Information ausblenden
Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Tone
    Beiträge:
    4.268
    Likes:
    2.712
    Damit zeigen sie wie wenig sich Selbstmordgefährdete um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern (können). Ich denke da herrscht meiner Meinung ein weit verbreitetes Missverständnis, weil es keinen Eingriff in die Selbstbestimmung eines Menschen bedeutet, sein Leben vor sich selbst zu retten.

    Edit: Ein Dilemma zwischen der Freiheit nicht mehr am Leben sein zu wollen und der fatalen Handlung einem Leben aktiv ein Ende zu setzen, dem Leben selbst zuvor zu kommen. :oops:
     
    Zuletzt bearbeitet: 15.06.2018
    15.06.2018 #91
  2. babe
    Beiträge:
    993
    Likes:
    582
    Schau malI, SeTi, ich hab doch was ganz anderes geschrieben als du mir zuschreibst. Ich denke, das Thema verdient, feiner vorzugehen und weniger generalisierend. Ich habe überhaupt nicht geleugnet, was dir ein Anliegen ist: nämlich daß Selbsttötungen freie Entscheidungen sein können. Im Gegenteil habe ich das sogar betont. Ich kritisiere aber beide Generalisierungen: sowohl diejenige, jede Selbsttötung automatisch als Ausdruck einer Unfreiwilligkeit und psychiatrischen Störung zu betrachten, wie auch diejenige, jede Selbsttötung als Ausdruck souveränen freien Willens zu deuten. Es kommt enorm auf den Einzelfall an. Und mit den kruden Generalisierungen macht man es sich zu leicht, wenn sie als Ausrede dienen sollen, nicht auf den konkreten Fall zu schauen.
    Daß du persönlich jedem böse wärest, der dich von dem abgehalten hätte, wozu du dich entschieden hast, mag ja sein. Das bedeutet aber nicht, daß jeder Suizidgefährdete im nachhinein jedem böse wäre, der ihn vom gelingen seines Versuchs abgehalten hätte. Sollte die Empfehlung sein, in jedem Fall jeden gewähren zu lassen, der sich selbst töten will, halte ich sie für äußerst problematisch.

    Einen feineren Umgang hatte ich auch bezüglich der Rede von Verantwortung vorgeschlagen. Verantwortung ist etwas anderes als Schuld. Verantwortung wird nicht aufs Auge gedrückt. Verantwortlichkeit spürt man. Also im besseren Falle, wenn man sein Verantwortungsgefühl nicht korrumpiert hat.
    Mein Mitgefühl gilt jedem, der bezüglich des Suizids eines Nahestehenden nicht einfach sagt: geht mich doch nichts an, ist doch dessen Verantwortung. Ich kenne es auch als normal, daß sich Nahestehende Schuldgefühle machen. Ich finde es in vielen Fällen richtig zu betonen, daß sie das nicht tun müssen. Aber ich möchte ernst nehmen, daß sie es tun. Ich deute dies als Ausdruck davon, daß sie Verantwortlichkeit spüren. Und dieses Gespür möchte ich ihnen nicht ausreden. Aber empfehlen, es von unagnemessenen Schuldgefühlen zu unterscheiden.

    Jegliches Gefühl von Verantwortlichkeit füreinander zu leugnen, hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten. Ich weiß, es steht hoch im Kurs: jeder ist seines Glückes Schmied, und auch seines Unglückes. Das ist neoliberaler Mainstream, wird gerne so geplappert. Und, die übliche gespaltene Zunge, zugleich beklagt, der Individualismus des modernen Menschen, die Vereinzelung, die Kälte, die fehlende Solidarität, der fehlende Gemeinschaftssinn usw.

    Ich halte eitle Theorien, die Freiheit entweder völlig leugnen oder zur Totalität aufbauschen, für gleichermaßen unzutreffend und schädlich. Man sollte doch ein wenig genauer hinschauen. Die Leute haben in der Regel Freiheit, also diverse Freiheiten, aber die sind eben auch nicht total und im luftleeren Raum. Nicht jede Aktion ist im gleichen Maße frei und selbstbestimmt. Das kennt doch jeder eigentlich an sich selbst, bei einer ganzen Reihe weniger drastischer Handlungen als der eines Suizidversuchs. Damit behaupte ich nicht, daß man in all diesen Fällen übergriffig sein und dem anderen über die Finger fahren soll, wenn er imstande ist, etwas zu tun, von dem man glaubt, daß er damit im Moment nicht ganz er selbst ist. Aber ich bin dafür, es sich nicht einfach zu machen und seine Hände in Unverantwortlichkeit zu waschen und sich mit einem Gemeinplatz wie "Das ist doch allein seine Entscheidung!" aus der Affäre zu ziehen.

