Das ehemalige Sorgenkind namens Ehe

„Sagt ja“ findet Vitesse Schleinig und hält ein Plädoyer für die Ehe.

Weniger Scheidungen und längere Ehen

Noch im Jahr 2001 verbreitete die FAZ traurige Kunde: „Die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland bleibt auf Rekordniveau.“ Dieser Trend scheint 14 Jahre später endgültig gestoppt. Rund 166.200 Ehen wurden laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2014 in Deutschland geschieden. Das sind 2,1 Prozent weniger Scheidungen als noch im Jahr 2013 und ganze 14,5 Prozent weniger als im Jahr 2000. Zahlen, die Mut machen und eines deutlich zeigen:

Die Ehe ist kein Auslaufmodell!

Es gibt noch eine weitere Kennzahl für diesen Trend: 2014 hielten geschiedene Ehen durchschnittlich 14 Jahre und 8 Monate, im Jahr 1994 waren es nur 12 Jahre. Es darf also guten Gewissens von einem wiedererwachten Interesse an dem „Modell Ehe“ gesprochen werden. Und das ist eigentlich alles andere als verwunderlich, denn es gibt viele gute Argumente dafür, gemeinsam den Bund fürs Leben einzugehen.

Pragmatische Gründe für die Ehe

Zum einen gibt es da die pragmatischen Gründe. Eine Eheschließung geht in aller Regel mit erhöhter finanzieller Sicherheit und diversen Steuervorteilen einher, etwa wenn (endlich!) eine ungünstige Steuerklasse gewechselt werden kann. Die Ehe wird staatlich gefördert, und das natürlich nicht ohne Grund, stellt sie doch die Basis für das klassische Familienmodell dar.
Überdies verspricht die Ehe im Vergleich zu einer bloß festen Partnerschaft größere Sicherheit. Eine Ehe kann eine Beziehung noch weiter stabilisieren und verfestigen, nicht zuletzt weil sie Status-Klarheit schafft. Sie hat „Außenwirkung“ und zeigt allen: „Schaut her, wir sind ein Paar, wir gehören zusammen.“ Es ist eben nicht dasselbe, ob man „mein Mann“ oder „mein Freund“ sagt.
Ehepartner halten auch in stürmischen Zeiten, die in jeder Partnerschaft zu erwarten sind, stärker zusammen als Paare, die sich noch nicht das Ja-Wort gegeben haben. Denn die Ehe ist ein besonderes, explizites Versprechen auf Zusammenhalt und gemeinsame Bemühung, wenn es einmal nicht gut läuft in der Beziehung.

Einfach Liebe, einfach gut

Zugleich ist die Eheschließung selbst eine Symbolisierung: eine Symbolisierung der Liebe, dem in unserer Kultur nach wie vor schönsten Grund, sich an einen Menschen zu binden. Wir Menschen müssen uns einfach ausdrücken – wir können gar nicht anders –, unser Glück zeigen, unsere Freude, unsere Liebe. Und in diesem Sinne ist die Ehe die ultimative Ausdrucksform für das gemeinsame Liebesglück zweier Menschen.

Der Weg in eine gänzlich neue Beziehungsqualität

Die Ehe ermöglicht außerdem das Erleben einer neuen Beziehungstiefe. Erst wenn wir uns definitiv und absolut binden (und genau das tun wir in der Ehe symbolisch), können wir uns auch gänzlich hingeben. Und wahre Hingabe wiederum eröffnet Welten, weitet das Herz anstatt zu begrenzen und einzuschränken. Somit ist die Ehe ein befreiender Akt, der bei aller Verantwortung doch auch Freiheit bringt, nicht ihren Verlust. Ein Akt, der gewiss Mut erfordert, einen Sprung über einen Abgrund zutiefst menschlicher Ängste. Der andererseits aber auch positive Zukunftserwartungen befeuert und somit den Raum ebnet für Beziehungsoptimismus. Wie bei vielen anderen Phänomenen gilt auch hier: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Wagen Sie den Sprung ins Abenteuer Verbindlichkeit!

In diesem Sinne kann der Sprung ins Abenteuer namens Verbindlichkeit jedem nur empfohlen werden, der sich bereits in einer glücklichen Beziehung befindet und dessen Herz sich nach immer größerer Verbundenheit sehnt. Wer noch skeptisch ist, dem mag folgender Gedanke helfen. Mit dem Tag der Eheschließung endet im besten Fall ein Streben, das Beziehungen und unser Leben allgemein häufig vergiftet: Das Streben und die Suche nach Perfektion, nach dem „Immer-noch-besser“, nach dem „idealen Partner“, den es im Wortsinne nicht geben kann. Wir sind nun einmal Menschen. Die Ehe erst ermöglicht ein totales Sichfallenlassen, die Annahme dessen, was schon gut ist und ein Herz gänzlich auszufüllen vermag, wenn man sich denn einlässt. Das Glück ist dann ganz nahe, nicht irgendwo „da draußen“. Und in dieser Gelassenheit des Herzens gedeihen die schönsten Stunden unseres Lebens.

Über die Autorin:

Vitesse Schleinig hörte vor wenigen Wochen noch auf den Nachnamen Hoepfner. Die frisch gebackene Ehefrau hat sich allerdings recht schnell an den neuen Namen gewöhnt und strahlt, wenn sie an ihren schönsten Tag im Leben zurück denkt. Ihr Rat an alle, die nicht sicher sind, ob sie heiraten sollen: „Tun Sie es! Es ist ein unvergessliches Erlebnis und zeigt allen deutlich, dass Sie und Ihr Partner zusammengehören.“