Interview: Sebastian Deyle über Männer, Frauen und die Liebe

Ab sofort erhalten Sie in Liebesdingen prominente Unterstützung: Sebastian Deyle ist bei uns als Kolumnist in Schrift und Bewegtbild an Bord. Weshalb er am Gymnasium gar nicht gut bei den Mädchen ankam, wie sein erster Kuss war und welche Frau ihn am “oberflächlichsten Ort der Welt” mit Tiefgang beeindruckt hat, lesen Sie im Interview.

Interview: Sebastian Deyle über Männer, Frauen und die Liebe

Sebastian, wir freuen uns, dass Du bei uns als Kolumnist an Bord bist! Bisher kennt man Dich vor allem als Schauspieler, Musiker und Moderator. Wie kam es dazu, dass Du unter die Schreiberlinge gegangen bist?

Um ehrlich zu sein, ist der Ansatz gar nicht so neu. Mein Klassenlehrer in der Oberstufe hat mal zu mir gesagt: „Herr Deyle…streng genommen können Sie gar nichts – außer quatschen – aber das verdammt gut!“ Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich damals eine freie Erörterung über Maria Stuart geschrieben und dafür 14 Punkte bekommen – ohne vorher das Stück zu lesen. Ich befürchte also, er hatte nicht ganz Unrecht.

Außerdem fällt mir, wie jedem anständigen Kolumnisten, in erschreckender Regelmäßigkeit auf, dass alle Menschen vollkommen wahnsinnig sind…außer mir natürlich! Ich glaube, eine wöchentliche Kolumne erspart mir also einfach nur den Psychiater.

Dein Vater war Dirigent, Deine Mutter Lehrerin für Englisch und Kunst. Liegen Kreativität und das Schreiben sozusagen in Deinen Genen?

Sagen wir so: Ich bin mit drei älteren Brüdern aufgewachsen, deren einziges Hobby darin zu bestehen schien, mit meinem Vater über den Sinn des Lebens zu diskutieren. Da ging es des öfteren heiß her – vor allem an Weihnachten. In den ersten Jahren bestand meine Überlebensstrategie größtenteils aus „stiller Observierung“ – aber so mit acht oder neun hab ich dann auch angefangen, meinen Senf dazuzugeben. Kreativität war damals also schlicht und ergreifend überlebenswichtig und ist mir zum Glück bis heute erhalten geblieben.

In Deiner Kolumne “Deyles Diary” geht es – natürlich – um die Liebe. Magst Du ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern? Kannst Du Dich zum Beispiel noch an Dein erstes Date erinnern? Warst Du aufgeregt?

Hm… erstes Date? Schwierige Sache. Bei der Einschulungsfeier auf dem Gymnasium wurde ich als der „Klaviervirtuose aus der 5C” vorgestellt. Das war’s dann mit Frauen für die nächsten Jahre! Die Mädchen standen leider eher auf diese Typen, die exakt zwei Akkorde auf der Klampfe greifen konnten, aber am Lagerfeuer auf Rockstar machten. Es war erniedrigend! Ich glaube, damals hab ich beschlossen, berühmt zu werden.

Was war denn Dein bisher unvergesslichstes Date?

Das war am oberflächlichsten Ort der Welt. In St Tropez. Ich war auf einer Pool-Party eingeladen und mit großem Abstand die ärmste Wurst, die da rumlief. An der Bar stand die schönste Frau, die ich je gesehen hatte – umringt von unanständig gut aussehenden Typen, deren linker Manschettenknopf wahrscheinlich teurer war als mein ganzer Kleiderschrank.. Unsere Blicke haben sich kurz getroffen aber ich hab mich entschieden, lieber weitere 15 Gin Tonic zu trinken, statt sie anzusprechen – wie hätte ich die Frau denn ansprechen sollen? „Sorry…Yacht hab ich keine, aber wenn ich meine Uhr verkaufe, könnt ich Dich vielleicht zum Essen einladen?“ Wohl eher nicht…

Etwa 20 Minuten später stand sie plötzlich hinter mir und tippte mir auf die Schulter. Wir haben uns dann ne Flasche Wein gekauft und mit zwei Pappbechern an den Strand gesetzt. Wir waren fast drei Jahre zusammen.

Und was war Deine schlimmste Date-Panne?

Schlimm sind Dates immer dann, wenn man sich nichts zu sagen hat. Auf Fotos ein absolutes Topmodel, im wahren Leben so schlagfertig wie Hausstaub – an so einem Abend wird einem klar, wie recht Einstein hatte – Zeit ist wirklich relativ!

Fragst Du nach einem ersten Date oder muss die Frau den ersten Schritt machen?

Die Frau macht IMMER den ersten Schritt. Jeder, der was anderes behauptet, leidet unter grenzenloser Selbstüberschätzung! Schon bevor der erste Satz fällt, schaltet die Frau die innere Ampel entweder auf Grün oder rot…und zwar durch Blicke. Und wenn die Ampel auf rot steht, dann hilft auch der beste Anmachspruch nichts…:-)

Fragen Dich Deine Freunde und Bekannten auch öfter um Rat was Liebe und Dating angeht? Welchen Ratschlag würdest Du einem guten Freund für sein erstes Date mitgeben?

Die meisten meiner Freunde sind mittlerweile verheiratet – teilweise sogar glücklich! Wenn ich trotzdem mal um Rat gefragt werde, sage ich aber immer das gleiche: „Egal wie schön sie lächelt…schau genau hin, wie deine Herzdame den Kellner behandelt – das sagt mehr als tausend Worte!“ Dadurch würde der Welt so manche Scheidung erspart bleiben. Aber auf mich hört ja keiner!

Erinnerst du Dich noch an deinen ersten Kuss?

Klar! Das war an Silvester auf dem Marktplatz im Dorf meiner Großeltern. Ich dachte „Super – wenn das alles war, dann lass ich das erstmal wieder bleiben. Schrecklich feuchte Angelegenheit!“ Mittlerweile küsse ich aber wahnsinnig gern. Wahrscheinlich ist das genauso wie mit Kaffee…da schmeckt der erste auch nicht besonders.

Wer war Deine erste große Liebe?

Das war dann wohl Katja. Ich war damals 13 und musste mich entscheiden ob ich Französisch oder Latein als zweite Fremdsprache wähle, denn nach diesem Kriterium wurde man neuen Klassen zugeteilt. Katja nahm Latein und ich dann natürlich auch. Das ganze hielt exakt vier Wochen, dann wurde ich abserviert und hatte noch etwa sieben Jahre Zeit, in jeder Lateinstunde darüber nachzudenken, ob´s das wert war. War es nicht!

Hast Du schon einmal Online-Partnersuche ausprobiert? Oder kennst Du Paare, die sich im Netz kennengelernt haben?

Ich denke, es gibt nichts schlimmeres…zumindest für mich! Die Chancen, den perfekten Partner zu finden, sind beim Online Dating erschreckend hoch. Matchingpunkte, gemeinsame Interessen, Werte, Träume – das muss ja schon fast funktionieren. Am Ende lande ich noch aus Versehen in einer glücklichen Beziehung – worüber soll ich denn dann noch schreiben?