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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Sexualität und Medienkonsum

    Liebe Foristinnen und Foristen

    Ich bin gerade über den folgenden Artikel gestolpert:

    http://www.woz.ch/1609/generation-h...iesem-sex-auch-noch-hoechsten-gefallen-finden

    Mich hat das sehr erschreckt und ich frage mich, was der Konsum von Pornos sowie auch von gewalttätigen Filmen mit unseren Psychen und in unseren Leben anrichtet.
    Ich versuche mich schon immer von solchen Medien fernzuhalten. Wenn ich trotzdem manchmal gewalttätige sexuelle Fanatsien habe, dann möchte ich diese auf keinen Fall ausleben. Im Gegenteil denke ich, dass diese aus schlimmen Kindheitserfahrungen heraus entstanden sind (keine sexuelle und auch nicht unbedingt physische Gewalt, sondern ich glaube, dass es bereits zerstörerisch für sensible Psychen ist, wenn der kindliche Wille gebrochen wird, wenn Kinder gedemütigt und in ihrer Autonomie stark eingeschränkt statt gestärkt werden und wenn Kinder Rollenmodelle vorgelebt bekommen, in denen die Partnerin und ihre Bedürfnisse regelmässig geringeschätzt oder gar verachtet werden). Ich finde, es sollte deshalb eher darum gehen, in liebevollen und achtsamen Beziehungen und ebensolchen sexuellen Erfahrungen diese Verletzungen der Psyche zu heilen, um dann eine wirklich selbstbestimmte und lustvolle Sexualtität leben zu können. Auf alles - auch subtil - Gewalttätige möchte ich lieber ganz verzichten.

    Was denkt Ihr über diese Themen?
     
    12.03.2016 #1
  2. Ja, mit der Sexualität ists schwierig. Und mit der Pubertät sowieso. Ich bin geneigt, das eher als Faktum menschlicher Kultur aufzufassen. Diverse Befreiungen waren und sind nötig. Einen gänzlich befreiten Zustand kann ich mir da jenseits von Ulk nicht vorstellen. Also wüßte nicht mal, was da "befreit" heißen sollte.
    Zustände wie die beschriebenen würde ich im Zusammenhang sehen. Und die Achtsamkeitsmode nicht als Lösung, sondern als andere Seite der Medaille betrachten. Ein Problem des Therapeutischen ist ja, daß es keine anderen Götter neben sich duldet und alles vereinnahmt. Auch den Sex. Auch da gehts dann in Ausweitung der Yogazone um Achtsamkeit und Heilung und daß man sich gut fühlt usw. und alle anderen Töne sind gleich besorgniserregend. Da wunderts mich nicht, wenn zugleich ein bißchen Härte anderswo gesucht wird.
    Von der Gewalt der Sexualität handeln kulturelle Erzeugnisse seit Tausenden von Jahren. Die Leugnung dessen hat könnte auch was von einem gegenwärtigen Modus von Lustfeindlichkeit haben.
    Und das "Genieße alles, was du tust! Sei immer selbstbestimmt! Sei heil!" ist nicht harmloser als das "Sei geil!"
     
    12.03.2016 #2
  3. fafner
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    Was bin ich froh, daß ich nicht mehr jung sein muß.
     
    12.03.2016 #3
  4. Da hast du natürlich recht. Trotzdem habe ich als Individuum doch die Möglichkeit, mich auf dem Weg, der mir als sinnvoll erscheint, ein wenig in Richtung Befreiung voranzuschreiten. Oder meintest du das mit der Befreiung nur im gesellschaftlichen Kontext?

    In welchem denn?

    Auch das kann durchaus sein. Liegt aber nicht oft die Lösung irgendwo in einer Balance? Und wenn wir als Gesellschaft oder auch ich als Indivuduum den Eindruck haben, dass die eine Seite der Medaille zu stark dominiert, dann ist es vielleicht mal für eine Zeit lang sogar wichtig, das Pendel in die andere Richtung ausschlagen zu lassen.

    Wo denn?

    Heisst denn, wenn es etwas schon immer gab, dass es gut und erstrebenswert ist?

    Ich glaube ausserdem nicht, dass die Lust in der Sexualität etwas mit Gewalt zu tun haben muss. Ich finde ja z.B. gut erzählte Liebesgeschichten, sei es in der Literatur oder im Film, oder auch zärtliche Gesten sehr erregend. Vielleicht sollten wir einander einfach viel öfter erzählen, was uns wirklich berührt und begeistert, oder uns die Zeit für Zärtlichkeit nehmen.
    Vermutlich prägen sich aber brutale und aufreizende Bilder sehr stark ein und überdecken dann das zärtliche und berührende Lustvolle.