    Man hängt mit drinnen. Selbst wenn man keine gute Lösung hat. Das ist eben Merkmal von dilemmatischen Situation. Ich schlage vor, sie anzuerkennen als sie zu leugnen und durch krude simplifizierende Glaubenssätze zu ersetzen.
    Hier im Forum begegnet mir überaus mangelnde Fähigkeit, eine unklare, unsichere Situation auszuhalten. Auch hier wieder. Je simpler der Ratschlag, desto überzeugter wird er vorgebracht, als völlig selbstverständlich und alternativlos. Liebe Leute, akzeptiert doch mal, daß es schwierige Situationen gibt, für die nicht gleich völlig eindeutig klar ist, was zu tun ist. Und das gilt eben vielleicht besonders für solche Fälle wie hier diskutiert: was Nahestehende im Falle einer Suizidalität tun können und sollen. Möglich, daß das jemanden auch noch Jahre beschäftigt, er sich nie hundertprozentig sicher sein wird, das richtige getan zu haben. Vielleicht nimmt das immer weniger Grübelzeit ein, aber bleibt doch als kleiner Stachel, als Ungewißheit. Ich möchte diese Gedanken niemandem einreden.

    Aber eben auch niemandem ausreden.
    Sorry, wenn ich damit gegen ein Gesetz des Forums verstoßen sollte, in dem ja Ausreden ganz groß geschrieben wird.
     
    15.06.2018 #92
    *Andrea*, t.b.d., Inge21 und 5 anderen gefällt das.
  3. @SeTi großer Text für dich... da oben...
     
    15.06.2018 #93
    Ekirlu und chava gefällt das.
  4. SeTi
    Beiträge:
    283
    Likes:
    215
    Welchen meinst du?
    Meinen, oder der von babe?

    LG
    SeTi
     
    15.06.2018 #94
  5. Synergie
    Beiträge:
    6.067
    Likes:
    6.608
    Von dir - für dich, wäre etwas ganz leicht sinnbefreit....
     
    Zuletzt bearbeitet: 15.06.2018
    15.06.2018 #95
  6. Tine4711
    Beiträge:
    278
    Likes:
    327
    Das eine ist die Erkrankung und ihre Folgen. Das andere sind die Menschen, die zurück bleiben und um den Verlust trauern. Schuldgefühle tauchen ohnehin auf. Es braucht noch nicht einmal einen wirklichen Grund dafür. Hätte ich etwas erahnen können, hätte ich noch mehr tun können...

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der einem erkrankten Menschen nahe steht, unbeteiligt bleibt und nicht versuchen wird zu unterstützen. Ich gehe sogar soweit, dass die meisten von uns auch einem fremden Menschen auf der Straße ohne viel Überlegung aus einem Verantwortungsgefühl heraus helfen würden. Die Frage ist, wie weit die eigenen Möglichkeiten tatsächlich reichen und ob man seine Möglichkeiten realistisch einschätzt.

    Gott, gib mir die Gelassenheit,
    Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
    (Reinhold Niebuhr)

    Ich würde dem Zitat gern noch hinzufügen: Gib mir auch das Einsehen und den Mut, Hilfe anzunehmen, wenn ich sie brauche...
     
    15.06.2018 #96
    *Andrea* und Zaphira gefällt das.
  7. Den, der an dich gerichtet ist, ohne dich zu informieren. Der von @babe
    :rolleyes:
    Vielleicht dachte er, ich mache ein Kompliment?
     
    16.06.2018 #97
  8. SeTi
    Beiträge:
    283
    Likes:
    215
    Nun gut, dann wollen wir mal ...

    Solche Diskussionen und Ansagen hatte ich leider schon ohne ende.
    Das was ihr hier wohl alle nicht mitbekommt, ist eben die Tatsache, dass ich aus meiner Empfindung raus schreibe und auch nur einen speziellen Fall vor dem geistigen Auge habe. Meinem.

