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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Miwamo

    Miwamo

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    Ein guter Gedanke! Auch hier gilt es, auf sich selbst zu schauen. Objektiv betrachtet sind wir immer frei (von Ausnahmen echter Unterdrückung und Freiheitsberaubung abgesehen). Wir können stets tun und lassen, was wir wollen. Wir fühlen uns nur deswegen unfrei, weil wir die Konsequenzen auf bestimmte Handlungen fürchten. Wenn ich z. B. einen Partner habe, der beleidigt oder wütend oder verletzt auf bestimmte Verhaltensweisen reagiert, dann wird das empfundene Maß meiner Freiheit davon bestimmt, wie sehr ich versuche, diese Reaktionen zu vermeiden. Daher hängt die subjektive Wahrnehmung von Freiheit für mich von zwei Größen ab: Erstens, wie abhängig mache ich mich von den den Reaktionen meines Partners? (Wenn er beleidigt ist, wer hat dann ein Problem?) Zweitens, wie gut passt der Partner mit seinen Reaktionen zu mir? (Will ich mit jemandem zusammen sein, der ständig beleidigt ist?)
    Dass die von mir oben beschriebenen Verhaltensweisen (beleidigt sein) und Reaktionen darauf, der Angst entspringen und nicht der Liebe, liegt ja auf der Hand. Die Freiheitsapostel sind also die Apostel der Liebe. Die anderen sind die Angstapostel, die glauben, um eine Partnerschaft "kämpfen" zu müssen.
    Wer kann sich schon immer hundertprozentig sicher sein? Wir sind Menschen! "Eigentlich" passt hier wunderbar.
    Stimmt. Aber schöner wäre es doch, sich in einer Partnerschaft frei zu fühlen und dem Partner die subjektiv empfundene Freiheit nicht durch angstgeprägtes, manipulatives Verhalten einzuschränken.
    @Rubena Ich glaube tatsächlich, dass echte Liebe frei ist und frei macht. Man muss "nur" den richtigen Partner finden und sich der eigenen Freiheit und der des Partners bewusst sein. Und weil wir Menschen sind, und nicht Jesus, wird es immer ein Ideal bleiben, dem wir nur so nahe wie möglich kommen können. Bedingungslose Liebe. Frei von Angst.
     
    07.06.2017 #61
    Halleloia, Tone und Marlene gefällt das.
  2. Ich sehe den Ansatz so: Freiheit durch Liebe!:)
    Liebe macht stark, beflügelt, verankert Einen so, dass eigene Grenzen verlassen werden, inspiriert usw. und ist unterstützend bei der persönlichen Entwicklung. Gefühlte Einschränkung in der Praxis - "ich muss jetzt das und das tun und will aber nicht, nervt mich total, keine Lust darauf" können sich als Reaktion auf einen mehr besitzergreifenden Partner, der z.B. aus Verlustangst oder Einsamkeitsgefühl, Prestigegedanken oder sogar Kontrolle, Nähe verlangt, ergeben. Die zusätzliche Anforderung zum eigentlich eh schon ungewollten Erlebnis: "mach das doch wenigstens mir zuliebe!" bewirkt dann nur auf die Dauer einen heimlichen Groll auf den Partner. Wenn man in dieser Situation sich befindet: entweder ist der Eine enttäuscht oder der Andere ist mißmutig, beginnen die ersten Risse.
    Deswegen beruht Liebe auf: Loslassen, Loslassen, Loslassen. Und, davon bin ich überzeugt, dass ähnliche Interessen und eine ähnliche Weltanschauung eine gute Basis für Dauerhaftigkeit sind.
    Wie so oft, beruht das Ganze auf einer Dialektik: je freier, desto näher. Aus Liebe dem Anderen etwas zuliebe machen, geht dann durchaus, wenn kein Zwang dahinter steckt, sondern man einfach das Bedürfnis hat, mit ihm das Erlebnis zu teilen, ihm nahe zu sein. Dann kann auch der Inhalt des Erlebnisses in den Hintergrund treten, es kann zu einer Bereicherung werden, außer, es ist wirklich so, dass man es komplett ablehnt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 07.06.2017
    07.06.2017 #62
  3. Miwamo

    Miwamo

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    Wunderbar! Danke!

