Der Telefonblues

18.07.2016 Jana Bogatz

Sonja (47, Industriekauffrau) und Ulrich (53, Verwaltungswirt) haben sich auf Parship kennen gelernt und sofort angefangen, stundenlang miteinander zu telefonieren. Wie alles angefangen hat und wie es weiter ging, erzählen sie in dieser Geschichte.

So verliebten sie sich:

© privat

Ja. Ich weiß es noch sehr genau. Weihnachten 2015 die Anmeldung bei Parship. Soll ja funktionieren und hat einen guten Ruf… sogar mit Persönlichkeitsprofil und so…
…und tatsächlich da waren sie, die netten Kontakte per Mail und auch Treffen mit sehr angenehmen Wesen weiblichen Geschlechts, aber wann, wo und wie weiß man das es die Richtige ist? Was ist dann anders?Wie immer im Leben ist es gar nicht so kompliziert wie man denkt denn dann gab es einen besagten Sonntagmorgen im Januar, wo es anders war:
Sonntagmorgen bei einem Kaffee im Bett wurden die Partnervorschläge bei Parship gelesen. Bei dem Profil mit den Fotos einer hübschen Frau mit Sehnsucht und Liebe zum Meer blieb ich hängen. Das las sich einfach toll und passte zu mir. Daher schrieb sie an und gab meine Fotos frei. Hierbei war ich aber fälschlicherweise davon ausgegangen, dass sie auch das Sternzeichen Widder hätte. Es war wohl noch zu früh am Morgen. Die unbekannte Frau –ab jetzt Sonja- meldete sich dann auch direkt nett und lustig zurück und um das Missverständnis herum ergab sich ein langer und lustiger Mailaustausch, bei dem insbesondere die Liebe zur Natur, dem Meer und zur Insel Föhr und viele andere Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede ausgetauscht wurden.
Die wesentlichen zwei Unterschiede wurden abwechselnd noch als letzte Ausstiegsoptionen angeboten:

„Ich bin Dir zu unsportlich“ (Sie) und „Ich bin Dir sicher zu klein“ (Er)

Die Ausstiegsjoker wurden nicht gezogen, die Diskussion vertagt. Man war zu neugierig auf mehr geworden.
Die lockere und nette Art und Weise des Schreibens machte direkt gute Laune und führte bei mir zu einem Dauergrinsen über den gesamten Sonntag … und freute mich auf den nächsten Kontakt am Abend, denn sie hatte an dem Sonntag noch ein Date: “aber nix ernstes…ein Freund“ (Jaja). Und den ganzen Tag war es mir irgendwie wichtig ihre Stimme möglichst schnell zu hören. Es war schon anders. Irgendwie. Deshalb habe ich ihr abends (todesmutig) meine Handynummer geschrieben… und es klappte: wir haben dann direkt am Montag schon telefoniert und ich mochte ihre Stimme sofort!
…. Sonja meine offensichtlich auch, denn wir haben die folgende Woche jeden Abend stundenlang telefoniert….und jeden Morgen freute ich mich schon wie Bolle auf den Abend, wenn ich mit Sonja telefonieren konnte. Abendtermine wurden verschoben oder verkürzt, um das Telefondate nicht zu gefährden!
Ziemlich schnell folgte natürlich nun der Wunsch sich zu sehen. Daher wurde direkt für Samstag ein Treffen um 15:00 Uhr vereinbart und es ging mir bis 14:59 Uhr auch echt wunderbar, bis dann doch der Gedanke in mir aufkeimte:

Was ist eigentlich, wenn das ihrerseits optisch nicht passt?

Ich wollte eigentlich nach den stundenlangen Telefonaten in denen ich so viel von Sonja schon erfahren hatte nicht dass es endet, au Backe…wenn das mal gut geht. Also nicht mehr nur die Stimme: Vorstellungsgespräch, Casting, Schalter auf 0!
…und als ich Sonja dann zum ersten Mal sah und sie mich anlachte und fragte, ob ich bei dem Sauwetter nicht besser einen Schirm aus dem Auto holen wolle, puh, noch schlimmer…
….und als sie dann auch nach meiner Rückkehr vom Auto immer noch da war ohne die günstige Gelegenheit zur Flucht ergriffen zu haben… war es besser, aber bestimmt nur Anstand, oder?
Im verregneten und kalten Paderborn wurde dann beim Kaffee viel gesprochen und gelacht. Es wurden Gemeinsamkeiten, Einstellungen, Lebenspläne und nochmals auch die Unterschiede (wie zum Beispiel das Thema: „Kann man Kuchen essen ohne sich vorher angemessen bewegt zu haben“) intensiv ausgetauscht.
Eine gewisser minimaler -kaum erwähnenswerter- Unsicherheitsfaktor blieb bei mir noch, der sich erst nach dem gemeinsamen Abendessen und der Erlaubnis sie zuhause absetzen zu dürfen immer weiter reduzierte und schließlich erst beim Wunsch sich wiedersehen zu wollen spät auf 0 reduzierte…
So fuhr ich den Abend sehr glücklich nach Hause und als wir abends noch kurz telefonierten ging es mir richtig gut und dieses Gefühl blieb für immer!
In der Folgezeit wurden die abendlichen Telefonate mit Freude fortgesetzt und die Intervalle unserer Treffen wurden immer kürzer und nach zwei weiteren Wochen habe ich auf meine Frage, ob sie „mit mir gehen wolle“ ein Ja erhalten. Dieser Augenblick ist für uns nach wie vor unvergesslich.
Mittlerweile sind gemeinsame Monate vergangen und nach einigen Kurzurlauben (am Meer, wo sonst?) sind wir uns sicher, dass wir zusammengehören und blicken positiv mit viel Lebensfreude nach vorne und sind gespannt was die Zukunft für uns bereithält.

