Der Job als Liebeskiller?

Im Rahmen einer neuen Studie hat Dr. Dana Unger spannende Erkenntnisse über das Spannungsfeld Job und Liebe herausgefunden, über die sie im Interview berichtet.

Bereits im vergangenen Jahr sprachen wir mit Dr. Dana Unger, Wissenschaftlerin an der ETH Zürich, über das Thema “Produktivität und Partnerschaft”. Im Rahmen einer neuen Studie hat sie weitere, spannende Erkenntnisse über das Spannungsfeld Job und Liebe herausgefunden, über die sie im Interview berichtet.

Frau Dr. Unger, Sie haben sich erneut mit der Frage nach den positiven und negative Auswirkungen der Arbeitszeit auf Liebesbeziehungen beschäftigt. Welche neuen Erkenntnisse hat Ihre Studie zu Tage gefördert?

Wir haben untersucht, ob Arbeitszeit auf lange Sicht die Beziehungszufriedenheit schmälert oder dem Teilen von privaten Gedanken und Gefühlen, der Selbstoffenbarung, schadet. Beides konnten wir so nicht feststellen. Lange zu arbeiten hatte für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an unserer Studie gar keinen Effekt auf deren Beziehung.

Sie sprechen in Ihrer Studie von der SOK-Theorie – was hat es damit auf sich? Wie wirkt sie sich auf Job, Liebe und das eigene Wohlbefinden aus?

SOK steht für Selektive Optimierung mit Kompensation. Es beschreibt, wie Personen ihre Ziele verfolgen. Wer viel „SOK betreibt“, setzt sich für wenige anstatt viele Ziele, er/sie engagiert sich, die Ziele zu erreichen und er/sie probiert auch neue Wege, wenn alte nicht mehr funktionieren. Wir haben herausgefunden, dass Menschen, die lange arbeiten, so vernünftig sind, sich in ihrer Freizeit nicht zu verzetteln und das wiederum tut der Beziehung gut.

In der Regel leidet eine Beziehung, wenn der Partner oder die Partnerin mehr Zeit im Büro als zu Hause verbringt. Doch laut Ihrer Ergebnisse ist dies nicht zwangsläufig der Fall. Vielmehr komme es darauf an, wie man die verbleibende Zeit im Privatleben einsetzt und welche Ziele man sich setzt. Warum ist das so?

An dieser Stelle können wir nur spekulieren. Aber es sind viele Erklärungen denkbar. Zum einen ist es so, dass manches in einer Beziehung einfach Zeit braucht. Sei es einen Urlaub zu planen oder einen Konflikt zu lösen. Wer sich einige wenige Prioritäten in der Freizeit setzt, hat mehr Zeit für die einzelne Sache zur Verfügung. Zum anderen fühlt sich vielleicht der Partner/die Partnerin besser behandelt, wenn er/sie nicht nur so nebenbei mitläuft. Und das tut auch der Beziehung gut.

Zu einer glücklichen Partnerschaft gehören bekanntlich zwei Menschen. Sie haben sich auch mit der gegenseitigen Beeinflussung der Partner aufeinander beschäftigt. Welche Erkenntnisse haben Sie in Sachen Zufriedenheit und Kommunikationsbereitschaft gewonnen?

Wir haben herausgefunden, dass Beziehungszufriedenheit im Paar „ansteckend“ ist. Auch wenn wir das Ausgangsniveau der Beziehungszufriedenheit bei Partner B berücksichtigten, war er oder sie zufriedener mit der Beziehung, wenn Partner A das auch war. Einen ähnlichen Effekt haben wir für Selbstoffenbarung nicht gefunden.

Was raten Sie Frauen und Männern: Wie kann man trotz limitierter Ressourcen im Alltag das Beste aus Job und Privatleben herausholen?

Wahrscheinlich ist es das Beste, wenn man sich sowohl im Job als auch im Privatleben auf die Dinge konzentriert, die einem wichtig sind. Dann gilt es, die Energie und Zeit zu investieren, die es braucht, um das Ziel zu erreichen. Und schließlich sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht klappt, sondern andere Wege gehen bzw. auch Hilfe bei anderen einholen, damit es doch noch mit dem klappt, was man sich vorgenommen hat.

Über Dr. Dana Unger:

Für die Studie “ The longer your work hours, the worse your relationship? The role of selective optimization with compensation in the associations of working time with relationship satisfaction and self-disclosure in dual-career couples” arbeitete Dr. Dana Unger mit Prof. Dr. Sabine Sonnentag, Prof. Dr. Cornelia Niessen, und Dr. Angela Kuonath zusammen. Seit Mai 2014 ist sie an der ETH Zürich als Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie tätig.