nun ja, über weite Strecken der Menschheitsgeschichte war die Fähigkeit eine Situation sehr schnell sehr eindeutig bewerten zu können, die Welt also schwarz-weiß zusehen, überlebenswichtig. Erst seitdem wir immer seltener existenziell bedroht sind werden langsame, dafür aber sehr ausgewogene und faktenbezogene Entscheidungen zunehmend wichtiger. Auch da braucht's eine ausgewogene Wahrnehmung, eine Schwarz-Weiß-Weltsicht hat durchaus ihre Daseinsberechtigung, nur muss man halt genau darauf achten, wann uns das Schwarz-Weiß-Bild die benötigten Informationen liefert und wann wir lieber in Farbe auf die Welt blicken sollten.;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 31.03.2019
    31.03.2019 #1015
  11. creolo
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    Naja, netter Ansatz in einer Phase, wo jeder Staat/Gesellschaft/Mensch wieder etwas mehr an sich denkt. Aber auch das ja ist "normal" ;)
    Ich bezieh mich aber eher auf Evolution/Aussterbeereignisse... also eher allgemein.
     
    31.03.2019 #1016
  12. Marlene
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    Wenn das nun die eigene Einschätzung ist, könnte man die Gewichtung verschieben, auf das, worüber zu wenig geredet wird. Davon abgesehen - mißverstanden zu werden bzw. zu glauben, bringt das Verständnis zu einem selbst näher, und, so paradox es klingt, auch zu dem Anderen. Zu seinen "Wahrheiten".
     
    31.03.2019 #1017
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  13. Sine Nomine
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    Ist dem so? Oder fühlt sich das lediglich so an?
    Die Fakten deuten eigentlich in eine andere Richtung: Das Spendenaufkommen in .de steigt langfristig, mit entsprechenden Schwankungen durch große Naturkastastrophen und "ruhige" Jahre. Und auch sonst helfen sich Menschen wann immer nötig. Klar sind da auf allen Ebenen immer welche, die Ellenbogenmentalität für das Gebot der Stunde halten, aber die Mehrheit in .de und auch überall sonst auf der Welt hat durchaus verstanden, dass Mitmenschlichkeit und eine gesunde Portion Egoismus ganz wunderbar zusammenpassen können.
    Um's konkret zu machen: In der sog. Flüchtlingskrise hat Mutti "Wir schaffen das!" verkündet, und wir haben es weitestgehend geschafft. Und gleichzeitig hat die Gesellschaft auch klar gemacht, dass sie nicht jedes Jahr >1% Flüchtlinge integrieren kann und dass langfristig andere Lösungen her müssen.

    Hmm, klar, die meisten Arten sind früher oder später ausgestorben (nicht wenige übrigens im Zuge der Ausbreitung des homo sapiens). Manche gibt es aber auch schon sehr lange, haiartige Knorpelfische gibt's beispielsweise schon seit gut 400 Mio. Jahren.

    Ist aber im Grunde auch egal, wenn's homo sapiens irgendwann mal nicht mehr geben sollte finden sich halt andere Arten, die das Leben auf der Erde weiterführen.;)
     
    31.03.2019 #1018
  14. Manchmal denke ich, dass für mich ganz andere Dinge selbstverständlich sind als für die meisten. Bin oft irgendwie fremd. Und vielleicht macht es das anstrengender, für mich und für die anderen. o_O
     
    31.03.2019 #1019
  15. Hmm. Stimmt das wirklich? Wäre nicht oft eher eine gute Präsenz im Augenblick gefragt? Und dem steht Schwarz-Weiss-Denken und Bewerten eher entgegen.
     
    31.03.2019 #1020