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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Porcia72
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    Was preisgeben beim ersten Date

    Stolz bin ich auf dass ich trotz meines bisher nicht positiven Lebenslauf: Mit 11 sexuell belästigt, mit 16 nochmals, mit 21 vergewaltigt, Mobbing, Demütigungen, Schlägen, gewürgt, beklaut... Es geschafft habe, zu lachen, mit wenig glücklich zu sein. Zum ersten Mal in meinem Leben - mittlerweile doch 46 - zu leben, ohne zu funktionieren.
    Jetzt ist mir aber auch bewusst, dass 35 Jahre nicht einfach zu streichen sind und es auch immer mal Rückwürfe geben kann. Was kann/soll ich von meiner Vergangenheit preisgeben, um mir nicht den Weg ganz zu verbauen?
    Durch eine Therapie bin ich ziemlich gefestigt, möchte dennoch auch nicht verschweigen, dass es nicht immer einfach sein kann. Es passiert mir vor allem, wenn Gewalt im Fernsehen gezeigt wird, dass ich zusammenzucke. Gegen konstruktive Kritik habe ich hingegen gar nichts bzw trete ich schon sehr selbstbewusst auf.
     
    22.01.2019 #1
  2. Ailana
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    Liebe Porcia72,
    erstmal: Hut ab, dass du mit all deinen Erfahrungen nun positiv nach vorn schaust. Ich habe absoluten Respekt vor solchen Menschen.

    Ich persönlich denke, ich würde beim ersten Date davon allerdings nichts preisgeben. Vielleicht bin ich da nur so, aber ich finde beim ersten Date sollte es noch nicht um solch ernste (und trotzdem wichtige) Themen gehen. Ich sehe das erste Date als beschnuppern an... ein erstes RealLife kennenlernen... um abzuklopfen wie der andere in "echt" tickt, denkt, redet etc. Vielleicht auch um zu sehen, ob man den Gegenüber anhand dem schriftlichen Austausch/Telefonat auch bereits wirklich richtig eingeschätzt hat.
    Ich finde um solche Dinge zu erzählen braucht es Vertrauen. Ich für meinen Teil kann das nicht so schnell aufbauen... und irgendwie bin ich generell vorsichtiger geworden nicht all zu viel aus meinem tiefsten Inneren gleich am Anfang preiszugeben.
     
    22.01.2019 #2
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  3. Mia100
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    Das tut mir sehr leid, was dir in Vergangenheit passiert ist. Klasse, dass du das für dich aufgearbeitet hast.

    Ich würde gar nichts davon im ersten Date erwähnen. Man kennt sich noch gar nicht und du weißt überhaupt nicht, wohin das erste Date führen wird. Schlimme Dinge aus der Vergangenheit zu erzählen, bedarf ganz viel Vertrauen. Irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt wirst du wissen, wann der richtige Augenblick ist oder ob du es überhaupt oder verkürzt erzählen möchtest.

    Alles Gute für dich!
     
    22.01.2019 #3
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  4. pointsman
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    Hm, Fernsehen hat ja schon auch eine dramaturgische, übertreibende, Spannung fördernde Komponente, trotzdem, möglicherweise ist das noch nicht so weit verarbeitet, dass dich das immer noch triggert. Es ist schwierig mehr dazu zu schreiben, das kannst du selbst besser beurteilen was welche Rolle spielt.

    Ansonsten finde ich nicht, dass du dir da besondere Gedanken machen musst. Die durch Reflexion gewonnene Reife wird mit einiger Wahrscheinlichkeit ihre Entsprechung in einem "ebenbürtig reifen" Partner finden. Dazu musst du nicht mehr von deiner Vergangenheit erzählen als sich ergibt. Ich ginge das defensiv an, d.h. nur wenn das Thema darauf kommt (edit: ) oder wenn du es für richtig hältst.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.01.2019
    22.01.2019 #4
  5. lisalustig
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    Ich finde es schwierig bis unmöglich, das zu beurteilen. Hängt sicher auch davon ab, welchen Einfluss Deine schlimmen Erfahrungen auf Dich im "normalen Leben" haben. Wo Du ggf. Einschränkungen hast. Wenn Du noch in Therapie bist, würd ich mal mit dem Therapeuten drüber reden. Ansonsten ist für eine solche Öffnung eine große Vertrauensbasis erforderlich.
     
    22.01.2019 #5
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  6. Percanta
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    Ich glaube, liebe Porcia, dass mit so einer Vergangenheit kommst du schnell in Beziehungen die alte Modelle von Dir wiederholen. Gewalt und Demütigung sind keine Kleinigkeiten. Im Vergleich ist das Outen von der Geschichte zweitrangig. Ich wünsche Dir, diesbezüglich, viel Besonnenheit.:)
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.01.2019
    22.01.2019 #6
  7. Synergie
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    Mit Verlaub, etwas destruktiveres ist dir wohl nicht eingefallen? Und dass sie das selbst mit Sicherhwit eh schon weiß, wolltes du wohl auch nicht berücksichtigen?
    *kopfschüttelnd ab
     
    22.01.2019 #7
  8. Synergie
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    Die Ansicht, dass eine große Vertrauensbasis notwendig ist, teile ich nicht.
    Ich sehe die Schwierigkeit eher darin, Dinge zu erzählen, mit denen man sich seit Jahrzehnten auseinandersetzt und die für einen zwar prägend, aber - dadurch dass sie so ein elementarer Bestandteil der eigenen Biographie sind - auch irgendwie auf ganz schräge Art und Weise sowas wie "normal" sind. Da dies aber für den Zuhörer vermutlich nicht der Fall ist, kann der Inhalt recht heftig wirken und die Werkzeuge im Umgang damit fehlen.