    Die meisten hier sehen die Problematik eher von Seiten der Hinterbliebenen, ich breche eher die Lanze für die Akteure.

    LG
    SeTi
     
    16.06.2018 #98
    remember gefällt das.
  9. Synergie
    Beiträge:
    6.067
    Likes:
    6.608
    Das ist überdeutlich klar. Ich kann mir schwer vorstellen, dass das irgendwem entgeht.
    Nur ergehst du dich (ebenso) in Verallgemeinerungen. Darum geht es, u.a..
     
    Zuletzt bearbeitet: 16.06.2018
    16.06.2018 #99
    Friederike84 gefällt das.
  10. Mestalla
    Beiträge:
    1.164
    Likes:
    1.718
    Ich habe mich mit dem Thema intensiv beschäftigt und möchte mit einem bewußt etwas überspitzen Szenario einen Gedankenanstoß geben:

    Mensch 1 raucht Kette. Er möchte das Rauchen auch nicht aufgeben, weil er gerne raucht. Mit 50 bekommt er Lungenkrebs und verstirbt mit 55. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder. Die Eltern des Verstorbenen leben noch und sind pflegebedürftig.

    Mensch 2 (nicht depressiv) lebt alleine, ist kinderlos und pflegt einen sehr gesunden Lebensstil. Mit 60 nimmt er sich das Leben. Seine Eltern leben schon lange nicht mehr.

    Über Mensch 1 steht in der Todesanzeige "nach schwerer Krankheit verstorben"

    Über Mensch 2 sagt man, "der hat sich umgebracht"

    Wie gesagt, nur ein Gedankenanstoß....
     
    16.06.2018 #100
    MaryCandice gefällt das.
  11. Um bei der Todesanzeige zu bleiben: "plötzlich aus unserer Mitte gerissen" oder gar kein Text zu dem Thema.
     
    16.06.2018 #101
    Mestalla gefällt das.
  12. Wozu und wofür genau musst du eine Lanze brechen? Das Sprichwort in der Definition dient um eine Unterstützung, ein behilflich sein, anzuzeigen. Wenn hier also von Pro und Contra die Rede sein sollte, brichst du eine Lanze für das Pro?

    Wofür?... Wieso überspitzt? ....
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16.06.2018
    16.06.2018 #102
    Tone gefällt das.
  13. fraumoh
    Beiträge:
    2.740
    Likes:
    3.264
    Meine Mutter sagt immer : der Suizid begeht, bekommt die Erlösung von seinen Problemen - für die Eltern u Lieben ist es eine lebenslange Bestrafung.... stimme zu !
     
    16.06.2018 #103
    Tone gefällt das.
  14. SeTi
    Beiträge:
    283
    Likes:
    215
    Aber dennoch schreibe ich mir von meinem Gedankengut und meinen Erfahrungen diesbezüglich.
    Man möge mich steinigen für die tatsache, dass ich ab und zu ein paar Gedankengänge überspringe und dem Erwachsenen Menschen zutraue zu erkennen wie ich das eine oder andere nun gemeint hatte.

    Wofür ich hier eine Lanze breche....?
    Ganz einfach,... Weil es sonst keiner macht, ich mich eben hinein versetzten kann in die Probanden und deren Verzweiflung im Ansatz verstehe.
    Genauso diesen wunderbaren Moment der Befreiung und Erlösung erlebt habe, wie viele andere auch, die diesen Schritt gewagt, diese Schwelle übertreten haben. Auch um der Gesellschaft ein Stück weit die Angst zu nehmen, mit jenen umzugehen die ehemalige sind.

    Leider ist es immer noch in vielen Köpfen drinnen, dass es eben ein Tabu ist darüber zu sprechen und diskutieren.
    Der Post von Mestalla bringt es sehr schön ans licht.

    LG
    SeTi
     
    16.06.2018 #104
  15. remember
    Beiträge:
    11
    Likes:
    9
    @SeTi
    ich lese immer still mit hier...manche Komentare überlese ich einfach, viele Worte aber helfen mir weiter...dazu gehören DEINE
    DANKE!!!! in meinem und..ich denke auch in seinem Namen
     
    16.06.2018 #105