    Liebe will nicht
    Liebe kämpft nicht
    Liebe wird nicht
    Liebe ist
    Liebe sucht nicht
    Liebe fragt nicht
    Liebe ist
    So wie du bist
    (Nena)
     
    07.06.2017 #63
    Mentalista und lisalustig gefällt das.
  4. Philippa

    Philippa

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    Du weisst es offenbar besser als ich. Statt zu verstehen versuchen, was ich sagen wollte, spielst du Tüpflischiisser...:( Das "eigentlich" bezog sich nicht auf meine Angst, sondern darauf, dass im von mir zitierten Beitrag von Rubena implizit behauptet wurde, dass eine Partnerschaft immer mit der Angst, den Partner wieder zu verlieren, einhergeht.

    Ich versuche, gegenüber meinem Partner und mir selbst so zu handeln, dass ich das Risiko, um die Partnerschaft überhaupt je kämpfen zu müssen, minimiere. Meine Partnerschaft ist voll von Freude, ich sehe da keinen Kampf. Aber, dass ich nicht bei jeder Meinungsverschiedenheit davon laufe(n würde), das hätte ich dir eigentlich zugetraut zu wissen. Mich nervst du manchmal ziemlich, lieber fafner. Ich habe den Eindruck, dass du manchmal sinnloserweise wider besseres Wissen provozierst. Dann empfinde ich es so, als ob es dir nicht ums Thema ginge, sondern eher darum, dich selbst in Szene zu setzen...o_O

    Das sehe ich auch so.
     
    07.06.2017 #64
    Tone und Miwamo gefällt das.
  5. Julianna

    Julianna

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    Dann verstehst du "Freiheit" sehr philosophisch. Denn echte Freiheit können wir nicht erlangen. Wir müssten dazu gänzlich frei sein von Bedürfnissen (zb. Durst und Hunger). Es gibt Mönche die versuchen eine solche "geistige Freiheit" zu erlangen, indem sie in stundenlanger Meditation jegliche Bedürfnisse unterdrücken.
    Ansonsten ist Freiheit auch immer von etwas abhängig - nämlich der Tilgung bestimmter Bedürfnisse (im philosophischen Sinne).
     
    Zuletzt bearbeitet: 07.06.2017
    07.06.2017 #65
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  6. Rubena

    Rubena

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    Wir werden unseren Partner immer verlieren... außer wir sterben vor ihm! Aber zum Glück kann der Mensch gut verdrängen. Wir können ohne liebe nicht leben, nur existieren...
     
    07.06.2017 #66
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  7. fafner

    fafner

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    Das macht doch jeder so.
    Das ist am Anfang auch immer bei jedem so.
    Auch das versucht jeder so.
    Mich nerven halt solche Threads, liebe Philippa. Da hau ich dann gern mal rein und spiele den Bösewicht, stimmt. Macht ja sonst keiner. ;)
    Dieses "wir müssen nur richtig lieben, dann werden wir grenzenlose Freiheit und ewige Glückseligkeit erlangen" find ich eben... na ja. Denn, die Lebenserfahrung - auch Deine - sagt einem doch etwas anderes. o_O Eigentlich...
    Hast Du denn keine Angst (schon wieder dieses Unwort), daß Du eine neue Beziehung mit geradezu unerfüllbarer Erwartungshaltung überfrachtest? Ich beantworte es mir am besten gleich selbst: hast Du - natürlich - nicht. Solcherlei Zweifel sind in Deinem Weltbild anscheinend wegphilosophiert. Das ist direkt übermenschlich. :rolleyes:
    Aber allein ein Blick in dieses Forum hier zeigt mir, daß das noch nicht bei allen so ist. Und das beruhigt mich dann wieder.

