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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Was genau ist denn daran deine Erkenntnis?

    Für mich klingt das wahlweise nach Platitude oder Zirkelschluss.

    „Wenn man sich liebt, kann sich vieles verändern“
    Ja; wenn man sich nicht liebt, kann sich auch vieles verändern. Bzw. wenn man sich liebt, kann auch vieles gleichbleiben.

    Wenn ich als Bedingung setze, dass „man sich liebt“, ist klar, dass die Liebe da ist. Dann kann sie sich auch vertiefen.

    Was ist denn, wenn man sich liebt, sich vieles verändert und einer dann nicht mehr liebt - oder beide? Kommt das in deinem Modell nicht vor? Oder meinst du die „echte“, wahrhafte, göttliche „alles ist Liebe“ - Liebe? Die edel, hilfreich und gut ist und über alle menschlichen Schwächen erhaben?
    .
     
    20.12.2013 #136
  2. Weib
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Hallo Gulliver, ich freue mich, dass Du dieses Thema hier angeschnitten hast. Ich denke nämlich auch ständig darüber nach und werde nicht schlau daraus.
    Meine Theorie: das mit der sex. Treue ist gemacht, von der Gesellschaft. Nicht zuletzt von der Religion. Eine Norm. Wir übernehmen sie, weil sie uns lange genug eingebleut wurde.. Von männlicher Seite ist es die Sicherstellung, dass seine Samen zum Zuge kommen und nicht die anderer. Was ja wohl auch heute noch von Bedeutung ist (zu wissen, ob man der Erzeuger des Nachkommen ist oder nicht).

    Ich selbst habe meinen Partner 2x in den letzten Monaten "betrogen" (das nennt man wohl so), und zwar nicht, weil ich ihn nicht lieben würde, sondern weil ich in mir einfach dieses Potential spüre, weil ich die Erotik nicht nur mit meinem Partner und in meiner Fantasie ausleben will, sondern meine Neugier auch real befriedigen will. Ich empfinde kein Schuldgefühl und liebe meinen Partner deshalb nicht weniger. Es ist aber mein Körper! Natürlich habe ich ein Verantwortungsgefühl ihm gegenüber, deshalb würde ich das niemals ohne Schutz praktizieren. Ansonsten denke ich, ich habe ihm nichts weggenommen dadurch. Evtl. würde meine Beziehung sogar darunter leiden, wenn sich sex. Defizite anstauen würden. Ich kenne meinen Partner inzwischen so gut, bzw. uns beide in sex. Hinsicht, dass ich weiß, wie weit ich mit ihm kommen kann und was in dieser Beziehung sexuell nicht möglich ist. Es ist nicht alles erzwingbar, da kann man noch so viel drüber reden, es ist eine Sache der Veranlagung. Dennoch bin ich mit ihm glücklich, denn unsere Beziehung macht viel mehr aus als der sexuelle Aspekt. (Der Punkt, der für mich belastend ist und bleibt, ist, dieses Thema anzusprechen/ offenzulegen - oder nicht? Mache ich da u. U. mehr kaputt?)

    Martin Walser schreibt in seinem Buch "Das dreizehnte Kapitel": "Solange man jede Woche zweimal mit einander schläft, kann von Liebe nicht die Rede sein... es mag Liebe vorkommen bei erfüllungstüchtigen Paaren, nur, man kann es nicht wissen... Erst wenn das Geschlechtsleben nachlässt, aber das Gefühl nicht, erst dann empfiehlt es sich, das, was jetzt die Nähe produziert, Liebe zu nennen."

    Also verwechseln wir nicht Sex mit Liebe? Ist der sexuelle Alleinanspruch nicht eher ein Zeichen von Besitzdenken und Kontrolle als von Liebe?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22.12.2013
    22.12.2013 #137
  3. Weib
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Ich möchte Gulliver noch sagen, dass ich seine Verliebtheit/ Liebe toll finde, warum sollte man solche Hochgefühle nicht ausleben und sich gar zügeln? Nein! Genieße es - das ist das pure Leben, vielleicht sogar das schönste im Leben! Und das ist auch Realität! In dieser Phase sich bewusst zu bremsen, sich die Lupe aufzusetzen und mögliche Fehler des Anderen aufzuspüren - das halte ich für fatal und dumm. Liebe ist ein herrliches Gefühl und ein Geschenk, nimm es an!
     
