Parship-Studie: Sexuelle Treue

Vom gesellschaftlichen Wandel sind auch Partnerschaften betroffen. Manch einer postuliert gar das „Ende der Liebe“. Doch wie stehen Singles zu sexueller Treue in der Partnerschaft? Dazu untersuchte Parship im Juni 2013 rund 20.000 anonymisierte Mitglieder-Datensätze hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und Ansprüche an Sexualität.Gesellschaften und Kulturen sind einem ständigen Wandel unterworfen. Individualisierung, Bildungsexpansion, Mobilität und Digitalisierung sind Begriffe, die in diesem Kontext immer wieder genannt werden. In den letzten Jahren ist außerdem immer wieder die Rede vom „Wandel der Liebe“ und der „Pluralisierung von Lebensformen“, die das Ergebnis gesellschaftlicher Umbrüche darstellen. Einige Wissenschaftler sprechen gar vom „Ende der Liebe“ (Sven Hillenkamp 2012). Zahlreiche Möglichkeiten bei der Wahl des Partners sowie der Wahl der Lebensform bewirken, dass sich viele heutzutage nicht mehr festlegen und die Art der Institutionalisierung von Partnerschaft sich wandelt. Die Ehe sei nicht länger „eine biografische Selbstverständlichkeit“ wird postuliert, Themen wie Polygamie werden öffentlich diskutiert und andere Formen der Partnerschaft erlangen in unserer Gesellschaft zunehmend Akzeptanz.

Aber sind Ehe und Monogamie tatsächlich out?

Wie sind heutzutage die Erwartungen an eine Partnerschaft? Und gibt es diesbezüglich Unterschiede zwischen den Altersgruppen? In einer Untersuchung der wissenschaftlichen Abteilung von Parship wurden im Juni 2013 etwa 20.000 anonymisierte Parship-Mitgliederdatensätze im Hinblick auf die Bedürfnisse und Ansprüche der Singles an Partnerschaft und Sexualität analysiert. Dabei wurde ein Vergleich zwischen den Altersklassen unternommen: Die Mitglieder wurden in drei Gruppen (18-29 Jahre, 30-44 Jahre, 45-60 Jahre) eingeteilt und anhand verschiedener Fragestellungen ausgewertet.

Zunächst wurde betrachtet, welchen Stellenwert Sexualität für den Einzelnen hat („Sexualität ist mir persönlich sehr wichtig bis nicht so wichtig“: 4-stufige Skala). Das Ergebnis: Für Singles unter 30 Jahren spielt Sexualität eine geringere Rolle (M=1,83) als für die Vergleichsgruppe der Singles von 31 bis 55 Jahren (M=1,75). Für 35 Prozent der Singles in dieser Altersgruppe ist Sexualität sehr wichtig. Bei den Partnersuchenden unter 30 Jahren sind es nur 30 Prozent, die dies angeben. Ein zusätzlicher Vergleich mit den Singles der älteren Altersgruppe zeigt, dass erst ab 50 Jahren die Bewertung der Sexualität geringer ausfällt als bei den Singles unter 30 Jahren (M=1,85). 28 Prozent dieser Altersgruppe ist Sexualität sehr wichtig.

Warum ist jüngeren Singles regelmäßige Sexualität nicht so wichtig wie Singles mittleren Alters?

Hat die „jüngere Generation“ andere Prioritäten und Wünsche an eine Partnerschaft? Anhand weiterer Analysen konnte bestätigt werden, dass Singles in dieser Altersgruppe sich nach jemandem sehnen, der Vertrauen und emotionale Sicherheit bietet. Regelmäßige Sexualität spielt im Vergleich dazu eine weniger große Rolle. Während 43 Prozent der Singles zwischen 30 und 44 Jahren und 42 Prozent der Singles zwischen 45 und 60 Jahren angaben, dass ein Hauptgrund für den Wunsch nach einer neuen Partner ist, regelmäßige Sexualität zu leben, sind es bei der Altersgruppe unter 30 Jahren nur 37 Prozent. Deutlich wichtiger ist der jüngsten Altersgruppe eine Person an ihrer Seite zu haben, der sie voll und ganz vertrauen. Dies gab fast die Hälfte (49 Prozent) der Singles als Grund für den Wunsch nach einer Partnerschaft an. In den beiden anderen Altersgruppen waren es deutlich weniger, nämlich nur etwa 42 Prozent.

