Jetzt gehöre ich zur neuen Generation

02.03.2016 Jana Bogatz

"Kann man wirklich den passenden Partner im Internet finden?" - Franziska (26) aus Schleswig-Holstein war skeptisch. Bis sie Roman (27) kennenlernte.

So verliebten sie sich:

© privat

„Ich möchte Euch meine Liebesgeschichte erzählen. Ich heiße Franziska und ich bin 25 Jahre alt. Zurzeit wohne ich auf Sylt. Hier ist es nicht ganz so einfach, jemanden kennen zu lernen. Vor allem, wenn man die gesamte Freizeit mit Arbeiten verbringt. Trotzdem habe ich nie wirklich eine Partnersuche im Internet in Erwägung gezogen. Ich war ja gerade erst ein halbes Jahr Single und ich dachte mir „Irgendwann läuft mir schon einer über den Weg .“ Aber dennoch wollte ich auch keine verzweifelte Frau sein, die einen Mann sucht. Mit der Zeit war es doch sehr einsam. Immer die Franzi, die allein auf Paartreffen oder zum netten Beisammensitzen auftauchte.

Immer dieses: „Du wirst sicher auch den richtigen finden.“ Da fragt man sich : „Sind meine Ansprüche zu hoch?“ Ich hatte Fragen über Fragen. „Kann man wirklich die Erwartung haben, dass man auf jemanden trifft, mit dem man gleiche Vorstellungen im Leben hat und bei dem gleichzeitig eine ganz besondere Energie in der Luft ist?“ Denn das wollte ich. Einen Mann, mit dem ich mir vorstellen kann, eine Familie zu gründen. Einen der es einfach ernst meint. Meine Chefin sagte immer: „Melde Dich doch mal auf so einer Seite an.“ Gut. So saß ich eines Mittags auf meinem Sofa und schaute TV. Da war die Werbung. Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single. Singles mit Niveau. „Ok“ dachte ich, „was soll es? Ich arbeite viel, wann soll ich da sonst jemanden kennen lernen?“

Peinliche Verkupplungsaktionen sind nicht mein Ding

Ich wollte ganz allein jemanden kennen lernen! Ich habe mich also bei Parship angemeldet. Ich habe mit einigen Männern geschrieben und dachte: „Wow, hier gibt es tatsächlich ein gewisses Niveau.“ Ein nettes, teilweise auch ganz normales Schreiben mit Männern, was mir gut gefiel. Kein dummes Anmachen. Und am selben Tag meiner Anmeldung, schrieb mich auch Roman an, mein jetziger Freund. Es fing ganz bodenständig mit dem Schreiben an. Wir gaben unsere Bilder frei. Ich hatte nur eins für den Anfang. Und er hatte vier Bilder und ich dachte nur so… „Joaaa… sieht nicht schlecht aus. Und nett ist er auch.“

Er hat irgendwie immer das Richtige geschrieben

Und ich fragte mich „Wo ist verdammt nochmal ist der Haken?“ Hmmm Er ist ein Seemann, 27 Jahre alt, lebt in Kiel und kommt eigentlich aus Berlin. Ich bin gebürtig aus Zwickau und gelernte Hotelfachfrau. Ich hatte keine richtige Vorstellung von seinem Beruf. Wir hatten am Montag, den 26.10.15 angefangen zu schreiben und recht schnell fragte er dann auch, ob wir uns treffen möchten. Ich sagte zu, weil ich glaube, dass man nach einem persönlichen Treffen besser urteilen kann, ob die Sympathie passt oder nicht. So stand unser 1. Date am Freitag, den 30.10.15. Die Aufregung stieg doch so ein wenig und dann der Schock. Donnerstagabend, ich wollte gerade mit einer Freundin zum Zumba, kam eine Nachricht, ob wir uns nicht schon diesen Abend treffen wollen. Ich vermute er hatte es etwas eilig, weil mein Urlaub bevorstand und er drei Wochen auf See musste. So wäre ansonsten einige Zeit ins Land gegangen, bis zu einem Treffen. Ich fragte voller Aufregung meine Freundin, was ich tun solle. Sie sagte: „Natürlich, mach das!“ und lachte mich etwas aus weil ich mega nervös vor dem Date war. Nun ja der Zumba-Kurs verlief nicht ganz so konzentriert. Ich machte mich nach dem Kurs wie eine Verrückte nach Hause und zog so mein Beauty-Programm in Blitzgeschwindigkeit durch. Ich stand also um 22 Uhr am Bahnhof und wartete auf den Zug.

Jetzt war es soweit

Ich kontaktierte noch ein paar Freunde, falls ich doch auf einen bösen Mann treffen und ich verloren gehen sollte. Nur für den Fall der Fälle. Es kam ein Typ in meine Richtung und winkte mir zu. Und ich dachte nur: „Oh Gott so sah er doch nicht aus!“ Ich stellte fest, dass er seine Mutter hinter mir meinte. Das war die erste Situation, in der ich kurz davor war zu verschwinden. Fast als Letzter kam er dann und wir begrüßten uns. Ich fand ihn toll. Puh, da war Er also. Ich ging mit ihm in ein Café und es kam die Frage, was wir trinken und er antworte: „Tee.“ Das war die 2. Situation, in der ich wegrennen wollte, weil ich den Gedanken hatte, dass er vielleicht doch Nichts für mich ist. Heute lachen wir über die Situation. Wir tranken am Ende einen Cocktail und zogen noch weiter bis morgens um vier. Wir hatten uns viel zu erzählen. Ich suche noch immer den Haken. Es ging alles ziemlich schnell bei uns.

Weil wir einfach füreinander gemacht sind

Wir haben uns unseren Familien schon vorgestellt. Wir sehen uns wann immer es geht. Die Zeit zusammen ist einfach wunderschön und unkompliziert. Weil wir in allem eine Sprache sprechen. Ich habe nie daran geglaubt, dass man sich auch so schnell so sicher sein kann. Aber es ist so. Wir haben jeweils vom Anderen einen Wohnungsschlüssel und wir möchten Ende 2016 oder Anfang 2017 zusammen ziehen. Ich werde mit nach Kiel gehen. Ich habe meiner Chefin schon Bescheid gegeben. Somit kann ich mich schon langsam verabschieden, abschließen mit dem Leben auf der Insel und mich auf eine neue Zeit vorbereiten. Und ich freu mich jetzt schon darauf, weil ich weiß, dass ist der Vater meiner Kinder. Ich liebe ihn. Ich möchte keinen Anderen mehr. So gehöre ich wohl doch zur neuen Generation „Liebe übers Internet“. Jetzt fühle ich mich selber wie eine aus der Werbung, weil es genauso kitschig passiert ist. Aber das ist mir egal. Denn es ist das Beste was mir passieren konnte. Vielen Dank!!!!“