    22.12.2013 #138
  4. AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Du meinst, bevor sich diese Liebe in die folgende verwandelt?

     
    22.12.2013 #139
  5. Weib
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    @Tina
    Was in der Zukunft passieren kann und wird, wissen wir sowieso nicht. Das kann niemand vorhersehen. Wir leben JETZT.
     
    22.12.2013 #140
  6. AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Das ja sowieso ;)

    Wenn du so zufrieden bist, ist ja alles prima. Ich hatte Gulliver so verstanden, dass er das von dir geschilderte Szenario unbedingt vermeiden will. Dabei geht es nicht um Fehler des anderen aufspüren. Miteinander reden soll helfen, hab ich gehört.

    Deinen Beitrag verstehe ich so, dass dir Betrügen lieber ist als dich mit deinem Partner über deine Bedürfnisse auseinanderzusetzen. Ich schätze mal, dass jeder da andere Werte-Reihenfolgen hat.
     
    22.12.2013 #141
  7. Andre
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Und genau das halte ich für völlig falsch. Man kann diese "Norm" nämlich bereits im Tierreich beobachten, aus dem wir bekanntlich hervorgegangen sind. Warum es dieses Phänomen gibt, hast du im nächsten Satz schon selbst angedeutet: es geht um Effizenz bei der Weitergabe der eigenen Gene bzw. erfolgreichen Brutaufzucht. Was uns in unserem luxuriösen Zivilisationsdasein so überflüssig und störend erscheint, war am Ursprung ein knallharter Überlebensvorteil in einer rücksichtlosen Wildnis. Deswegen hat sich das auch so tief und fest in uns eingebrannt.

    Ich frage mich, warum diese simple Tatsache nicht zur Kenntnis genommen wird und "uns" stattdessen eingeredet wird, wir seien nur verzogene Gören, die sich diese schlechte Manier einfach nur wieder abgewöhnen müssten.

    Darüber hinaus bringst du mit deinen Begriffen "Gesellschaft", "Religion" und "Norm" die Moral ins Spiel. Das halte ich ebenfalls für verfehlt, ich beurteile Treue/Untreue nicht moralisch bzw. betrachte Untreue nicht als unmoralisch. Dass du diese religiösen und gesellschaftlichen Moralvorstellungen kritisierst, darin stimme ich dir also zu. Ich halte diese Moralvorstellungen aber für eine nachträgliche Rationalisierung unserer ursprünglichen "wilden" Antriebe, die wie eine Fassade unsere besagte "Wildheit" verschleiert/verschleiern soll. Ich widerspreche dir also nicht, weil du diese Fassade kritisierst, sondern sie für die eigentliche Ursache hältst. Diese liegt aber *hinter* der Fassade.

    Um verstehen zu wollen, warum das Theme Treue/Untreue für uns Menschen zu allen Zeiten, unabhängig von der gerade geltenden Moral, ein "heißes" Thema war und ist, muss man der Sache auf den Grund gehen, also hinter die nachträglichen Rationalisierungen (Fassaden, Moral) gucken.

    Und im Grunde tust du im folgenden Absatz ja auch genau das:

    Ich lese da heraus, dass du für dein Fühlen, Denken und Handeln in diesem Punkt keine moralischen Maßstäbe oder rationalen Begründungen brauchst und dir auch nicht einreden lässt. Ja! Richtig! Aber das gilt doch dann auch für das Fühlen, Denken und Handeln des "Betrogenen"! Warum wird ihm nicht zugestanden, dass sein Schmerz, seine Eifersucht, seine Verlustangst "einfach das gefühlte Potential" sind, das er "real auslebt"? Warum muss *er* "Schuldgefühle empfinden", weil: – wie du am Ende schreibst – "der sexuelle Alleinanspruch nicht eher ein Zeichen von Besitzdenken und Kontrolle als von Liebe?" Warum wird ihm also sogar die Liebe abgesprochen?