    Einverstanden, wenn eine egozentrische unreflektierte Art von Geniessen, Selbstbestimmung und Heilung gemeint ist.
     
    12.03.2016 #4
  5. IPv6
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    Tja, da scheint's so, als ob unsere sogenante junge "Digital Native" Generation doch eher "Digital Naives"sind und es "Digital Immigrants" braucht, die ihren "Naives" das "t" nahebrigen.
    Damit umgehen können ist was anderes, als benutzen können...
     
    12.03.2016 #5
    fafner gefällt das.
  6. Hab ich doch geschrieben. Unter anderem im Zusammenhang mit der Wohlfühlideologie und der Gesundbeterei. Dem allgegenwärtigen Weichspülen und der pädagogisierenden Ablenung von Exzess. Dann ist es kein Wunder, daß er sich seinen Weg in Bildchen bahnt.

    Zwischen zwei Seiten einer Medaille gibt es keine Balance, das ist schiefe Metaphorik.

    Nein, aber wenn etwas als zum Menschen dazugehörig erkannt, kann es dazu führen, Ängste abzubauen.
    Das ist ein wenig wie mit Ausländern in Deutschland: dort, wo die wenigstens sind, ist die Angst vor ihnen am größten.

    Auch im Bereich der Sexualität ist nicht alles gleich. Vielleicht ist dir gar nicht klar, wiesehr deine Sätze hier den Versuch von Normierung in sich tragen.
    Und die Bilder: ja, wer nur paniertes Schnitzel kennt, dem muß ein Videoclip von der Schlachtung eines Kalbs äußerst verstörend vorkommen.
    Naheliegende Reaktion in unserer Wegsehgesellschaft: Schlachtungsvideos verbieten. Denn es soll ja niemand verstört werden, denn alle sollen sich wohlfühlen.

    Ich rede da nicht von einer Art, sondern diesen Imperativen. Ihre Gewalttätigkeit ist sicherlich schwerer zu erkennen als die im Splatterfilm. Das macht sie gefährlicher.
     
    12.03.2016 #6
  7. Danke, Butte. Find ich interessant, um darüber nachzudenken.
     
    12.03.2016 #7
  8. Ich möchte auf deine Argumentation zurückkommen, Butte. Du schreibst:

    Hier vergleichst du gewalttätige Verhaltensweisen mit Ausländern, und damit machst du meines Erachtens einen groben Fehler. Es ist dumm, vor Ausländern Angst zu haben, während es durchaus sinnvoll ist, sich vor Gewalt zu fürchten.

    Kontakt mit Ausländern bringt ausserdem neue Perspektiven und macht einen offener gegenüber unterschiedlichen Ideen und Weltbildern. Kontakt mit Gewalt dagegen macht einen krank und stumpf.
     
    12.03.2016 #8
  9. Ausserdem hat es nicht nur zur Menschheitsgeschichte gehört, dass Sexualität öfter mal in Verbindung mit mehr oder weniger subtiler Gewalt aufgetreten ist, sondern auch, dass sich Menschen immer Gedanken machten, welche Handlungen gut und welche schlecht sind. Sie haben auch immer versucht, sich in Richtung gute Handlungsweisen zu entwickeln.

    Wenn dem Denken das Mitgefühl fehlt, ist es nichts Gutes, Butte. Wenn man aus Macht Befriedigung zieht, ist es kein Wunder, wenn man Lust als wichtiger empfindet als Gewaltlosigkeit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12.03.2016
    12.03.2016 #9
  10. IPv6
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    Ähh, wo stand was von Gewalt?

    Buttes Aussage deckt sich 1:1 mit dem Wahlergebnis der Minaret-Initiative. Mehr JA gab es in Regionen mit wenig muslimischern Anteil, und in jenen mit höherem Anteil mehr NEIN...
     
