Zukunft zu viert

Woran man erkennt, dass man füreinander geschaffen ist? Indem man sich schon im schriftlichen Kontakt trotz eines kleinen Fettnäpfchens auf den Humor besinnt. Und schon läuft es...

Verliebt mit Parship – Erfolgsgeschichte von Ingrid und Jehad
© privat

Am 09.02.2018 entschloss ich mich dazu, es mit Parship zu versuchen. Ich war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt und fast 4 Jahre alleinerziehende Mutter von zwei Kinder. Ich hatte gerade eine Liebelei mit einem älteren Mann hinter mir, den ich in einem Kostenlosen Dating Portal kennen gelernt hatte. Aber nach kurzfristiger Euphorie stellte ich schnell fest, dass es dort nicht um die wahre Liebe geht, sondern vielmehr um den schnellen Spaß. Die ersten Tage verbrachte ich die meiste Zeit damit, mir meine Partnervorschläge sehr genau anzuschauen und war erst einmal sehr vorsichtig. Aber nachdem ich ein paar Mal angelächelt wurde, begann auch ich, mutiger zu werden.

Also begann ich auch, Männer anzulächeln

So kam ich auch mit einigen ins Schreiben. Bei manchen merkte ich schnell, dass es wenig Gemeinsamkeiten gibt und die Kommunikation sehr schnell ein Ende fand. Mit anderen konnte ich mich sehr gut austauschen und fand sehr schnell Gefallen an dem Interesse, das mir entgegengebracht wurde. Mit drei Männern hatte ich mich sogar zu einem Spaziergang mit anschließendem Kaffee getroffen. Trotz wirklich netter Begegnungen sprang kein Funke über. Also buchte ich das Ganze als Erfahrungen sammeln ab. Bis ich am 16.02.18 beim Durchschauen der Partnervorschläge auf das Profil „Altenpfleger, 36“ aufmerksam wurde. Ich dachte im ersten Moment: „Hey, super noch einer aus der Pflege, da hat man schon mal einige Gesprächsthemen.“

Kurzerhand schickte ich ihm ein Lächeln

Es dauerte gar nicht lange und mein Lächeln wurde erwidert. „Also was nun?“ dachte ich. Na ja, was macht man jetzt üblicherweise?… Ich gab ihm also meine Bilder frei. Ich wurde prompt belohnt mit der Bildfreigabe von seiner Seite. Und nun konnte ich ihn mir das erste Mal anschauen. Sofort war ich von seinen wunderschönen Augen und seinem liebevollem Lächeln beeindruckt. Jetzt war Er es, der den ersten Text schrieb. Jehad:„ Ich finde dein Profil sehr sympathisch und du hast ein schönes Lächeln“. „OK, nicht wirklich originell, aber immerhin ein Anfang“ dachte ich. Also schrieb ich „Ja gelle, das macht der Job. Wie heißt du denn? Liebe Grüße Ingrid.“ Na gut auch nicht viel besser. Jehad:„ Ja ganz bestimmt. 🙂 mein Name ist Jehad.“ „Mmh?“ dachte ich, „Jehad?“ will der mich auf den Arm nehmen?. Also schrieb ich „Und was machst du so beruflich, wenn du dir nicht gerade lustige Namen ausdenkst. Liebe Grüße Ingrid.“ Jehad:„ das ist mein Name.“ 🙂 „Oh Schreck, schäm.!!“ Hätte er mich gesehen hätte er gemerkt das ich knallrot wurde. Aber mein Glück war, er hat sehr darüber gelacht und das erste Eis war gebrochen.

Wir schrieben stundenlang hin und her

Und das sogar über Tage. Wir merkten beide schnell, dass es mit dem anderen nicht langweilig wurde und es auch nie den Punkt gab, an dem man nicht mehr wusste, was man schreiben sollte. Im Gegenteil, es gab einige Abende, an denen wir kein Ende fanden. Und am nächsten Tag müde zur Arbeit gingen. Aber das war es immer wert. Nach zwei Wochen täglichem Schreiben entschieden wir uns, einen Schritt weiter zu gehen. Wir telefonierten per Videochat miteinander. Ich war so aufgeregt als das Handy klingelte und drückte mit zitternden Fingern den Knopf. Wir starrten uns gefühlt eine Ewigkeit nur an und außer einem schüchternem „Hallo, ich bin so nervös und es ist komisch dich zu hören und zu sehen“ kam uns erst mal auch nichts über die Lippen. Es dauerte einen Moment und wir plapperten drauf los. Seine tiefe, samtige Stimme tat ihr übriges und ich war im Nu entspannt. Seit jenem Tag gibt es nicht einen Tag, der endet, ohne die Stimme des Anderen gehört zu haben. Am 03.03.18 entschied ich mich, ihn zu besuchen. Ich wollte Ihn endlich live und in Farbe sehen, wissen wie er riecht und wie er sich anfühlt.

Also startete ich an einem verschneiten Tag Richtung Köln

Nach zwei Stunden Fahrt hatte ich mein Ziel endlich erreicht. Ich schrieb ihm, dass ich vor seiner Tür stehe und stieg aus, um nervös um mein Auto herum zu laufen. Um mich abzulenken begann ich, einen kleinen Schneehügel mit meinem Fuß platt zu treten. Das sind wohl die Momente, in denen man das Kind in sich wiederentdeckt. Plötzlich drehte ich mich um und dort stand ER. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht. „Wow, ist Der riesig und warum genau lächelt Er so verschmitzt??“ war mein erster Gedanke. Das ist die Szene die Jehad immer wieder gerne erzählt. „…Es war so ein schöner Moment sie dort zu sehen wie sie wie ein kleines Mädchen den Schnee mit ihrem Fuß antippte und ich war hin und weg, endlich war sie da…“ An Ostern besucht Jehad uns dann zu Hause und lernte meine Kinder kennen. Nach einem Fragenkreuzfeuer, das das FBI hätte blass aussehen lassen, vier Tagen, war aber der Punkt gekommen, an dem es wieder Abschied nehmen hieß. Als wir mit Tränen in den Augen am Bahnhof standen, war uns beiden klar, dass das hier mehr ist. Und wir uns entschieden, uns auch vor anderen als Paar zu bezeichnen. So verbrachten wir einen wunderschönen Sommer mit kleinen und größeren Ausflügen zusammen und genossen jeden Moment in vollen Zügen. Auch wenn das ständige hin und her Fahren wirklich irgendwann nervig wurde, war es doch immer mit einer kribbeligen Vorfreude gepaart und wir nahmen uns die Zeit, den anderen richtig kennen zu lernen. Im Herbst kam dann der Punkt, an dem Jehad den Endschluss fasste, etwas zu ändern.

Er wollte für immer in unserer Nähe sein

Wir taten zusammen, was nötig war und machten uns auf die Suche nach einer Wohnung für ihn. Nach ein paar Bewerbungen und Wohnungsbesichtigungen war auch das geschafft. Ab dem 01.01.19 wohnt und arbeitet Jehad nun in unserer Stadt und wir freuen uns auf eine gemeinsame Zukunft zu viert.