    Meine Antwort darauf angesichts meiner eigenen "Sünden": weil man sich selbst Absolution erteilen will. Weil man sich von der Reaktion des "Betrogenen" nicht den Spaß verderben und nicht das Gewissen belasten lassen will. Weil man sich als "Hahn im Korb" in einer komfortablen und souveränen Gewinner-Position befindet, in der man zu Arroganz neigt, in der man den "Partner" als Loser wahrnimmt, weil er in dem Moment ein kleines heulendes Elend ist, weil er in unseren Augen ein manipuliertes "Opfer" der gesellschaftlichen/religiösen Normen ist.

    Und da wird's dann richtig perfide, denn damit spricht dem anderen auch noch die eigene Persönlichkeit, eigenen Willen und eigene Vorstellungen ab. Wie man über so eine eigenschaftlose, ferngesteuerte Marionette dann noch sagen kann "ich liebe sie/ihn ja trotzdem" oder gar "ich nehme ihm doch nichts weg", hab ich damals auch nicht verstanden.

    Ich bin darauf absolut nicht stolz. Und du?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22.12.2013
    22.12.2013 #142
  8. artistin
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    interessante reflektion.

    ja, es gibt schon viele möglichkeiten des selbstbetruges und subtiler stabilisierungstendenzen.

    was folgte für dich aus diesen überlegungen für dein jetziges beziehungsverhalten?
     
    22.12.2013 #143
  9. Heike
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Ich weiß nicht, ob diese wechselweisen und irgendwie auch symmetrischen Verdächtigungen was bringen. Daß jeder rationalisiert, ist doch klar. Daß tut der Seitensprungerlauber ebenso wie der "Treue"-Fan. Anstatt sich ohne Begründung wechselweise "Du bist der, der sich was vormacht!" pingpong zuzuspielen oder die Begründungen des anderen durch Generalverdacht auszuhebeln und die eigenen glaubensbekenntnismäßig als selbstverständlich, anständig, natürlich, evolutiv sinnvoll oder wie auch immer pseudozurechtfertigen, könnte man doch schauen, ob es da nicht einfach einen Konflikt gibt, der vielleicht nicht aufzulösen ist, vor dem aber auch nicht unbedingt kapituliert werden muß. Es könnte halt auch so sein wie sonst, daß eben unterschiedliche Interessen und Wünsche vorliegen. Da gehts dann weder um Kirche noch Gesellschaft noch Natur oder sonstigens, sondern einfach darum, daß dem einen dieses wichtig ist, dem anderes jenes - und beide dann schauen können, ob sie diese Differenz irgendwie bewältigen können oder nicht.
     
    22.12.2013 #144
  10. Andre
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Ich hatte (mit einer sehr langen Single-Pause dazwischen) danach eine Beziehung, in der ich mich eines Tages in der entgegengesetzten Position wiederfand. Diese Möglichkeit hatten wir uns aber von Anfang an im gegenseitigen Einvernehmen eingeräumt – weh tat's aber trotzdem. Was mich besonders erschreckt hat, war, wie arrogant und herablassend sich meine eigenen Worte aus dem Munde eines anderen anhören.

    Erst aus diesen beiden Beziehungen zusammengenommen bin ich zu der letztendlichen Erkenntnis gekommen, dass mein Liebäugeln und Herumeiern mit "polyamoren" Beziehungsformen auf Selbstüberschätzung und idyllischen Vorstellungen meinerseits beruhte. Die Konsequenz daraus war ja dann logischerweise, dass ich nur noch monogam leben will. Und siehe da, es macht Spaß, und es fühlt sich gut an, nicht mehr mit zweierlei Maß im Kopf herumzulaufen.
     
    22.12.2013 #145
  11. Weib
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Ich verstehe, dass das so ankommt, was ich schreibe. Nein, ich habe mit meinem Partner immer geredet, wir sind immer im Austausch, und am Arbeiten und Umsetzen. Ich sehe dennoch nicht den Grund, warum ich deshalb meine Sexualität ausschließlich mit ihm umsetzen sollte oder müsste? Im Gegenteil empfinde ich es als viel entspannter, wenn ich das, was er trotz aller Bemühungen und Erläuterungen einfach nicht imstande ist, mir zu geben, ihm auch nicht abverlangen muss. Ob ich es mir dann selbst "erledige" oder einen anderen einbeziehe, ist für mich kein so großer Unterschied. Das Kopfkino agiert einfach, ob der Verstand ja oder nein dazu sagt!
    Natürlich könnte ich einfach verzichten. Aber wie lange geht das gut? Immer das Gefühl von Verzicht haben zu müssen? Ich habe meinen Partner sehr gern und möchte mit ihm zusammen bleiben, ohne dass diese evtl. uns auseinander treibenden Differenzen aufkommen. Insofern ist für mich das Ausweichen sogar eine Art direkte Beziehungsarbeit. (Ich nehme meinem Partner absolut nichts und bin ihm gegenüber erst recht die liebende Partnerin. Ich habe mal einen Film gesehen, in dem ein alternder Ehemann seiner jüngeren Frau einen Liebhaber ausgesucht hat - aus Liebe zu ihr, das fand ich sehr rührend - sie ist ihm immer treu geblieben in ihrer Herzensliebe.)