    Nach meiner Ansicht haben wir hier in dem Thread bisher eine klassische Inkongruenz von Wunsch und Wirklichkeit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 07.06.2017
    07.06.2017 #67
  8. Miwamo

    Miwamo

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    Mir zeigen das Forum und dieser Thread auch, dass wir nicht alle die gleiche Wirklichkeit teilen. Das macht es auch interessant.
     
    07.06.2017 #68
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  9. Philippa

    Philippa

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    @fafner: Was du nicht alles weisst! Sooooo gut, dass wenigstens du auf dem Boden bleibst. Ich schraube mal meine Erwartungshaltung für heute ziemlich runter und wünsche mir nur noch etwas Schlaf. ;)
     
    07.06.2017 #69
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  10. Mondlicht

    Mondlicht

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    Lieber Tone,

    Deine Frage und Dein Eingangspost haben mich an eine Passage aus einem meiner Lieblingsbücher erinnert, die ich doch zu gerne mit Dir teilen würde:

    Eine Passage aus meinem Lieblingsbuch von dem Autor Paulo Coelho aus seinem Roman "Elf Minuten", Seite 228f:

    Aus Marias Tagebuch, am Tag bevor sie ihr Rückflugticket nach Brasilien kauf:

    Es war einmal ein Vogel. Er besaß ein Paar vollkommener Flügel und glänzende, bunte, wunderbare Federn und war dazu geschaffen, frei am Himmel zu fliegen, denen zur Freude, die ihn sahen.
    Eines Tages sah eine Frau diesen Vogel und verliebte sich in ihn. Sie schaute mit vor Staunen offenem Mund seinem Flug zu, ihr Herz schlug schneller, ihre Augen leuchteten vor Aufregung. Er bat sie, ihn zu begleiten, und beide schwebten in vollkommener Harmonie am Himmel. Und sie bewunderte, verehrte, feierte den Vogel.
    Aber dann dachte sie: Vielleicht möchte er ferne Gebirge kennenlernen! Und die Frau bekam Angst. Fürchtete, dass sie so etwas mit einem anderen Vogel nie wieder erleben könnte. Und sie wurde neidisch auf den Vogel, der aus eigener Kraft fliegen konnte.
    Und sie fühlte sich allein.
    Und dachte: "Ich werde dem Vogel eine Falle stellen. Wenn er zurückkommt, wird er nie wieder wegfliegen können."
    Der Vogel, der auch verliebt war, kam am nächsten Tag zurück, ging in die Falle und wurde in einen Käfig gesteckt.
    Die Frau schaute täglich nach dem Vogel. Er war ihre ganze Leidenschaft, und sie zeigte ihn ihren Freundinnen, die meinten: "Du hast vielleicht ein Glück". Dennoch vollzog sich eine merkwürdige Veränderung: Seit sie den Vogel besaß und ihn nicht mehr zu beobachten brauchte, begann sie das Interesse an ihn zu verlieren. Der Vogel, der nicht mehr fliegen konnte, was den Sinn seines Lebens ausmachte, wurde schwach, glanzlos, hässlich. Die Frau beachtete ihn nicht mehr, fütterte ihn nur noch und reinigte seinen Käfig.
    Eines Tages starb der Vogel. Die Frau war tieftraurig und konnte ihn nicht vergessen. Aber sie erinnerte sich dabei nicht an den Käfig, nur an den Tag, an dem sie den Vogel zum ersten Mal gesehen hatte, wie er fröhlich zwischen den Wolken dahinfolg.
    Hätte sie genauer in sich hineingeschaut, so hätte sie bemerkt, dass das, was sie am Vogel so sehr begeisterte, seine Freiheit war, sein kräftiger Flügelschlag, nicht sein Körper.
    Ohne den Vogel verlor auch für die Frau das Leben seinen Sinn, und der Tod klopfte an ihre Tür. - "Wozu bist du gekommen?" fragte sie den Tod. - Damit du wieder mit dem Vogel zusammen am Himmel fliegen kannst", gab der Tod zur Antwort. "Wenn du ihn hättest fliegen und immer wiederkommen lassen, hättest du ihn geliebt und noch mehr bewundert; aber nun brauchst du mich, um ihn wiederzusehen."