    So oder so, möchte ich mich den Empfehlungen anschließen, reaktiv damit umzugehen. Also, wenn es sich ergibt oder es notwendig ist, so viel erzählen, wie nötig und soweit du dich wohl fühlst.
    Ich denke einfach so das Gespräch darauf lenken wäre wohl nicht sonderlich kennenlernförderlich.

    Und dazu empfehle ich noch, wenn man über die ersten paar Dates hinaus ist und glaubt, dass da Potenzial drin stecken könnte, dem Gegenüber Werkzeuge für den Umgang, mit an die Hand zu geben (Wenn dass-und-das, dann nimm bitte Abstand, wenn das-und-das, dann wünsche ich mir eine Umarmung, etc.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.01.2019
    22.01.2019 #8
  9. Porcia72
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    Schon mal danke für eure netten Antworten.
    Nein, die Therapie wurde im letzten Sommer durch meinen Therapeuten beendet, weil er meinte, dass ich stark genug bin.
    In der Therapie hat sich herauskristallisiert, dass das Helikopter erhalten meiner Eltern sehr viel zu meinem Lebenslauf beigetragen hat. Dadurch musste ich mich komplett lösen. Mein Vater ertrug meine Widerworte nicht.
    Durch die Therapie hab ich gelernt, mich zu lösen, wenn mir etwas gar nicht gut tut. Was mir zumindest wichtig ist und ich immer anspreche, dass egal was ist, es mir ehrlich gesagt wird.
    Ich habe Unterstützung durch Freunde und Bekannte. Genieße das Leben mit meiner Tochter.
    Lügen, demütigende Diskussionen oder eine falsche Handbewegung führt noch ab und an zu Zuckungen und Tränen.
    Es bedarf sicher einen starken Partner, dazu zählt aber jemand, der Gefühle zeigen kann und sich nicht abwendet, weil er einen Schwächen Moment hatte.
     
    23.01.2019 #9
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  10. Traumichnich
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    Und wie schätzt Du Dich selbst ein ... ?

    Glückwunsch - damit bist Du wahrscheinlich weiter als viele "Normalos" ! :)

    ... und damit umzugehen, muß ein Partner erst lernen !

    Deshalb bin ich - ausnahmsweise ! ;) - mal anderer Ansicht als @Synergie. IMVHO ist das sehr wohl eine Frage des Vertrauens, und zwar deshalb, weil jemand ohne diese Erfahrungen nicht wissen kann, was in Dir vorgeht. Die automatischen Reaktionen, Reflexe auf bestimmte Situationen, die für Dich "irgendwie auf ganz schräge Art und Weise sowas wie "normal" sind", wie @Synergie schrieb - woher soll ein Dritter die kennen und - ganz wichtig ! - damit umgehen können ?

    Das zu lernen ist sicher eine Sache, die viel Zeit und - von beiden Seiten ! - Vertrauen erfordert !

    Deshalb würde ich auch - wie die anderen schon schrieben - nicht "damit hausieren gehen", sondern erst einmal abwarten und die mögliche Beziehung sich etwas entwickeln lassen, dann kannst Du die Situation und den potentiellen Partner auch schon etwas besser einschätzen. Das Thema wird zwangsläufig irgendwann von alleine auf's Tapet kommen, wenn eine solche Situation eintritt, und dann kannst Du immer noch entscheiden, wieviel Du dann preisgibst.

    Wobei die Grenze zum "Weichei" da ein sehr schmaler Grat sein kann ! :( Vor allem, wenn ein potentieller Partner schon das eine oder andere von Dir weiß und deshalb meint, er müsse "für Dich stark sein" und "Dich beschützen", in dem er keine Schwäche zeigt - diese Gefahr halte ich bei Deiner (Vor-) Geschichte für relativ groß.

    Ich denke, da hilft dann nur, darüber zu sprechen - und das kannst Du ja unabhängig von Deiner persönlichen Geschichte machen ! ;)
     
    23.01.2019 #10
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  11. Porcia72
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    @Traumichnich. Ich selbst sehe mich mittlerweile selbstbewusst - was leider heute noch viel falsch verstanden wird - d. h. Ich kenne meine eigenen Grenzen und versuche diese zu überschreiten, wann ich mich dafür reif fühle.