Die Singles wurden darüber hinaus nach ihrer Einstellung in Bezug auf sexuelle Treue in der Partnerschaft befragt. 62 Prozent aller befragten Singles wünschen sich absolute Treue in der Partnerschaft. Auch hier sticht die jüngere Altersgruppe hervor. So sagen 71 Prozent der Singles unter 30 Jahren, dass sie „absolute Treue ohne Ausnahme“ erwarten. Bei den Singles zwischen 30 und 44 Jahren befürworten dies 63 Prozent und bei den Singles der Altersgruppe über 45 Jahren sind es noch weniger, nämlich knapp 51 Prozent.

Eine Begründung für diese Abweichung in den Einstellungen könnte sein, dass die älteren Singles bereits ihre Erfahrungen mit Treue und anderen wichtigen Faktoren in einer Beziehung gemacht haben und jüngere Menschen noch viel stärker die Vorstellung von einer idealen Partnerschaft und dem optimalen Partner haben. Erlebtes prägt Einstellungen und Verhaltensweisen.

Haben ältere Singles gelernt, dass man sich nicht vollständig einer Person hingeben kann und auch nicht muss?

Sexuelle Monogamie ist eine Sache. Aber wie sieht es mit der Institution Ehe aus? Ist die Ehe für die jüngere Generation überhaupt noch ein relevantes Thema? Die Analysen zeigen: Ja. Denn auch hier tun sich die jüngeren Singles hervor. So ist mehr als die Hälfte der Singles unter 30 Jahren (52 Prozent) der Meinung, „Wenn zwei sich wirklich lieben, dann sollen sie auch heiraten“. Bei den 30- bis 44-jährigen Singles sind es nur noch 42 Prozent und bei den Singles zwischen 45 und 60 Jahren sogar nur noch 38 Prozent. So betrachtet ein Drittel der Singles zwischen 30 und 44 Jahren (34 Prozent) die Ehe als vollkommen unnötig. Diese Ergebnisse unterstützen die These, dass die Ehe keine biografische Selbstverständlichkeit mehr ist. Sie zeigen aber auch, dass weiterhin jeder Zweite unter 30 Jahren im Angesicht der Liebe heiraten möchte. Fast jeder Dritte (29 Prozent) ist zudem der Meinung, dass man heiraten sollte, wenn man eine Familie gründen möchte. Diesbezüglich gibt es keinen Unterschied zwischen den Altersgruppen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die jüngere Generation verstärkt den Wunsch nach Stabilität und Ernsthaftigkeit hat, vielleicht weil in vielen anderen Lebensbereichen Unsicherheit und starker Wandel vorherrschen.
Die Analysen haben gezeigt, dass Parship-Singles – und vor allem die jungen Singles – sich eine monogame Beziehung wünschen, in welcher vor allem Vertrauen und emotionale Geborgenheit eine sehr wichtige Rolle spielen. Regelmäßige Sexualität ist der jungen Altersgruppe zwar wichtig, nimmt aber nicht den höchsten Stellenwert ein. Dahingegen hat sexuelle Treue für diese Altersgruppe hohe Priorität. Die Ehe als eine Form der Institutionalisierung von Partnerschaften ist als Zeichen von Liebe für die jüngere Altersgruppe nach wie vor eine anerkannte Lebensform. Die Erwartungen an eine Partnerschaft sind auch heutzutage hoch und Monogamie und auch Ehe keineswegs Vergangenheit.

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