Aus Sonjas Sicht:

An dem von Uli besagten Sonntag morgen im Januar war ich seit ca. 4 Monaten bei Parship angemeldet. Sehr nette Kontakte hatte ich dort mit tollen Menschen. Die Atmosphäre und der Umgang miteinander auf Ihrer Plattform ist sehr locker und freundschaftlich.
Ich hatte einen Wunsch als ich mich damals anmeldete…. jemanden kennenzulernen um glücklich zu sein, gemeinsam durch das Leben zu gehen…. und ganz ehrlich? Ich wollte mich nochmal so richtig verlieben…. mit Schmetterlingen im Bauch und allem, was dazu gehört (ja… auch mit über 40 gibt es solche Träume)
Als ich an diesem Sonntag die nette Nachricht mit dem Hinweis „hey ich bin auch Widder“ bekam dachte ich erst: na ja, so richtig gelesen hat er dein Profil ja jetzt nicht und musste schmunzeln.
Hatte ich doch in meinem Profil ausführlich auf mein Sternzeichen „Fische“ hingewiesen und auch auf die Besonderheiten dieses Sternzeichens:

Ich bin halt eine totale Romantikerin

Aber das total nette und offene Lächeln, das mir von den Fotos entgegen strahlte und seine Art zu schreiben haben mir gleich gefallen.
Und als er mich direkt nach meiner Bildfreigabe auf meiner Lieblingsinsel Föhr erkannte, stieg die Sympathie nochmals enorm)
Und wenn ich ganz ehrlich sein darf, als wir am darauffolgenden Tag das erste Mal telefonierten, habe ich mich gleich in seine Stimme „verhört“ .
Unsere abendlichen Telefonate liebte ich von Anfang an, und das hat sich bis heute nicht geändert. Unsere gleich sehr vertraute Art miteinander umzugehen, unseren wahnsinnig schönen und verrückten Humor……
Als ich ihn dann bei unserem ersten Treffen in einem Parkhaus abholte war die Aufregung natürlich groß. Den Weg dahin hatte ich zu Fuß in strömendem Regen zurückgelegt….. und als ich ihn gleich darauf aufmerksam machte, doch lieber einen Schirm aus dem Auto zu holen sage ich das nicht, um meine Flucht vorzubereiten… sondern einfach weil ich nicht wollte, dass er sich gleich bei unserem ersten Treffen eine Mega-Erkältung einfängt.
Noch heute lachen wir über diesen Moment und genauso über seine baldige Frage, „ob ich mit ihm gehen wolle“.
Jedes Treffen, jedes Telefonat wurde einfach immer nur noch schöner und ich bin glücklich dass dieser wundervolle Widder mich „Fisch-Frau geangelt hat“….. der Köder war für mich wohl einfach zu verlockend)

Heute weiß ich, dass man ganz unterschiedlich sein kann und doch gleichzeitig so ähnlich

Hätte mir jemand noch vor einiger Zeit gesagt, dass ich mich mal in einen Marathonläufer und sportbegeisterten Triathleten verliebe, hätte ich diese Person wohl nur milde belächelt.
Das Leben hält viele Überraschungen für einen bereit und Uli ist wohl meine Schönste!
Ohne Parship wären wir uns im „normalen“ Leben wohl nie begegnet….. für mich heute fast unvorstellbar!
Denn auch wenn wir jetzt (noch) etwas weit auseinander wohnen, wissen wir, dass wir gemeinsam durchs Leben gehen wollen. Unsere Liebe zum Leben, das Meer, die Musik… zwei Menschen die eigentlich sehr unterschiedlich sind und doch so gut zueinander passen und sich ergänzen!