    Durch die Gewalt, möchte ich zwar in den Arm genommen werden, jedoch zu sehr gedrückt werden, kann Angst auslösen und ich muss - vermutlich mehr als andere - Probleme selbst lösen dürfen.
    Was verstehst du unter Weichei?
    Ein Mann, der Gefühle zeigt, authentisch ist, mich unterstützt ohne zu übernehmen, seine Grenzen kennt und dazu steht ist es auf alle Fälle nicht.
    Habe im Dezember erst wieder die Erfahrung gemacht, dass ein Mann mir seine "weiche" Seite zeigte, sich am nächsten Tag verabschiedete, obwohl wir bereits mehrere schöne Treffen mit wunderbaren Gesprächen hatten und auch er mir von seinem problematischen Vorleben erzählte. Er hatte sogar das Vertrauen, mir sein Zuhause zu zeigen, zeigte mir Fotos seiner Tochter. Da hat mich seine SMS dann doch irritiert, aber ich habe sie natürlich respektiert.

    Deshalb arbeite ich auch an meinem Roman, um mir selbst vor Augen zu halten, was ich in kürzester Zeit mit und ohne Hilfe bewältigt habe und sehe auch mit jeder neuen Bekanntschaft eine neue Erfahrung ohne zu großer Reflexion. Niemand Fremdes kann für mein Vorleben, dennoch prägt es.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.01.2019
    23.01.2019 #11
  12. SeTi
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    Hallo Porcia72,

    Gerade die Problematik bei Traumata ist sehr Individuell zu betrachten, somit hat auch jeder der davon betroffen ist seine eigene Geschichte.
    Es tut gut zu hören, wenn jemand für sich selbst einen akzeptablem Weg aus dem ganzen Schlamassel gefunden hat.

    Was ich allerdings als eher nebensächlich bewerte, ist die Tatsache, dass es nicht so wichtig ist, ob ein Mann dir nun seine weiche Seite zeigt.
    Jeder Mensch hat hier seine Vorlieben und auch Schwächen, das macht uns eben zu empfindungsfähigen Wesen.

    Ob du nun deine Vergangenheit, deinen Leidensweg, offenbarst oder nicht, dass darfst du und nur du entscheiden. Du trägst eben auch die Konsequenzen deines Handelns. Sollte es notwendig sein, so würde ich schon etwas Preis geben, allerdings sehr auf mein Date achten, wie die Reaktionen darauf sind.

    Nicht notwendiger Weise muss man gleich Werkzeuge mitgeben. Jemand der nie mit Achtsamkeit, Skills, sozialer Kompetenz usw in Therapeutischen Umgebungen konfrontiert wurde, wird wohl das eine oder andere Problem dann mit diesen "Werkzeugen" haben, schlicht weg überfordert sein.

    Ich würde sehr Achtsam mit mir umgehen bei einem ersten Date und dann sehr individuell entscheiden ob und was ich von meiner Vergangenheit erzähle.

    Alles gute dir

    lg
    SeTi
     
    23.01.2019 #12
  13. Traumichnich
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    Darf ich fragen,
    1. von wem und
    2. wie ?
    Ich glaube, Dein Doc hat Dich gaz richtig eingeshätzt ! ;)

    Vielleicht sagt Dir "Softy" mehr ... ?

    Männer, die sanft und fürsorglich alles hinterfragen, werden von Frauen oft als "wenig männlich" und mithin nur wenig attraktiv wahrgenommen, und Männer, die wissen, daß sie dazu tendieren, versuchen das tunlichst zu vermeiden - oder genieren, ja, schämen sich deswegen.

    Aber das fragst Du besser Deine Geschlechtsgenossinnen, die können das besser erklären ! :D

    Sieht danach aus, daß es ihm peinlich war und er deshalb "auf Tauchstation" gegengen ist.

    Richtig - aber ohne davon zu wissen und Deine Ängste und Reaktionen wenigstens im Ansatz zu kennen, wird Mann es schwer haben, seinerseits "richtig" zu reagieren.

    Aus meiner Sicht ist es also ein Spiel von Geben und Nehmen - auch was die Informationen betrifft. ;)
     
    23.01.2019 #13
  14. Porcia72
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    Ich danke dir sehr für deine Antwort SeTi.
    Für jede Antwort, die ich erhalten habe, die für mich jede einzelne respektvoll und somit auch positiv ist, hilft mir auf meinem Weg weiter. Von Stunde zu Stunde wird mein Erfahrungsschatz größer und vertraue darauf, dass ich, wie ich meinen unsagbaren Lebensmut gefunden habe, auch hier den richtigen Weg finden kann und werde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.01.2019
    23.01.2019 #14
  15. Porcia72
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    @Traumichnich. Ich hab schon verstanden, was du unter Weichei verstehst. Für mich, und da mag ich anders sein, ist ein Mann ein Weichei, wenn er die Lüge oder Manipulation notwendig hat.
    In meinem näheren Umfeld wird unter Selbstbewusstsein verstanden, sich als Alleskönner darzustellen. Ich nenne das Eigenüberschätzung
    Meinen Therapeuten zeichnet aus, dass er mir nichts vorgebeten hat, sondern mich so Hi geführt hat, dass ich selbst draufgekommen bin. Es war einfach toll, selbst zu erleben, wie der Steinhaufen immer kleiner würde...
     
    23.01.2019 #15
    himbeermond gefällt das.