    Jetzt bin ich auf die nicht ausbleibenden Proteste gespannt und vorbereitet....
     
    22.12.2013 #146
  12. AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Jetzt bin ich verwirrt. Weiß er es oder geschieht's "hinter seinem Rücken"?
     
    22.12.2013 #147
  13. Weib
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    @Andre

    Wer spricht denn von stolz sein? Darum geht es nicht.

    1. Wieso sollte ich dem Partner die Persönlichkeit, den eigenen Willen oder gar seine Liebe absprechen, wenn ich meine definitiv vorhandene Freiheit gebrauche? Ich habe mich ihm nie leibeigen gemacht. Und ich habe ihm nie etwas weggenommen, im Gegenteil, wir geben uns alles, was wir können und in unseren Möglichkeiten liegt.

    2. Er ist genauso frei, seine Freiheit zu gestalten. Insofern ist er keine Marionette, sondern wir sind gleichberechtigt. Als Looser sehe ich meinen Partner keinesfalls – warum denn? Ich schätze ihn so hoch wie kaum einen anderen Menschen. Zum „Opfer“ macht man sich selbst – oder lässt sich zu einem solchen machen durch das Umfeld. Davon sind wir beide aber Gott sei Dank frei.

    3. Ja, ich liebe ihn trotz allem, so ist es einfach. Und ich spüre meine Liebe zu ihm sogar stärker denn je. Denn sie ist über die primitive sexuelle Sphäre hinausgewachsen.

    Ja, aber diese Gründe sind heute nicht mehr in dieser Art vorhanden. Wir haben uns weiter entwickelt. Und wenn uns das bewusst ist – woher dies alles rührt – können wir frei damit umgehen und müssen uns nicht wie Höhlenmenschen verhalten.
    Sicherlich: ich gebe zu, dass durch Maßnahmen wie Verhütung, Abtreibungspille, politische Manipulation die Fortpflanzung z. B. der Deutschen massiv behindert, wenn nicht gar reglementiert und unterbunden wird. Aber auch jeder Deutsche ist ein Individuum und kann dazu ja sagen oder nein.

    Mehr habe ich zu der Thematik eigentlich nicht zu sagen. Ich fühle mich einfach frei und liebe aus dieser Freiheit heraus. Mehr geht, denke ich, (für mich) nicht.
     
    22.12.2013 #148
  14. Weib
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    AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Er weiß es noch nicht. Aber ich werde es ihm bei der nächsten Gelegenheit - von Angesicht zu Angesicht - sagen. Und ich bin gespannt auf seine evtl.Gegenberichte. Ich gestehe ihm das ganz genauso zu.
    Und noch einmal: ich bin nicht leibeigen. Über meinen Körper verfüge ich ganz allein. Wir haben uns nie einander das ausschließliche "Nutzungsrecht" über unsere Körper versprochen. Liebe ist ein Geschenk, und die können wir uns immer wieder neu schenken, mit allem, was wir sonst gern geben von uns. Ein Recht darauf gibt es allerdings nicht.
     
    22.12.2013 #149
  15. AW: Warum ist sexuelle Treue so wichtig?

    Wenn ihr es von Anfang so ausgemacht habt, finde ich es ok.

    Wenn du ihn vor „vollendete“ Tatsachen stellst, wertest du deinen Anspruch auf Freiheit höher als seinen evtl. Anspruch auf Exklusivität. Kannst du gerne tun; in einer Beziehung, die ich Liebe nenne, würde ich mir solche Abstimmungen vorher wünschen.
     
    22.12.2013 #150