    12.03.2016 #10
  11. Es ist ein bißchen komplizierter. Etwa ist nicht jede Art von "Gewalt" über einen Kamm zu scheren und alles, was nicht einer von dir propagierten Norm von zärtlichem, verständnisvollem, achtsamen Blümchensex entspricht, als böse Gewalt aufzufassen.
    Und auf der anderen Seite ist Multikultur nicht Friedefreudeeierkuchen. Daß der Kontakt mit fremden Bevölkerungsgruppen jeden offener macht, wird schlicht durch die Wirklichkeit widerlegt. Mit Romantizismen löst man die Probleme nicht. Es gibt da leider mehr an Konfliktpotential als nur die Herausforderung, seine Geschackssinne auch an Döner und Co. zu gewöhnen.

    Aus Gründen der Angst, der Kontakt mit Gewalt mache einen krank und stumpf, einfach wegzuschauen und zu ignorieren, scheint mir nicht generell empfehlenswert. Es kommt auch auf die Art des Umgangs an. Konkret hier im Forum etwa halte ich es ja so, daß ich nicht alle Gewalt und Dummheit ignoriere, sondern manchmal dazu Stellung nehme. Etwa zur kleinbürgerlichen Forumspegida, die gegen alles ihnen Fremde moralisieren und bezüglich ihres eigenen ständigen abwertenden, gewaltsamen, unmoralischen, unterstellenden und dummen Schreibens die Armer zucken und sich einreden: "Moral, wer will das schon beurteilen? Wir tun einfach, was uns gut tut!" Klar sind die mir in so manchem fremder als jemand, der an Regengötter glaubt. Sie zeigen mir, was es so alles gibt. Das ist zuweilen interessant. Vieles einfach dumm und stinkend. Und dann ist es wie auf der Straße: einfach marschieren lassen oder auch mal sagen? Ich sage manchmal was. Wenn ein Absätzchen da hundert Posts von Selbstbetrug und Niedertracht die Stirn bietet, hab ich nichts gegen Macht. Die Macht der Dummheit muß nicht immer umkommentiert bleiben.
     
    12.03.2016 #11
  12. Wie untermauerst du diese Aussage? Durch die Mehrheitsmeinung? Damit würdest du aber dir selbst widersprechen.

    Ausserdem möchte ich es ja gar nicht in den gleichen Topf werfen. Ich frage mich nur, ob es wirklich etwas Gesundes ist. Ob wir nicht manchmal Dinge tun, die uns überhaupt nicht gut tun, nur weil wir bereits daran gewöhnt sind.

    Wo würdest denn du die Grenze ziehen?

    Ich propagiere ja gar nicht das Wegschauen vor realer Gewalt, sondern, sich zu schützen vor dem Sich-Abstumpfen mit virtueller Gewalt und ausserdem bin ich gegen die ständige Reproduktion von Gewalt, auch in subtiler Form.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12.03.2016
    12.03.2016 #12
  13. Wofür genau brauchst du eine Untermauerung: dafür, daß Menschen sich mit dem Wort "Gewalt" auf unterschiedliche Dinge beziehen? Dafür würde ich einen Blick in die Welt empfehlen.

    Wie gesagt, ich empfehle einen Sinn für Zusammenhänge. Die Faszination für Bilder hat oft etwas mit der Tabuisierung ganzer Phänomenbereiche zu tun. Wenn herrschende Ideologie stumpf gegenüber allen Facetten von Gewalt ist, wundert es mich nicht, daß einige davon als Bild umso reizvoller werden.
    Sozusagen: statt Symptomverbot mal ein bißchen auf die Ursachen gucken.
     
    12.03.2016 #13
  14. Ich möchte eine Untermauerung dafür, dass es Formen von Gewalt gibt, die nicht schlimm seien.
    Es gibt ja leider noch immer Leute, die z.B. behaupten, es sei nichts Schlimmes, Kinder zu schlagen. (Vielleicht weil sie sich nicht damit auseinandersetzen wollen, was es mit ihrer Psyche gemacht hat, dass sie selbst als Kinder Opfer solcher Gewalt wurden. Und weil sie sich nicht die Mühe machen wollen, sich mit Erziehung auseinanderzusetzen.)

    Wo würdest denn du die Grenze ziehen?


    Aber das kritisiere ich ja genau: dass die herrschende Ideologie, dich inklusive, stumpf ist gegenüber gewissen Formen von Gewalt.
     
    12.03.2016 #14
  15. Lies doch das Ganze nochmals. Das Ausländerthema war nur ein Vergleich. Ich habe mich nicht gegen die Aussage, dass die Menschen dort ausländerfeindlicher sind, wo es weniger Ausländer gibt, gewandt. Dies war mir im Übrigen schon lange vor der Minarett-Initiative bekannt.
     
    12.03.2016 #15