    Ich persönlich Liebe diese Geschichte sehr und vielleicht hilft sie Dir bei der Frage was "Freiheit der Liebe" bedeutet.
     
    16.09.2017 #70
  11. Synergie

    Synergie

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    Sehr schön!
    Ich bin eindeutig zu nah am Wasser gebaut in letzter Zeit...
     
    16.09.2017 #71
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  12. WolkeVier

    WolkeVier

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  13. Tone

    Tone

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    Hallo @Mondlicht ,
    danke für deinen Beitrag. Die Geschichte bewegt mich, sie zeigt wunderschön wie aus der Faszination zur Freiheit eine traurige Abhängigkeit werden kann. Denkst du in Liebesbeziehungen gehört eine emotionale Abhängigkeit dazu, also eine gewisse Aufgabe der persönlichen Freiheit? Damit beschäftige ich mich momentan.

    Heute würde ich die Eingangsfrage anders stellen, weil mir eine Verknüpfung der persönlichen Entfaltung mit der Verantwortung für die Freiheit anderer nicht sinnvoll scheint, auch nicht in einer Beziehung.
     
    17.09.2017 #73
  14. Mondlicht

    Mondlicht

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    Lieber Tone,

    ich danke Dir für Deine Nachricht, dahingehend, wie die Geschichte auf Dich gewirkt und was sie in Dir bewegt hat.

    Deine Fragen kann ich verstehen und nachvollziehen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich im Spiel des Lebens besser schlage als in der Liebe. Die Liebe ist ein Spiel, welches ich bis dato noch nicht vollkommen verstanden habe. Daher bin ich mir auch unsicher, ob ich die richtige Ansprechpartnerin für Dich bin.

    Ich bin selbst ein Kind der Freiheit und Abhängigkeit - wie auch immer man sie am Ende nennen mag - ist etwas, dass ich in gewisser Art und Weise mit Sucht in Verbindung bringe.

    Ein Beispiel:
    Ein Mann stellt schockiert und tief verletzt fest, dass er von seiner Partnerin - die, wie er bisher immer dachte ihn genauso sehr liebte wie er sie - mit anderen Männern wiederholt betrogen wird. Da der Mann seine Angebetete aber so unglaublich liebt, bleibt er trotz ihres Verrates an ihn bei ihr. Dadurch nimmt er auch ihre künftig folgenden Fehltritte in Kauf und verzeiht ihr immer und immer wieder. Kann sich dieser Mann vor diesem Hintergrund als "glücklichen, liebevollen und verständnisvollen" Mann bezeichnen? Vermutlich nicht. Er liebt und hasst seine Partnerin zugleich, fühlt sich aber nicht im Stande sie zu verlassen, da seine emotionalen Ketten stärker sind, als der Ruf seines Verstandes sich aus dieser Situation endgültig zu befreien.

    Es stellt sich die Frage, wie man eine "emotionale Anhängigkeit" wohl am besten definieren könnte. Von jemanden abhängig zu sein, bedeutet für mich einen Mangel bei einem selbst zu haben, welchen man versucht durch seinen Partner "auszugleichen" (in Ermangelung eines besseren Wortes).

    Einer meiner Lieblingsautoren Jean-Paul Satre schrieb in seinem Werk "Die geschlossene Gesellschaft" folgende Zeilen: "In welchem Teufelskreis wir auch immer sind, ich denke, wir sind frei, ihn zu durchbrechen. Und wenn die Menschen ihn nicht durchbrechen, dann bleiben sie, wiederum aus freien Stücken, in diesem Teufelskreis. Also begeben sie sich aus freien Stücken in die Hölle."

    Es ist ein schmaler Grad zwischen Liebe und Abhängigkeit ...
     
    17.09.2017 #74
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  15. Tone

    Tone

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    Wunderbar diese Zusammenfassung, danke @Mondlicht
    https://www.youtube.com/watch?v=VlyUPxp4R2Q
     
    17.09.2017 #75